„Gemeinschaft erleben“ fordert Offenheit von allen

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Drei Generationen in einem Verband: Monika Neumann, Magdalena Kremer mit Tochter Marlene und Silvia Grafe stehen für eine erfolgreiche Landfrauenarbeit in Kierspe.

Kierspe - Während viele Landfrauenverbände im Land über einen Mangel an Mitgliedern klagen, ist der Trend bei den Kiersper Landfrauen gegenläufig. Dort sind 126 Frauen organisiert und etliche weitere kommen zu den Treffen der mittlerweile drei Gruppen.

Von Johannes Becker

Mit einer Veranstaltung zum Thema „Erste Hilfe am Kleinkind“ startete im April dieses Jahres eine neue Landfrauengruppe – bereits die dritte, wenn auch mit einem vererbten Namen. Denn die Jungen Landfrauen gab es bereits. Gegründet ebenfalls in Kierspe, allerdings schon vor 14 Jahren.

„Um das Jahr 2000 herum hatte sich der damalige Vorstand überlegt, wie man den Fortbestand des Verbandes in Kierspe sichern könnte“, erinnert sich Sylvia Grafe, die dem Verband heute vorsteht. Herausgekommen ist damals die Gründung der Gruppe „Junge Landfrauen“ innerhalb des Verbandes. Heute sind die rund 40 Mitglieder dieser Gruppe alle jenseits der 40. Im Frühjahr entschlossen sie sich den gleichen Weg zu gehen wie Anfang der 2000er die ursprüngliche Gruppe. Die nicht mehr ganz so jungen Landfrauen schrieben rund 50 Kiersperinnen an, um diese zur Gründung einer neuen Gruppe zu bewegen. 25 folgten im Frühjahr diesem Aufruf. Heute nennen diese sich Junge Landfrauen, die Damen jenseits der 40 sind nun die Landfrauen und ab 60 gibt es die Senioren-Landfrauen.

„Doch die Trennung ist gar nicht so wichtig, viel entscheidender ist, was uns verbindet“, erklärt Monika Neumann, die Kassiererin im Verband ist und zu den Senioren gerechnet wird. „Für uns ist es wichtig, dass Mitglieder, die Interesse an einem Thema haben, auch am Programm einer anderen Gruppe teilnehmen können. Dadurch entsteht eine gelebte Gemeinschaft, die ich nicht mehr missen möchte“, führt sie weiter aus. Schaut man in den Jahresablauf der drei Gruppen, fällt auf, dass es aber auch von vornherein etliche Veranstaltungen gibt, die sich an Mitglieder aus allen drei Gruppen richten.

„Aber auch bei den Gemeinschaftsveranstaltungen ist es uns wichtig, dass wir immer bereit sind, alte Strukturen zu überdenken“, so Grafe. Als Beispiel nennt sie die Weihnachtsfeier, die über Jahrzehnte abends ausgetragen worden sei. Ein Termin, den die älteren Damen, die auch teilweise kein Auto mehr fahren, nur schlecht wahrnehmen konnten. Die Lösung war dann ein Brunch – und wer nicht selbst fahren konnte, wurde abgeholt.

„Auf Kreis- und sogar Landesebene ist das Interesse an dem Aufblühen unseres Verbandes groß, doch Nachahmer haben sich noch nicht gefunden. Viele Verbände haben wohl den Zeitpunkt verpasst, an dem jüngere Frauen angesprochen werden können, andere scheuen die viele Arbeit, die sich hinter solch einer Struktur verbirgt“, erklärt Grafe.

Mittlerweile denkt die Vorsitzende auch über eine weitere Gruppe nach: „Die ,Landfräuleins“ hätten schon was. Aber die Gruppe einer solchen Gruppe würde Fingerspitzengefühl, viel Arbeit und Zeit verlangen. Aber aufgeben möchte ich diesen Gedanken nicht.“

Bis es dazu kommt, bleibt aber auch noch genug in den drei bestehenden Gruppen zu tun. Dabei ist es der Vorsitzenden wichtig, dass die Mitglieder offen bleiben für die Ideen, Wünsche und Sorgen der jeweils anderen Gruppen. „Das wird schon bei der Kommunikation deutlich. Die Landfrauen und die Senioren setzen bei der Einladung zu den alle vier bis sechs Wochen stattfindenden Terminen ganz auf die Zeitung und den Rundruf. Die Jungen Landfrauen haben eine eigene Whats-App-Gruppe, über die ganz viel läuft. Wenn man da dranbleiben möchte, muss man auch bereit sein, einen neuen Weg zu gehen“, nennt Grafe nur ein Beispiel.

„Für uns jüngere Frauen ist es wichtig, von den Erfahrungen der älteren zu profitieren und trotzdem unsere Interessen leben zu können. Schön ist auch, dass durch die regelmäßigen Treffen neue Freundschaften und Kontakte außerhalb des eigenen Umfeldes entstehen“, so Magdalena Kremer, Vertrauensfrau bei den Jungen Landfrauen. Damit spricht sie einen weiteren Punkt des Erfolges an. Denn längst kommen nicht nur Frauen von Bauernhöfen zusammen. Die Landfrauen stehen allen offen – und das auch über die Stadtgrenzen hinaus.

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