Kiersper Landfrauen: Der Mix macht's

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Leiten den Kiersper Landfrauenverband: die erste Vorsitzende Sylvia Grafe (links) und Bärbel Balke.

Kierspe - Das Landleben boomt, doch die Zahl der Landfrauen ist rückläufig – allerdings nicht in Kierspe. Dort wächst der örtliche Verband seit Jahren. Waren vor zehn Jahren rund 80 Frauen Mitglied, sind es nun bereits 153.

Viele, die uns erleben, wollen auch dazugehören“, sagt Sylvia Grafe, die erste Vorsitzende. Doch so einfach ist es wohl nicht. Ein Baustein des Erfolges dürfte sicher die Dreiteilung des Verbandes sein, die aber durchlässig und von gegenseitiger Wertschätzung geprägt ist.

Gibt es üblicherweise nur einen Verband vor Ort, organisieren sich in Kierspe unter diesem Dach drei Gruppen: die jungen Landfrauen, bei denen üblicherweise Frauen zwischen Mitte 20 und Ende 30 zu finden sind, dann folgen die Landfrauen und schließlich die Seniorinnen, die meist das 60. Lebensjahr überschritten haben. „Aber es gibt keinen festgelegten Wechsel. Wer sich bei den Jüngeren wohlfühlt, kann dort auch noch bleiben, wenn beim Lebensalter eine 4 vorne steht. Außerdem stehen die Veranstaltungen der einzelnen Gruppen auch den Mitgliedern der anderen Gruppen offen“, so Grafe.

Und bei den Veranstaltungen haben die Landfrauen einiges zu bieten – rund 60 Stück finden jedes Jahr statt. Diese sind dann so vielfältig wie die Mitglieder selbst. Da gibt es Wellnessabende, es werden Fahrten unternommen oder es geht in Pumps auf den Bauernhof. Letzteres ist nicht wörtlich zu nehmen, nur die Veranstaltung heißt „Pumps @ Bauernhof“. Der Besuch eines landwirtschaftlichen Betriebes mit Führung über diesen erfreut sich großer Beliebtheit, erzählt die zweite Vorsitzende Bärbel Balke, die gleichzeitig auch Vorsitzende des Kreisverbandes mit seinen knapp 1500 Mitgliedern ist.

Der Hofbesuch ist auch ein Stück Nostalgie, haben sich doch die Landfrauen lange als Zusammenschluss der Bäuerinnen gesehen, heute bezeichnen sie sich lieber als Frauen vom Lande. Bis vor einigen Jahren mussten die Führungsämter noch mit Landwirtinnen besetzt sein. Doch das ist vorbei, auf Bundes-, Landes-, Kreis- und Ortsebene – heute reicht es, wenn ein Vorstandsmitglied Bäuerin ist. Balke: „Mittlerweile hat sogar die Vizepräsidentin auf Landesebene keinen landwirtschaftlichen Hintergrund mehr.“

Doch das Landleben selbst spielt im Verband immer noch eine zentrale Rolle, genau wie das Bewahren von Traditionen. So ist der Schmuck der Kirche beim Erntedankfest eine klassische Aufgabe des Verbandes. Und wenn ein Frühlingsfest gefeiert wird, dann natürlich auf einem Hof. In Kierspe allerdings auf einem Waldbauernhof. Bis zu 1500 Besucher kommen alle zwei Jahre nach Belkenscheid, wenn die Landfrauen einladen.

Weit mehr als 1000 Besucher kommen immer zum Frühlingsfest nach Belkenscheid.


Doch jenseits von Streichelzoo und Kuchenbüfett wird es politisch, da stehen Themen wie „Gib Plastik einen Korb“ oder „Einschulung mit fünf“ auf dem Programm. Es wurde auch schon mal den Landtagsabgeordneten auf den Zahn gefühlt und die Arbeit der Landfrauen vorgestellt.

Auf Kreis- und Landesebene wurde schon lange zur Kenntnis genommen, dass in Kierspe etwas anders läuft als im Rest des Landes. Und erste Versuche, das „Kiersper Modell“ zu kopieren, zeigen Erfolge. So berichtet Grafe vom Halveraner Verband, wo es nun neben den Landfrauen auch junge Landfrauen gibt. Und Balke ergänzt mit einem Hinweis auf Iserlohn-Kesbern. Dort haben sich die Landfrauen wegen Überalterung aufgelöst. Mittlerweile hat sich dort aber eine neue Gruppe mit anderen Inhalten und deutlich jüngeren Mitgliedern gegründet.

Die Kiersperinnen indes sind weit über dieses Stadium hinaus. Zehn Jahre ist es her, da gab es in Kierspe rund 80 Landfrauen. „Als wir dann dreistellig wurden, haben wir uns sehr gefreut“, erinnert sich Grafe. Vor Weihnachten im vergangenen Jahr konnten sie dann mit der Entgegennahme eines Mitgliedsantrags die 150. Landfrau im Verband begrüßen. Mittlerweile gibt es 153 Mitglieder. Wie gut die Kooperation zwischen den Frauen funktioniert, wurde beim Frühlingsfest deutlich, wo nahezu 80 Helferinnen aus den eigenen Reihen tätig waren, aber auch die Veranstaltungen kurz vor Weihnachten zeigen, wie gut die drei Gruppen miteinander harmonieren. Mittlerweile müssen die Vorstandsmitglieder schon ganz schön suchen, um einen Raum zu finden, in dem alle Platz finden, die an der Weihnachtsfeier teilnehmen.

Das Interesse der Landfrauen an der traditionellen Fahrt auf einen Weihnachtsmarkt hat auch Balke vor Herausforderungen gestellt. Nach einem Post in die WhatsApp-Gruppe war der vorgesehene Bus am ersten Tag ausgebucht. Als sich am nächsten Tag die Seniorinnen trafen, kamen noch weitere Anmeldungen dazu. Mittlerweile wollen 60 Frauen mitfahren. „Einen zweiten Bus zu organisieren, ist da noch das kleinere Problem, aber ein Restaurant in der Nähe des Marktes zu finden, in dem eine solch große Gruppe aufgenommen werden kann, ist da schon schwerer“, erzählt die zweite Vorsitzende.

Für die Zukunft haben sich die Vorstandsmitglieder einiges vorgenommen: so will man weiter wachsen. „Das wird uns gelingen, wenn wir mit unseren Themen am Puls der Zeit bleiben“, ist sich Grafe sicher. Dabei setzt sie voll auf ihre Landfrauen: „Viele haben Talente, das macht manches einfacher im Verband.“

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