Lob für eine überzeugende Regionale-Darstellung

Interaktive Prozesse und Quartiermanagement zur Belebung der Kölner Straße werden vom Land finanziell hoch gefördert.

KIERSPE ▪ Das Konzept, die Kölner Straße über ein Kreativquartier zu beleben, indem unter anderem leerstehende Ladenlokale von der Kommune angemietet und kostenlos oder gegen einen geringen Mietpreis, abhängig vom geschäftlichen Erfolg, an Künstler, Kunsthandwerker und Designer vergeben werden, stieß beim Ministerium für Bauen, Wohnen und Stadtentwicklung auf großes Interesse und wird nun als Pilotprojekt im Rahmen der Regionale-Aktivitäten der vier Volmetalkommunen gezielt gefördert.

„Das findet so ausschließlich in Kierspe statt und nicht in den anderen drei Städten und Gemeinden“, machte Hans-Joachim Hamerla vom Düsseldorfer Büro ASS im Ausschuss für Stadtentwicklung, Planung und Wirtschaftsförderung am Dienstag deutlich und sprach wörtlich von einer „Lex Kierspe“. Im Rahmen dieser Experimentierklausel gebe es die Möglichkeit, zu sehr flexiblem Handeln mit dem Ziel einer Initialzündung für den Zentrumsbereich im Ortsteil Bahnhof: Wenn ein Betrieb sich etabliert hat und vielleicht ein größeres Ladenlokal anmietet und umzieht, kann das bisherige Geschäft sofort an den nächsten vergeben werden. Genauso soll auch, wenn sich herausstellen sollte, dass die Kreativszene in diesem Bereich das Angebot nicht annehmen sollte, nach Ablauf einer bestimmten Zeit kurzerhand einfach die Zielgruppe verändert werden. Er verwies jedoch darauf, dass es allein im oberen Volmetal 80 Initiativen im Bereich der Kultur gebe und für diese versteht er das Kreativquartier in Kierspe als Angebot. Möglich sei zudem eine Verlängerung des Projekts über die erst einmal vorgesehenen drei Jahre hinaus auf vier oder maximal sogar fünf Jahre. „Es geht nicht darum, die Kreativszene zu etablieren, sondern vorrangig darum, die Kölner Straße zu beleben“, brachte Hamerla es auf den Punkt. Die wichtigste Voraussetzung sei, dass die Hauseigentümer die Chance nutzen und mitmachen und ebenfalls die Zielgruppe.

Insgesamt sollen sechs Ladenlokale so gefördert werden, wobei eines schon für das Quartierbüro wegfällt, in dem eine Anlaufstelle für die Bürger eingerichtet wird, die von der Verwaltung, von dem Büro ASS, dem Stadtmarketing sowie gegebenenfalls weiteren Akteuren besetzt werden und eine wichtige Kommunikations- und Koordinierungsaufgabe erfüllen soll. Ein weiteres Ladenlokal ist als große Ausstellungs- und Begegnungsstätte gedacht, dafür steht der alte Supermarkt bereits fest. So bleiben vier frei zu vergebende Ladenlokale, die möglichst in einem zusammenhängenden Abschnitt des Straßenzuges liegen sollen.

Hermann Reyher von den Grünen begrüßte das Quartiermanagement, mahnte jedoch, das Dorf nicht zu vergessen. Dazu entgegnete Hamerla, dass aus dem Pilotprojekt Erkenntnisse gezogen werden könnten, die sich dann auch auf den anderen Stadtteil übertragen und dafür nutzen ließen. Die bewilligten Mittel einfach zu übertragen, sei allerdings natürlich nicht machbar. Er gab dem Politiker dabei recht, dass auch ihm die Entwicklung im Dorf Sorgen mache.

Von Dieter Grafe von der UWG kam der dringende Appell, die vorgeschlagenen Maßnahmen mit dem Leerstandsmanagement, dem Quartiermanagement mit interaktiven Prozessen und der Einrichtung des Quartierbüros sowie dann noch der Einrichtung eines Verfügungsfonds zur finanziellen Unterstützung für kleine Projekte, Aktionen und Maßnahmen der Bürger mit einem Volumen von insgesamt 275 000 Euro mitzutragen. Provokativ fragte er: „Wenn wir nichts machen, ist es viel schlimmer. Daher sollten wir es auf jeden Fall versuchen.“ Dabei bezog er auch den Volme-Freizeit-Park mit ein, obwohl dieses Thema gar nicht auf der Tagesordnung stand.

Das gab Marc Voswinkel von der SPD Gelegenheit, seine kritische Haltung dazu zu bekräftigen und zu unterstreichen, dass die Zustimmung zu den Maßnahmen an der Kölner Straße unter dem Vorbehalt zu sehen seien, dass dem Freizeit-Park damit nicht gleichzeitig auch zugestimmt werde. Da gebe es im Gegenteil vielmehr große Vorbehalte.

Lob kam allseitig für die souveräne und überzeugende Darstellung des ASS-Vertreters, der alle offenen Fragen befriedigend zu klären wusste. Gewährleistet ist auch weiterhin eine intensive Beteiligung der Politik. So schlug Hans-Joachim Hamerla alle zwei Monate einen Jour fixe mit den Fraktionsvorsitzenden im Rahmen der interfraktionellen Runde vor, um die notwendige Rückkopplung sicherzustellen.

Rolf Haase

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