Vom Land der Inkas in die Sauerländer Berge

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Willig lassen sich „Rob und Martha“, die beiden Alpakas, an der Leine führen und auch die eine oder andere Streichelaktion über sich ergehen. ▪

RÖNSAHL ▪ Staunende Kinderaugen hingen am Mund der Erzählerin. Knisternde Spannung machte sich breit, ließ die zuvor arrangierte Malaktion, mit der die elf Kinder im Alter von acht bis dreizehn Jahren, die an diesem Tag an der Ferienspielaktion teilnahmen, ihren Frust über das miserable Wetter draußen zumindest ein wenig abreagieren konnten, in den Hintergrund treten. Ausgerechnet an diesem Tage schüttete es mal wieder, was das Zeug hält. Kaum Gelegenheit also für Ute Velten und Barbara Löffler von den Rönsahler Landfrauen, das zum großen Teil auch im Freien vorgesehene Programm am besonderen Aktionstag wie geplant durchzuführen.

So war Improvisationstalent gefragt, und daran mangelte es den Gastgeberinnen in der Historischen Brennerei in keiner Weise. Auch das an Ort und Stelle zubereitete Mittagessen, Spaghetti mit Fleischeinlage, Gemüse und Nachtisch, gehörte unverzichtbar mit dazu.

Denn nach dem tollen Echo, das die im Vorjahr die Ferienspielaktion gefunden hatte, wussten die Rönsahler Landfrauen mit der Situation umzugehen. „Schlechtes Wetter gibt es nicht“, so die Devise, die Ute Velten, Brigitte Escher, Barbara Löffler und Christa Klein von vornherein in die Tat umsetzen.

Unterstützt wurden sie tatkräftig von der gebürtigen Peruanerin Vilma Hellbusch aus Halver, die sich mit viel Einfühlungsvermögen um die kleine Rasselbande kümmerte. Regenschauer hin oder her – im alten Gemäuer der Historischen Brennerei in Rönsahl stecken jede Menge an spannenden Geschichten. Eine davon war wie gemacht für diesen Tag: Die nämlich, die im fernen Südamerika spielt, im legendären Land der Inkas, des sagenumwobenen Indianervolkes, das vor langer, langer Zeit in den Hochebenen von Peru, in Bolivien und Ecuador Weltgeschichte schrieb und Kultur lebte, die bis in die heutigen Tage unvergessen ist.

Davon hatten die meisten der Kinder zwar schon einiges gehört. Aber was die legendären Indianerstämme nun mit Rönsahl und dem Ferienspieltag speziell zu tun haben, das erfuhren die Kinder, als Ute Velten das Geheimnis um das auf einem Tisch liegenden dicke kuschelig-flauschige Wollknäuel lüftete. Die Wolle nämlich stammte von den beiden inzwischen nahezu handzahmen Alpakas, den eigentlichen Stars an diesem Ferienspieltag. Sie bilden seit einigen Jahren als exotische Haustiere den besonderen Hingucker bei der Familie Velten in Rönsahl und speziell auch bei den Ferienspielen und warteten im trockenen Unterschlupf auf dem ehemaligen Bauernhof darauf, von den Kindern entdeckt zu werden.

Knisternde Spannung, nur hin und wieder unterbrochen von Fragen der Kinder, die bereitwillig und erschöpfend beantwortet wurden, machte sich breit, als Ute Velten von ihren Erfahrungen mit diesen ursprünglich von den Indios in Südamerika gehaltenen Alpakas, einer wertvollen Tierrasse aus der Familie der Kamelarten, berichtete. Zwar auch seit langem in Europa zuhause, im Sauerland aber noch eher selten zu finden, gehören Rob und Martha, so heißen die beiden Exoten, seit etwa fünf Jahren fest mit zum Umfeld am Leier Weg in Rönsahl, wo Familie Velten wohnt. Die genügsamen „Rasenmäher“ ernähren sich hauptsächlich von Gras und Heu, verschmähen allerdings auch einen Apfel nicht, sind recht pflegeleicht, und ihre Artgenossen waren und sind für die Bevölkerung in ihren Heimatländern ein unverzichtbarer Wirtschaftsfaktor, wie die Kinder erfahren. Aus der Wolle der Tiere, die nur einmal pro Jahr geschoren werden kann und die zu den wertvollsten und teuersten Wollsorten weltweit gehört, fertigen die Indios Kleidungsstücke wie Ponchos und Mützen, bunte Bänder zum Tragen von Lasten und viele Dinge des Alltags. Ron und Martha allerdings haben es besser getroffen – sie wohnen in Rönsahl eben „just for fun“.

In einer Regenpause galt es für die Kinder, die Gunst des Augenblicks zu nutzen. Rob und Martha schienen zu ahnen, was ihnen bevor steht, als die kleine Rasselbande sich dem Unterstand näherte, denn schließlich wollte jedes Kind einmal Alpakaführer sein. Mit sicherer Hand und beruhigenden Worten wirkte Ute Velten auf die Tiere ein, und die ließen sich nach geringen Anlaufschwierigkeiten dann auch bereitwillig von Kinderhand führen. Sicherheitshalber geschah das aber auf einem scheinbar wie dafür geschaffenen Laufsteg inmitten des ehemaligen Kuhstalles, um neuerlichen Regengüssen aus dem Weg zu gehen. Ute Velten wusste spannend zu erzählen, und so ganz nebenbei gab es für die Kinder auch ein wenig Biologieunterricht. ▪ cr

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