Pflege und Ausbau eines Netzwerks „Hausärzte“

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Die beiden Volmestädte zählen zu den unterversorgten Gebieten, was Hausärzte angeht, und werden daher sowohl vom Land als auch von der Kassenärztlichen Vereinigung gefördert. Die Stadt Kierspe setzt auf die Pflege und den Ausbau eines Netzwerks, um Allgemeinmediziner nach Kierspe zu holen – und bedient sich dabei auch professioneller Hilfe.

Kierspe - „Das grundsätzliche Problem ist: Es sind keine Ärzte da“, sagt Bürgermeister Frank Emde. Die Möglichkeiten der Stadt, darauf Einfluss zu nehmen, um (Allgemein-) Mediziner nach Kierspe zu holen, bezeichnet er als sehr gering. Dennoch werde das schon vorhandene Netzwerk zu interessierten Ärzten weiter ausgebaut und gepflegt.

Der Verwaltungschef sieht in diesen Kontakten zu den Ärzten, der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), interessierten angehenden Medizinern und anderen die wesentliche Möglichkeit, etwas gegen die nicht gerade gute Versorgung mit Hausärzten in Kierspe zu tun. Gespräche mit den Kiersper Medizinern – sowohl im Plenum als auch am Telefon – würden immer wieder geführt. Und auch zur KV habe man regelmäßig Kontakt. In zwei Fällen sei dieses Netzwerk, betont Frank Emde, hilfreich gewesen. Denn für zwei Praxen, deren Fortbestand nicht geregelt gewesen wären, scheint es, wie berichtet, Nachfolger zu geben.

Stadt bedient sich professioneller Hilfe

Ob es dann letztlich zu den Praxisübernahmen kommen würde, so der Bürgermeister, bleibe natürlich abzuwarten. Darüber hinaus bedient sich die Stadt professioneller Hilfe, um zukünftige Mediziner dafür zu gewinnen, in der Volmestadt zu praktizieren.

Zum Teil endeten einige Gespräche ohne Ergebnis, andere würden aber weitergeführt, weiß der Verwaltungschef um die Schwierigkeiten, Ärzte zu gewinnen. Von denen es viel zu wenige gibt: Seit 1990, dem Jahr der Wiedervereinigung, gebe es jährlich 2000 Ärzte weniger als zuvor in der Bundesrepublik. Man benötige aber die doppelte Anzahl an Medizinstudenten und Weiterbildungsassistenten, um den Bedarf decken zu können.

Daher würden der Kassenärztlichen Vereinigung, die für die Sicherstellung der medizinischen Versorgung verantwortlich zeichne, die Fachärzte fehlen. Dabei müsse noch zwischen den Hausärzten und den anderen Fachärzten wie Hals-Nasen-Ohren-Arzt, Urologe oder Augenarzt unterschieden werden.

Während das Versorgungsgebiet bei den Allgemeinmedizinern mit Meinerzhagen und Kierspe noch vergleichsweise klein ist, gebe es bei den übrigen Fachärzten so gut wie keine Chance, jemanden nach Kierspe zu holen. Zum Gebiet zählen nicht nur der Märkische Kreis, sondern auch Dortmund und Bochum. An den von Berlin vorgegebenen Bedarfsplan sei die KV gebunden.

Hausärzte arbeiten bis ins hohe Rentenalter

Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hatte vor einem guten halben Jahr darauf hingewiesen, dass 660 Hausarztsitze in Nordrhein-Westfalen unbesetzt sind. Besonders auf dem Land würden viele Allgemeinmediziner bis ins Rentenalter hinein arbeiten.

Dennoch seien 457 Hausärzte im Jahr 2016 in den Ruhestand gegangen, aber nur 219 neue Anerkennungen für den Facharzt „Allgemeinmedizin“ erteilt worden. In Nordrhein-Westfalen, so der Minister, arbeiteten etwa 13 Prozent der Hausärzte über das 65. Lebensjahr hinaus, in Westfalen-Lippe seien es sogar fast 20 Prozent, hatte Laumann erklärt.

Aus diesem Grund ist vom Gesundheitsministerium das „Hausarzt-Aktionsprogramm“ aufgelegt worden. Allgemeinmediziner, die sich (auf dem Land) niederlassen wollen, können eine Förderung bis zu 50 000 Euro erhalten.

Förderung in unversorgten Gebieten

Dieser Förderbetrag kann verdoppelt werden, denn auch die Kassenärztliche Vereinigung fördert die Niederlassung von Allgemeinmedizinern in unterversorgten Gebieten und solchen, denen eine Unterversorgung droht. Voraussetzung, um von der KV eine Förderung bis zu 50 000 Euro zu erhalten, erläutert KV-Pressesprecher Jens Flintrop, ist, dass die Stadt oder Gemeinde, in der sich der Arzt niederlassen möchte, im Förderverzeichnis steht, also zu den unterversorgten Gebieten gehört.

In diesem Förderverzeichnis stehen unter der Rubrik „Hausärzte“ nicht nur Kierspe und Meinerzhagen, sondern beispielsweise auch Menden, Nachrodt-Wiblingwerde, Neuenrade und Werdohl aus dem Märkischen Kreis. Bei der möglichen Förderung handele es sich meistens um ein sogenanntes Praxisdarlehen, erläutert Jens Flintrop weiter, davon müssten in den ersten beiden Jahren jeweils 6000 Euro zurückgezahlt werden, der Rest sei eine Art Anschubfinanzierung.

Intensive Betreuung durch die KV

Darüber hinaus gebe es von der KV eine intensive Betreuung, ein Patenschaftsprogramm und auch Mindestumsatzgarantien. Dadurch wolle man insbesondere Frauen die Skepsis und Sorgen vor dem Schritt in die Selbstständigkeit als Hausarzt nehmen.

„Es macht keinen Sinn, seitens der Kommune finanzielle Anreize zu geben“, meint Frank Emde mit Blick auf die bereits vorhandenen Fördermöglichkeiten durch Land und KV. Auch bei den Stipendien, die der Märkische Kreis an Medizinstudenten vergibt und die sich wiederum verpflichten, für eine bestimmte Zeit im Kreis als Arzt zu praktizieren, gebe es keine unmittelbare Einflussnahme.

Mittelbar würde Kierspe aber profitieren, wenn die Ärzte dann beispielsweise im Krankenhaus arbeiteten. „Und dann hoffen wir auf den Klebe-Effekt“, sieht der Bürgermeister die Möglichkeit, dass sich solch ein Arzt als Allgemeinmediziner niederlässt, weil es ihm hier gut gefällt. Dabei kann dann möglicherweise das Netzwerk in Zusammenarbeit mit der professionellen Hilfe wieder helfen, um einen Nachfolger für eine Praxis in Kierspe – der Ruhestand eines weiteren Hausarztes ist nicht mehr allzu fern – zu finden oder dabei zu unterstützen, gar eine neue aufzumachen.

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