Konfliktpotenzial: Bahn sorgt für Wartezeiten und Verbote

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Wartezeiten müssen alle Autofahrer in Kauf nehmen, die nach oder von Herlinghausen fahren. Denn ein sogenannter BÜP wird den Bahnübergang mit einem rot-weißen Flatterband bei Zugverkehr sperren.

Kierspe - „Das birgt Konfliktpotenzial“, befürchtet Oliver Knuf, Leiter des Sachgebiets Ordnung und Umwelt, mit Blick auf die Vorgaben des Eisenbahnbundesamtes, die vom Märkischen Kreis als Verkehrsbehörde umgesetzt werden müssen – denn sonst darf ab dem kommenden Sonntag kein Zug von Meinerzhagen nach Lüdenscheid und umgekehrt fahren.

Es betrifft Maßnahmen aus Sicherheitsgründen an drei Bahnübergängen auf Kiersper Stadtgebiet, über die Oliver Knuf erst am Mittwoch informiert wurde. Die vergleichsweise einfachste Maßnahme betrifft den Bahnübergang in Bollwerk. Dort muss auf der Straße Hüttenberg eine weiße, durchgezogene Linie aufgebracht werden, um dadurch zu verhindern, dass Fahrzeuge, die von der B 54 kommen, nicht nach links auf den Parkplatz des Dorfgemeinschaftshauses abbiegen. 

Schon mehr Konfliktpotenzial steckt in der Anordnung, den Bahnübergang bei Haus Rhade für Fahrzeuge, die länger als zehn Meter sind, zu sperren. Ursache dafür ist ein schmales Brückenbauwerk, unter dem, so vermutet der Ordnungsamtsleiter, höchstens noch eine Versorgungsleitung liegt. Da dort ein Begegnungsverkehr von Lastwagen nicht möglich ist, könnte ein zehn Meter langes Fahrzeug mit dem Heck noch auf dem Bahngleis stehen.

Diese schmale Brücke bei Haus Rhade ist der Grund, warum kein Lastwagen, der mit oder ohne Anhänger länger als zehn Meter ist, zur und von der B 54 fahren darf.

Die Beseitigung dieses Nadelöhrs werde zwar als vordringlichste Aufgabe benannt, doch ob die Brücke verbreitert oder ganz abgerissen und das Teilstück aufgeschüttet wird, steht noch nicht fest. So lange wird es nicht nur das Lkw-Verbot (ab 3,5 Tonnen, Anlieger frei), sondern auch die Fahrzeuglängenbegrenzung geben. Auf das Durchfahrtverbot wird bereits an der Landesstraße 528 und an weiteren markanten Stellen im Halstenbach-Tal hingewiesen.

Das bedeutet, dass beispielsweise Langholz-Transporter, Milchwagen mit Anhänger oder Traktoren mit Maschinen dahinter nicht von Haus Rhade zur B 54 – obwohl die Bundesstraße vor Augen – und umgekehrt fahren führen. Eine besondere Maßnahme muss laut Vorgabe des Eisenbahnbundesamts für den Bahnübergang in Herlinghausen getroffen werden, weil dort gleich drei Straßen über den Schienenstrang führen. Andreaskreuz und Rotlicht würden an dieser Stelle nicht ausreichen. Dort muss eine Schranke installiert werden. 

Ein „HIP“ genügt nicht – ein „BÜP“ muss her

Da dies bislang nicht geschehen ist, kommt es zu einer Ersatzmaßnahme: Ein sogenannter HIP (Hilfsposten) reicht nicht aus, da jemand mit einer roten Fahne zwar Hinweise geben kann, aber keine Berechtigung hat, Fahrzeuge anzuhalten. Daher gibt es vom Bundesamt in Berlin die Vorgabe, einen BÜP (Bahnüberwachungsposten) einzusetzen.

Dieser wird bei Ankündigung eines Zugs den Bahnübergang mit rot-weißen Flatterbändern absperren. Das bedeutet nicht nur, dass am Herlinghauser Weg ein Container mit Toilette als Unterkunft für den BÜP – wahrscheinlich muss es zwei Personen geben, die den Bahnübergang im Schichtbetrieb regeln – aufgestellt werden muss.

Schilder vor den Übergängen weisen auf den stündlichen Bahnverkehr hin.

Für alle, die von oder nach Herlinghausen wollen, heißt dies auch, lange Wartezeiten in Kauf zu nehmen. Denn der Überwachungsposten wird den Bahnübergang bereits dann sperren, wenn der Zug den Bahnhof in Meinerzhagen oder in Brügge verlässt. Erst eine Schranke wird diese Maßnahme irgendwann überflüssig machen.

Auch wenn die Bahn ab Sonntag wieder durch das komplette Volmetal rollen wird, so gibt es noch jede Menge Arbeit. Dies betrifft nicht nur den Bau von Bahnsteigen in Kierspe und Oberbrügge sowie den eines Ausweichgleises, sondern auch die Maßnahmen an den drei genannten Bahnübergängen.

Ebenfalls noch nicht durchgeführt wurde die Installation von Ampelanlagen auf der B 54 am Abzweig Sankel und am Eiskeller, die den Verkehr auf der Bundesstraße stoppen werden, sobald ein Zug die jeweilige Stelle passiert – die Aufstellfläche für Autos ist zu klein.

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