Kreativ mit Ton und Glasurfarbe

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Kursleiterin Carola Frings bestückt den Brennofen mit den ersten Objekten. ▪

KIERSPE ▪ Meist ist es ziemlich ruhig bei der Arbeit, denn die Frauen sind viel zu konzentriert und formen den Ton zu Gartenkugeln, Schalen oder auch Figuren. Dabei kommen durchaus ganz unterschiedliche Techniken zur Anwendung: So werden Gipsformen genutzt oder auch die Wulsttechnik angewandt.

Dünne Stränge von Ton werden ringförmig oder in Spiralen übereinander geschichtet und dann beimodelliert. Auch die Daumendrucktechnik ist beliebt. Zur Deko werden eigentlich zum Backen bestimmte Teigstechformen eingesetzt. Und wenn dann doch mal Gespräche geführt werden, meist in eher gedämpftem Ton.

Nur wenige Männer haben sich zu dem Töpferkurs von Carola Frings in den Räumen der Schalksmühler Verbundschule Löh eingefunden. Es handelt sich um ein Angebot im Rahmen des Volkshochschulprogramms. Vertreten sind jedoch alle Altersgruppen, vom Kind bis zur Seniorin. „Sogar ein geistig behindertes Mädchen kam mal zusammen mit seiner Mutter und Oma“, erinnert sich Frings, der die Arbeit mit dem Mädchen sehr viel Spaß bereitet hat.

Die Verarbeitung von Ton und Lehm sowie das Brennen des sogenannten Irdenguts sind wahrscheinlich die ersten Handwerkskünste, die mit der Entstehung der menschlichen Kultur in engem Zusammenhang stehen, weiß die 43-jährige Keramikerin. Sowohl das Handwerk wie auch die Töpferkunst als älteste Methoden zur Herstellung von Gefäßen, Gegenständen plastischer Formgebung überhaupt behielt über Jahrhunderte und sogar Jahrtausende ihre Bedeutung.

Nach dem Formen werden die vorgetrockneten Werkstücke gebrannt und dadurch dann auch gehärtet. Dafür wird der spezielle Brennofen auf zum Teil über 1000 Grad aufgeheizt. Wegen dieser aufeinander folgenden Arbeitsschritte war der Kurs auch in drei Einheiten aufgeteilt: Einen ganzen Tag, an dem mit dem Ton gearbeitet wurde. Dann wurde glasiert, also mit Farbe gearbeitet, wonach das Objekt ein zweites Mal gebrannt werden musste. Und dann gibt es noch einen Abholungstermin, bei dem natürlich die Ergebnisse gegenseitig begutachtet werden.

Carola Frings bietet schon seit vielen Jahren Töpferkurse an. „Ich habe mit 16 Jahren angefangen. In der damaligen Hauptschule hatte ich eine Kunstlehrerin, mit der wir getöpfert haben“, berichtet sie. Das hatte ihr sofort gefallen und anschließend hatten ihre Eltern sie auf ein Angebot im VHS-Programm von Christel Schmermbeck hingewiesen. „Ich habe jedes Semester mitgemacht und im Alter von 22 im Jahr 1992 selbst meinen ersten Kurs übernommen.“ Erst machte sie das noch zusammen mit Schmermbeck, später dann allein. Seitdem hat die 43-jährige Schalksmühlerin mit kurzen Unterbrechungen durch Babypause und weil eine Zeitlang Serviettentechnik mehr gefragt war, jedes Semester Angebote unterbreitet. Zwischendurch ist sie auch noch in Kindergärten zu Gast und arbeitet mit den ganz Kleinen.

Die Arbeit mit Ton hat sich während dieser langen Zeitschon etwas verändert: Wurde, als sie anfing, meist nur mit einer Tonsorte getöpfert und überwogen bei den Glasuren Brauntöne und allenfalls noch Beige, ist heute das Sortiment deutlich vielseitiger: So hat Frings immer Tonsorten in allen Farben im Angebot, von Schwarz über Braun, Rot, Ocker bis Weiß. Auch gab die Kursleiterin damals vor, was gemacht werden musste und hatte dadurch genug Zeit, auch selbst mitzuarbeiten. Heute können die Teilnehmer ihren Ideen freien Lauf lassen und Carola Frings läuft herum und ist zur Stelle, um individuell zu helfen.

Die Kursleiterin betont: Die größte Herausforderung für die Teilnehmer ist in der Regel, dass sie sehr sorgfältig arbeiten müssen, um gute Resultate zu erzielen. Wichtig sei es zu Beginn unbedingt, den Ton gut durchzukneten, um Lufteinschlüsse zu vermeiden. Schwierig sei für die meisten auch das Glasieren, weil die angemischten Farben oft ganz anders aussehen als hinterher die Glasur. So kann aus Rotbraun Blau oder auch Grün werden.

In der Regel haben alle Teilnehmer großen Spaß an der Arbeit: „Ich bin seit etwa drei Jahren dabei“, erinnert sich Annegret Kaufhold, die zum Töpfern kam, nachdem sie das mal mit ihrem Sohn gemacht und daran Interesse bekommen hatte. „Die Arbeit mit Ton hat mir gefallen und irgendwann habe ich mich daran erinnert und mich kurzerhand bei der Volkshochschule angemeldet“, sagt sie.

Rolf Haase

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