Kunststoffspezialist Hugo Ackermann feiert seinen 75. Geburtstag

Sibylle Sorgler und Christoph Ackermann leiten das Traditionsunternehmen bereits in der dritten Generation. - Fotos: Becker

KIERSPE - Kunststoff bestimmt seit 75 Jahren das Leben der Eigentümerfamilie und der Mitarbeiter der Firma Hugo Ackermann. Vom ersten Tag setzte das Unternehmen auf moderne Werkstoffe und Fertigungsverfahren, daran hat sich bis heute nichts geändert.

Als die Firma Battenfeld aus Meinerzhagen 1949 die erste Thermoplast-Spritzgießmaschine herstellte, war es die Firma Hugo Ackermann aus Kierspe, die die erste Spritzform dafür herstellte – und sich damit ein ganz neues Arbeitsfeld erschloss.

Zu diesem Zeitpunkt bestand das Unternehmen bereits mehr als zehn Jahre. Doch auch, als es 1938 gegründet wurde, setzten die Gründer Hugo Ackermann und Willy Weiland bereits auf damals noch neue Werkstoffe. Als Produktionsräume hatten die beiden Pioniere die Kegelbahn der Gaststätte Tannenbaum gemietet und stellten dort Pressformen für die Duroplastverarbeitung (Bakelit) her, aber auch Vorrichtungen für Produktionsabläufe und Prüflehren.

Anfang der 1940er Jahre verließ Willy Weiland die Firma, die fortan von Hugo Ackermann allein betrieben wurde. Mit immer volleren Auftragsbüchern wurde der bisherige Standort zu klein und es erfolgte 1946 der Umzug in ein stillgelegtes Hammerwerk, wo auch ein Jahr später mit einer eigenen Duroplastfertigung begonnen wurde.

1957 kam es dann zu einem erneuten Umzug, diesmal an die Volmestraße, wo das Unternehmen auch heute noch angesiedelt ist. Bereits zwei Jahre später reichte auch in dem Firmengebäude am neuen Standort der Platz nicht mehr aus und es gab den ersten Anbau, dem bis heute noch etliche folgen sollten.

Die heute noch genutzte Fertigungshalle wurde 1970 gebaut. Während dort in den ersten Jahren noch die Duro- und Thermoplastfertigung untergebracht war, wurden ab 1979 nur noch Thermoplaste gespritzt. Zu verantworten hatten diese Entscheidung bereits der Sohn des Gründers Ulrich Ackermann und der Schwiegersohn Karl Schulte, die die Firma 1970 von dem schwer erkrankten Hugo Ackermann übernommen hatten. Heute finden in dem Gebäude 15 moderne Spritzgießmaschinen ihren Platz, die Produkte bis zu einem Gewicht von zwei Kilogramm fertigen können.

Um die wertvollen Werkzeuge zu schützen, wurde 1991 ein sogenannter Werkzeugbunker gebaut, der vor allem bei einem Feuer Widerstand leisten soll.

Geführt wird das Traditionsunternehmen heute in dritter Generation von den beiden Enkelkindern des Gründers Sibylle Sorgler und Christoph Ackermann.

Jetzt sind es vor allem die Hersteller von Pumpen, Transformatorenbauer, die Solarindustrie, Telekommunikationsunternehmen, Firmen, die Bergbautechnik herstellen und der technische Maschinenbau, die von dem Kiersper Unternehmen profitieren.

Bei der Herstellung von Laufrädern mit strömungsoptimierten Schaufeln für die Pumpenindustrie kommt häufig das sogenannte Kernschmelzverfahren zum Einsatz. Dabei werden innenliegende Hinterschnitte und nicht auf herkömmliche Weise entformbare Konturen mit Hilfe von selbstgegossenen Metallkernen hergestellt. Die eingebrachte Speziallegierung hat einen geringeren Schmelzpunkt als der umgebende Kunststoff. Durch die geringe Temperaturdifferenz wird mit einem speziellen Induktionsverfahren die Metall-Legierung ausgeschmolzen, ohne dass der Kunststoff in Mitleidenschaft gezogen wird. Nur wenige Hersteller weltweit beherrschen diese Technik. Nach Kenntnis des Geschäftsführers Christoph Ackermann ist man auf dem Spezialgebiet der Schaufelradproduktion, mit dem eingesetzten Material, sogar der einzige in der gesamten Republik.

Ein anderes spezielles Fertigungsverfahren der Firma ist das Gas-Innendruckverfahren, das beispielsweise bei Haltegriffen für landwirtschaftliche Fahrzeuge zum Einsatz kommt. Das Gas wird als Nachdruck während der Abkühlung in das Innere der Schmelze gedrückt, wodurch sich ein Hohlraum bildet. Dadurch erhöht sich die Steifheit des Produktes, außerdem reduziert sich die Verformbarkeit und der Verzug. Dass auch noch das Gewicht reduziert und die Kühlzeit gesenkt wird, wird ebenfalls als Vorteil der Produkte ausgewiesen.

Ihren offiziellen Geburtstag feiert die Firma am Donnerstag, 1. August. Da dieser Tag aber mitten in die Sommerferien fällt, hatte sich die Geschäftsleitung zu einer vorgezogenen Feier entschieden, damit auch alle 30 Mitarbeiter teilnehmen konnten. Gemeinsam ging es für ein erlebnisreiches Wochenende nach Winterberg. - Johannes Becker

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare