Kunstausstellung erweist sich als voller Erfolg

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Mit verführerischer Geste luden Ilka Albrecht, Marek Tomicki, Sabine Kramer und Christophe Bossu (von links) zur Ausstellung ein. –

KIERSPE – „Genießen Sie einfach die Bilder, verlieren Sie die Bodenhaftung, und fragen oder analysieren Sie nicht zuviel“, riet die Halveraner Künstlerin Petra Pfaff den zahlreichen Besuchern der ersten Kunstausstellung im Rahmen der Regionale 2013, die sich am Samstag im ehemaligen Fabrikgebäude der Firma Helit an der Kölner Straße eingefunden hatten. Von Luitgard Müller

Das Thema der Ausstellung, „Er... Sie... Wir – erotische Sichtweisen“, war spannend und delikat, nicht zuletzt, weil hier zwei Frauen und zwei Männer ihren Blick auf die Erotik zeigten. Der außergewöhnliche Ausstellungsort, ein großer heller Raum mit deutlichen Gebrauchsspuren jahrelanger Arbeit, war ein guter Griff. Er war von der Stadt Kierspe zur Verfügung gestellt worden, die Beleuchtungsanlage hatte Halver beigesteuert. Christophe Bossu, Sabine Kramer, Marek Tomicki und Ilka Albrecht, vier Künstler aus Kierspe, Halver und Meinerzhagen zeigten in Gemälden, Zeichnungen und Fotografien ihre Interpretation von Erotik, der vergeistigten Liebe und Liebeskunst.

Besonders in den Fotografien von Ilka Albrecht zeigte sich, das es der Blick des Betrachters ist, der eine Szene erst erotisch erscheinen lässt. Das, was der Betrachter zunächst für ein wohlgeformtes Hinterteil halten konnte, entpuppte sich bei näherer Betrachtung als Nahaufnahme einer geschickt ausgeleuchteten Birne, und selbst auf einer Orangenhaut fand die Fotografin erotische Aspekte. Sie hatte sich auch vom Ausstellungsraum selbst bei der Präsentation ihrer Arbeit inspirieren lassen. In einem großen Schrank zeigte sie unter der Überschrift „Jetzt geht’s ans Eingemachte“ kleinformatige Arbeiten in Einmachgläsern.

Was sich im Betracher erotischer Szenen abspielen kann, hatte Christophe Bossu in drei Aktzeichnungen thematisiert, die im Kopfbereich mit vielen Begriffen die möglichen Reaktionen benannten. Seine Arbeiten waren flächig angelegt, auf Weiß und Grau reduziert. Einzig bei einem männlichen Akt signalisierte die Farbe Rot Sinnlichkeit und Leidenschaft.

Marek Tomicki geht delikates Thema direkt an

Verhalten, nach dem Motto „weniger ist mehr“, hatte sich auch Sabine Kramer dem Thema genähert. Die Motive ihrer Arbeiten in Acryl auf einem Untergrund aus Marmormehl, mit dem sie einen ausgeprägten Craquelé-Effekt erreichte, verbargen mehr, als sie zeigten, was die Spannung besonders steigerte.

Keinerlei Berührungsängste bewies Marek Tomicki in seinen Gemälden. Er ging das delikate Thema direkt an. Die von ihm gezeigten Szenen waren konkret und offensichtlich, durch die eingesetzte Farbe besonders lebendig. Tomicki scheute sich auch nicht, ein Triptychon zu präsentieren, das er noch nicht vollendet hatte, denn die gezeigten Arbeiten waren von den Künstlern eigens für die Ausstellung erarbeitet worden, die Farbe quasi noch feucht, wie es sich bei einer Vernissage gehört.

Petra Pfaff, die die Ausstellung eröffnete, erläuterte den Besuchern, wie sich die Einstellung zur Erotik im Laufe der (Kunst-)Geschichte veränderte. Für die musikalische Unterhaltung sorgte eine Band, die sich eigens für diese Ausstellung formiert hatte. Florence Eyok, eine junge Jazzsängerin mit großer Stimme, erntete mit Fritz Schmid (Saxophon), Max Jalaly (Bass) und Volkmar Schlingmann (Piano) viel Applaus für die stimmige Unterhaltung. Nicht nur von den Exponaten, die an Stahlgerüsten gezeigt wurden, auch vom Ausstellungsraum mit seiner ganz speziellen Atmosphäre zeigten sich die Besucher begeistert, so dass man die Ausstellung, die auch am Sonntag noch zu sehen war, wohl als vollen Erfolg bezeichnen darf.

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