„Es war kein einfaches Jahr, aber wir sind zufrieden“

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Die Volksbank-Vorstände Stephan Böhse (links) und Stephan Baldschun schauen auf ein zufriedenstellendes Jahr zurück und hoffnungsvoll in die Zukunft.

Kierspe - Die Banken „bekommen“ bei der EZB nur noch negative Zinsen für ihre Guthaben und das Vermögen der Verbraucher wird nur noch mit einem symbolischen Prozentsatz verzinst. Selbst die Vergabe von Krediten bringt den Banken derzeit kaum noch etwas ein. Da ist ein Wachstum - entsprechend dem des Bruttoinlandsproduktes (BIP) - schon ein Erfolg für den Vorstand der Volksbank Kierspe. „Es war kein ein- faches Jahr, aber wir sind zufrieden“, formuliert das Stephan Böhse.

Von 244,7 Millionen Euro im Jahr 2015 ist das Kundengeschäft auf 249 Millionen gewachsen. Das entspricht ziemlich genau dem BIP von 1,7 Prozent. Auch im Kreditgeschäft konnte die Bank zulegen, von 108 Millionen in 2015 auf nun 111,6 Millionen Euro. „Erfreulich ist, dass wir in diesem Jahr bereits 2,5 Prozent mehr bei den Krediten zugelegt haben“, freut sich Stephan Baldschun und blickt zuversichtlich in das laufende Jahr. Dabei verschweigen die beiden Vorstandsmitglieder nicht, dass die Zahlen im vergangenen Jahr besser waren. Da betrug das Wachstum noch 3,4 Prozent. Damals wuchs das Kreditgeschäft um etwas mehr als vier Millionen, doch bei den Kundeneinlagen sah es deutlich anders aus. Im vergangenen Jahr wuchsen diese Einlagen von 136,7 auf 137,4 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor gab es in diesem Bereich statt eines Wachstums von 0,7 Millionen noch eine Steigerung von rund vier Millionen. „Es ist schwierig, Kunden davon zu überzeugen, uns ihr Geld zu geben, wenn wir nur mit Nahe-Null-Prozent-Zinsen werben können“, sagt Baldschun. Und Böhse ergänzt: „Zinsen gibt es seit rund 2000 Jahren, doch Null- oder Minuszinsen hat es in dieser langen Zeit noch nie gegeben. Und wir schätzen, dass der jetzige Zustand auch noch eine ganze Weile so bleiben wird.“ Auch wenn sich Deutschland noch gegen den Trend stemme, so sei die Verschuldung in Europa hoch und steige derzeit noch. Auch sehe man aufgrund der Infrastruktur in Deutschland viel Potenzial für neue Schulden in den kommenden Jahren. Böhse: „Die Zeche zahlen die deutschen Sparer, denen seit 2010 rund 340 Milliarden Euro Zinsen entgingen.“

Begegnet ist die Bank der schlechter gewordenen Ertragslage auch mit der Umwandlung beziehungsweise Schließung bei den Kiersper Filialen. „Wobei sich darin auch das geänderte Kundenverhalten widerspiegelt. Denn immer weniger Menschen kommen in die Filialen. Die Bankgeschäfte werden lieber von Zuhause aus erledigt.“ Das drücke sich auch in der guten Annahme der Online-Filiale durch die Kunden aus. Die Volksbank war mit dem neuen Angebot im Internet als Pilotbank im Norden gestartet und hat diesen Schritt nicht bereut. Das deutlich größere Angebot an Dienstleistungen im Netz komme bei den Kunden gut an.

In der Spendenbereitschaft haben sich die härteren Rahmenbedingungen bislang nicht bemerkbar gemacht. Auch im vergangenen Jahr überwies die heimische Bank 25 000 Euro an Vereine und Institutionen, wobei der Schwerpunkt im Jahr 2016 auf der Feuerwehr lag. Zusätzlich zahlte die Bank noch 188 000 Euro Steuern. Weitere 5000 Euro wurden an den Verein für Kommunikation und Kultur in Kierspe und Meinerzhagen (KuK) überwiesen. Böhse: „Wir halten die Arbeit für einen wichtigen Standortfaktor.“

Erfreulich ist das Jahr auch für die Mitglieder gelaufen, die für ihre Genossenschaftsanteile erneut eine Verzinsung von 6,5 Prozent bekommen und damit deutlich mehr, als viele andere Genossenschaftsbanken im Durchschnitt zahlen. Sehr verträglich ist die Politik der Bank auch in anderen Bereichen geblieben. So werden nach wie vor keine Gebühren für das Einzahlen von Münzgeld aufs eigene Konto erhoben, wenn dieses über den Münzautomaten erfolgt. Andere Banken in der Republik waren in die Kritik geraten, weil sie sich diese Dienstleitung zum Teil teuer bezahlen ließen. Erfreulich für die Kunden ist auch, dass die Kiersper Volksbank dem Wunsch nach Schließfächern auch an der Hauptstelle nachkommt. Dort wird die entsprechende Anlage derzeit erweitert. „Wir nehmen auch schon Reservierungen entgegen“, so Böhse, der betont, dass es an den Filialstandorten auch noch freie Fächer gebe.

Zum Schluss, wie in jedem Jahr, betonen die beiden Vorstände, dass sich an der Selbstständigkeit der Bank auch in den nächsten Jahren nichts ändern werde. Auch damit stemmen sich die beiden Banker gegen einen bundesweiten Trend.

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