Gefühl von Sicherheit hinter Stahl und Beton

Nahezu täglich begleitet Sparkassen-Mitarbeiterin Carolin Becker Kunden in den Schließfachraum. Öffnen kann sie aber nur Fächer, die nicht von den Kunden belegt sind. -  Foto: Becker

KIERSPE - Einer der sichersten Orte Kierspes befindet sich tief im Erdreich, verborgen hinter meterdickem Stahlbeton und einer tonnenschweren Metalltür: der Raum mit den Schließfächern der Sparkasse.

Von Johannes Becker

Vor gut einem Jahr gruben Unbekannte einen rund 30 Meter langen Tunnel, um in einen ähnlichen Raum einer Berliner Bank zu gelangen. Der Weg durchs Erdreich war dabei sicher schon beschwerlich, doch die echte „Herausforderung“ erwartete die Täter kurz vor dem Ziel. Die Betonwand des Tresorraumes ließ sich nur mit einem speziellen Kernbohrer, der sonst im Bergbau eingesetzt wird, durchdringen. Im Inneren wurden einige Hundert Schließfächer geplündert. Da eine Versicherung nicht zum Standard der Bank gehörte, befürchten nun viele Kunden, auf den Schäden sitzen zu bleiben.

Völlig ausschließen möchten die Mitarbeiter der Sparkasse Kierspe-Meinerzhagen einen solchen Angriff auf die Schließfächer der Kunden in Kierspe nicht, doch sie geben sich sehr sicher, dass ein solcher Diebstahl nahezu ausgeschlossen ist. „Wir vertrauen ja nicht nur auf den Beton und die Tresortür, sondern haben zahlreiche Sicherheitssysteme installiert, die es selbst Fachleuten unmöglich machen sollten, in den Raum zu gelangen“, so Gerald Lenz, Leiter der Versicherungs-Agentur der Sparkasse. Er ist auch für die Versicherungen zuständig, die Kunden abschließen können, um im Fall der Fälle eine Entschädigung für den Verlust zu erhalten. Lenz: „Grundsätzlich sind die Fächer mit jeweils 3000 Euro abgesichert. Darüber hinaus kann der Inhalt natürlich auch höher versichert werden.“

Doch die Höhe des Versicherungswertes muss jeder Kunde selbst abschätzen, denn das Geschäft mit den Schließfächern läuft ausgesprochen diskret ab. „Wir haben keine Ahnung, was sich in den Fächern befindet“, so der Versicherungsfachmann.

Die Diskretion setzt sich bei der Nutzung fort. Um an sein Fach zu gelangen, muss sich der Kunde am Schalter „legitimieren“, anschließend geht es mit eine einem Mitarbeiter der Kasse in den Keller. Dieser muss die mehr als vier Tonnen schwere Tür öffnen, ein dahinterliegendes massives Gitter aufschließen und auch mit einem Bankschlüssel das Schließfach „vorschließen“. Anschließend bleibt der Kunde alleine in dem Raum, der den Charme der späten 1980er Jahre versprüht.

Beim Blick auf die Fächer, die sich vom Boden bis zur Decke erstrecken und ordentlich von eins bis 500 durchnummeriert sind, wird nicht deutlich, welche Werte sich dahinter verbergen. Urkunden, Uhrensammlungen und Familienschmuck, aber auch sicher Bargeld, auf das weder Finanzämter noch Sozialkassen Zugriff bekommen sollen, dürfte sich in den flachen Kunststoffeinschüben hinter den Metalltürchen befinden.

Die größte Nachfrage nach den Fächern erlebte die Sparkasse nicht bei der Krise vor sechs Jahren, sondern in der Zeit, in der sich die Einbrüche in Privathäuser mehrten. Heute sind nur noch wenige Schließfächer zu mieten. Für die Schlüssel zum Fach müssen die Kunden selbst Sorge tragen. Im Verlustfall kann die Sparkasse nur noch mit einem Schlosser helfen.

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