Villa Wirth soll ein neues Denkmal werden

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Der Kulturausschuss beschäftigt sich heute mit dem Denkmalschutz für die 1911 errichtete Villa Wirth, die weit oberhalb der Volmestraße liegt.

Kierspe - Oben der Chef und unten seine Angestellten, die Anfang des 20. Jahrhunderts natürlich noch Arbeiter hießen. Diese gewollte Ordnung drückt sich im Bau der Villa Wirth und der dazugehörigen Firma noch heute aus – auch wenn sich die Eigentumsverhältnisse von Haus und Firma geändert haben.

Nun soll das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt werden. In der Stellungnahme des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) heißt es dazu, dass das Innere und Äußere der Villa sowie des ehemaligen Stallgebäudes, die terrassenartig gestaltete Gartenfläche mit ihren Mauern, Böschungen, Wegen, Treppen und der Grotte, außerdem die Lindenallee, der Hainbuchenlaubengang und weitere Bepflanzungen zu dem Denkmal gehören.

Zu finden ist die Villa am Osthang des Volmetals, hoch über dem Fluss an der Waldgrenze. Von dort hatte der Erbauer nicht nur einen guten Blick auf die eigene Firma, die unmittelbar an der Volme errichtet worden war, sondern auch über den großzügigen Garten, der aufgrund der Hanglage in Terrassen angelegt worden war.

1911 wurde das Gebäude, das der Gummersbacher Architekt Heinrich Mühlenweg geplant hatte, in den Hang gebaut. Der Sockelbau wurde mit Bruchsteinen errichtet, darüber erhebt sich zweigeschossiger verputzter Bau. In den vergangenen Jahrzehnten wurden auch immer wieder Umbauarbeiten vorgenommen, unter anderem, um aus dem Einfamilien- ein Zweifamilienhaus zu machen. Allerdings befinden sich die Zimmer im Obergeschoss noch in dem Zustand, den der Grundriss zur Bauzeit vorgesehen hatte.

Der Garten wurde aufgrund der Hanglage dreifach terrassiert, wobei die oberste Anlage mit einer Bruchsteinmauer abgefangen wird. In diesem Bereich findet sich auch eine Grotte aus Natursteinen. In der Begründung zu Unterschutzstellung führt der LWL aus: „Die (...) Villa (....) ist bedeutend für die Ortsgeschichte in Kierspe, da sie das Leben und Wirtschaften eines Fabrikanten im späten Kaiserreich auf eindrucksvolle Weise abbildet.

Das Haus mit seinem großen Garten, der sowohl dem Vergnügen als auch der Selbstversorgung diente, bot von seiner Lage und Ausstattung eine gediegene Lebensqualität. Die Basis des Lebens – die Fabrik – war jedoch in Sichtweite und jederzeit erreichbar. Zeugnis der Architektur seiner Zeit (...) Für die Erhaltung und Nutzung liegen wissenschaftliche, hier architektonische, Gründe vor. Das Haus lässt sich in seinem Stil der moderaten Moderne des späten Kaiserreichs zuordnen.

Der Heimatschutzstil und das gediegene Wohnen bilden die gestaltenden Grundlagen. So sind einerseits die Zimmertüren wie Möbel gestaltet, andererseits ist man stolz auf das elektrische Licht. Ein wesentliches Element sind auch die Farbverglasungen, die in unterschiedlicher Form und Größe über das ganze Haus verteilt sind.“

Als weiteren Grund für die Unterschutzstellung nennt der LWL den Garten, der durch seine Symmetrie geprägt ist. Abschließend formulieren die Denkmalschützer einen hohen dokumentarischen Wert für das Haus mit seinem Nebengebäude und dem Garten als Zeugnis für die Villen- und Freiraumarchitektur des beginnenden 20. Jahrhunderts. Darüber hinaus werden städtebauliche Gründe angeführt, da Haus und Garten die stadtgestalterischen Vorstellungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts belegen würden.

Zugrunde liegt den Überlegungen des LWL ein Antrag des Ortsheimatpflegers Ulrich Finke, der sich an den Verband wandte, was zu einem Besichtigungstermin im vergangenen Jahr führte. Beraten wird über die Unterschutzstellung am heutigen Dienstag im Rahmen der Sitzung des Ausschusses für Schule und Kultur, der um 17 Uhr im Rathaus beginnt.

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