„Kümmerling“ Renate Weber: Helferin im Alltag

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Fast jeden Mittwoch kann man Renate Weber (Mitte) im Sozialen Bürgerzentrum antreffen. Dort trifft sie sich mit den von ihr betreuten Flüchtlingen, zu denen auch die Familie Mahmutaj gehört.

Kierspe  - Renate Weber ist „Kümmerling“ der Familie Mahmutaj und gehört zu einem Unterstützer-Kreis, der sich im Rahmen des Vereins „Menschen helfen“ etabliert hat.

Die Eltern waren in Panik: Ihr Sohn bekam zunehmend heftigere Schmerzen, aber inzwischen war es Abend, die Arztpraxen hatten geschlossen. In solchen Fällen empfiehlt sich ein Anruf beim ärztlichen Notdienst, die Nummer steht im Telefonbuch. Genau hier aber lag das Problem: Familie Mahmutaj war erst wenige Monate zuvor aus Albanien nach Kierspe gekommen, weder der 13-jährige Arti noch seine Eltern sprachen ausreichend Deutsch, um in dieser Situation selbst Hilfe zu organisieren.

In ihrer Not riefen die Eltern bei Renate Weber an. Da war es bereits 22.30 Uhr, aber Renate Weber kam, rief den ärztlichen Notdienst und blieb, bis der Arzt die Diagnose gestellt hatte und Arti in Begleitung seines Vaters ins Krankenhaus gebracht wurde. Da waren schon mehrere Stunden vergangen.

Renate Weber ist „Kümmerling“ der Familie Mahmutaj und gehört zu einem Unterstützer-Kreis, der sich im Rahmen des Vereins „Menschen helfen“ etabliert hat. Längst nicht alle Helfer sind Vereinsmitglieder, aber der Verein bietet eine Plattform, die die Ehrenamtlichen bei ihrer Arbeit mit Informationen unterstützt. Dramatische Situationen, in denen sofort ärztliche Hilfe nötig ist, sind zum Glück selten, aber auch der ganz normale Alltag ist für Menschen, die als Flüchtlinge nach Deutschland kommen, kompliziert.

Jeder einzelne braucht eine Wohnung und Kleidung, das neue Umfeld muss erkundet, die Kinder in Kindergarten oder Schule angemeldet werden. Zahlreiche Behördengänge müssen erledigt werden und sind teilweise zwingend vorgeschrieben. Damit sich so etwas wie Normalität einstellt, sind vielfältige Anstrengungen nötig, die von Flüchtlingen und deutschen Helfern gemeinsam bewältigt werden. Im Rahmen einer MZ-Serie sollen die Schritte auf dem Weg dorthin dargestellt werden, Schwierigkeiten ebenso wie Erfolgserlebnisse.

Die lagen im Fall der Familie Mahmutaj dicht beieinander: Arti musste operiert werden, die Eltern sollten unterschreiben, dass sie über die damit verbundenen Risiken aufgeklärt wurden. Mit Hilfe von Renate Weber und den Englischkenntnissen der 16-jährigen Tochter Eralda gelang auch das.

Arti ist längst wieder gesund und geht zur Schule, aber Renate Weber hält weiterhin Kontakt zur Familie. Das geht ganz unkompliziert: Familie und Betreuerin treffen sich regelmäßig mittwochs im Café von Hand in Hand. Bei einer Tasse Kaffee plaudern sie miteinander und klären Fragen, die regelmäßig auftauchen: Mal ist es ein Behördenbrief, dessen Inhalt die Eltern nicht verstehen, ein anderes Mal geht es um die Stromabrechnung. Inzwischen kennt Renate Weber sämtliche Hürden, die es für Flüchtlinge zu bewältigen gilt. Um andere Helfer zu unterstützen, hat sie eine Check-Liste erstellt, die fortlaufend ergänzt wird.

In loser Folge werden in den kommenden Monaten in der Meinerzhagener Zeitung die Menschen vorgestellt, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, den Flüchtlingen bei ihrer Eingewöhnung in dem für sie neuen Land zu helfen.

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