Die richtige Technik schützt vor dem Einbruch

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Michael Schneider mag es eigentlich nicht, wenn er fotografiert wird, wenn er mit dem Schraubenzieher „arbeitet“. Ihm ist es wichtiger, wenn die Exponate, die Sicherheit geben, aufs Foto kommen. Doch wenn das sicher ist, nimmt er auch die Pose des typischen Einbrechers ein.

Kierspe - Der Schraubendreher sieht schon mächtig aus und ist doch noch gerade so groß, dass er sich unter einer Jacke unauffällig mitführen lässt. Mit diesem einfachen Hilfsmittel gelingt es selbst einem Laien, ein Fenster mit sogenannten Rollzapfen innerhalb von zehn, höchsten 20 Sekunden zu öffnen.

Kriminalhauptkommissar Michael Schneider kennt die verblüfften Gesichter der Menschen, die er innerhalb von ein paar Sekunden zu einem typischen Gelegenheitseinbrecher „geschult“ hat. Er weiß um das Erschrecken dieser Besucher, die nach ihrem ersten „Bruch“ an den Zustand der eigenen Fenster und Türen denken, und er weiß auch, wie er die mit den Fenstern aus den Angeln gehobene Welt wieder in Ordnung bringen kann. Denn neben dem Allerweltsfenster der Ausstellung ist ein weiteres angebracht, optisch kaum zu unterscheiden. Dort richtet der massive Schraubendreher nichts an. Selbst Tritte und der Einsatz des ganzen Körpers, der mit Wucht auf das Fenster kracht, können dort nichts ausrichten. Na ja, so ganz stimmt das nicht. Hunderte Besucher, die sich auch an diesem Fenster als Einbrecher versuchten, haben ihre Spuren hinterlassen. Doch letztlich blieben diese nur oberflächlich. 

„Wer entsprechendes Material verwendet, der ist gut geschützt und wehrt den typischen Einbruch, der sich hunderte Male jeden Tag in Deutschland ereignet, wirkungsvoll ab“, davon ist Schneider überzeugt. Weder er noch sein Kollege Kriminalhauptkommissar Michael Hufnagel haben jemals von einem erfolgreichen Einbruch gehört, bei dem das Haus mit einbruchshemmenden Türen und Fenstern ausgestattet war. „Es sei denn, es wurden Fehler bei der Montage gemacht“, sagt Hufnagel und verweist auf die Liste mit geschulten Handwerkern, die sich auf der Homepage der Polizei des Märkischen Kreises abrufen lässt. 

„Jeder Einbruch lässt sich in zwei Phasen teilen. Zuerst muss sich der Einbrecher für ein Objekt entscheiden und dann überlegen, wie er dort hineingelangt“, sagt Schneider und erklärt, dass sich die Täter in rund 90 Prozent der Fälle spontan für ein Haus oder eine Wohnung entscheiden würden. Schneider: „Dabei entscheidet der Täter danach, wo er die Gefahr einer Entdeckung oder Ergreifung für gering hält. Er versucht, sich bereits von der Straße aus ein Bild zu machen. Hat er den Eindruck, dass jemand zuhause ist, lässt er die Finger davon.“ 

Deshalb rät der Polizist dazu, keine Mülltonnen nach der Leerung an der Straße stehen zu lassen, mit Licht Anwesenheit zu suggerieren und die Rollläden tagsüber zu öffnen und abends auch wieder zu schließen. Hilfsbereite Nachbarn seien dabei genauso willkommen wie moderne Steuerungstechnik. „Wichtig ist auch die soziale Kontrolle. Wenn die Täter bei ihrer Erkundung merken, dass die Nachbarschaft sie beobachtet, dann werden sie es wohl eher woanders probieren“, ergänzt Hufnagel. Hilfreich sei auch ein hoher Zaun mit verschlossenen Toren. Zumindest aber sollten die Hausbesitzer dafür sorgen, dass Büsche und Hecken so beschnitten würden, dass sich niemand unbemerkt an den Fenstern und Türen zu schaffen machen könne. „Das ist wichtiger als jede Alarmanlage“, so Schneider. Natürlich ist dem Kriminalbeamten auch klar, dass Hausbesitzer, die sich so verhalten, auch ein Stück Privatsphäre aufgeben, doch letztlich sei das besser, als Opfer eines Einbruchs zu werden. 

„Die Schäden und Verluste bei einem Einbruch sind für die meisten Menschen nicht das Schlimmste, viel entscheidender ist das Gefühl, dass my Home nicht mehr my Castle ist“, formuliert es Scheider anschaulich – schränkt aber auch ein, dass auch der Verlust oft nicht so einfach wegzustecken sei: „Den Geldwert ersetzt meist die Versicherung, den ideellen Wert eines gestohlenen Erbstückes kann aber niemand ersetzen.“ Damit es dazu nicht kommt, haben die Beamten aber auch konkrete Ratschläge, wie der Einbruch auch dann noch abzuwenden ist, wenn der äußere Eindruck des Hauses den Täter von seinem Vorhaben nicht abgebracht hat. Spezielle Beschläge, Zapfen, Scheiben und abschließbare Griffe können jedes Fenster so sichern, dass dem Gelegenheitstäter jede Lust an dem Einbruch vergeht. 

Auch an dem einbruchshemmenden Fenster haben die Besucher ihre Spuren hinterlassen. Doch erfolgreich war bislang niemand.

„Denn mit jeder zusätzlichen Sekunde, die der Einbrecher sich abmühen muss, in die Wohnung zu gelangen, steigt auch das Risiko entdeckt zu werden“, erklärt Hufnagel und zeigt in der Ausstellung in Iserlohn auch gleich noch die Hilfsmittel, mit denen sich Fenster und Terrassentüren auch nachträglich noch sichern lassen. Spezielle Verrieglungen, Bandverstärker und Folien können ein Fenster fast auf den gleichen Stand bringen, auf dem sich ein nach DIN als einbruchshemmend definiertes Fenster bereits befindet. Doch ganz preiswert sind beide Lösungen nicht. 

Ein paar Hundert Euro pro Fenster kann der Einbruchsschutz kosten – egal, ob er von Anfang an mitgeplant oder erst nachträglich angebracht wurde. Bei drei Viertel aller Einbrüche kommen die Täter durchs Fenster oder Terrassentüren, die letztlich genauso konstruiert sind. Danach sind es Nebeneingangstüren, die die Täter nutzen, nur sehr selten versuchen sie es an den Haustüren. Schneider bringt es auf den Punkt, wenn er sagt: „Letztlich werden alle Löcher genutzt, die der Maurer gelassen hat.“ 3000 bis 5000 Euro würde es etwa kosten, das Haus entsprechend zu schützen, abhängig natürlich von der Zahl der Türen und Fenster. Nach der Erfahrung der beiden Polizisten reicht es dabei, die Fenster und Türen zu bedenken, die sich im Erdgeschoss befinden oder leicht zu erreichen sind. Das gelte dann auch für die Öffnungen, die sich zwar höher im Haus befinden, aber mit vorhandenen Aufstiegsmöglichkeiten leicht zu erreichen sind. Hufnagel: „Eine typische Aufstiegsmöglichkeit ist dabei die Mülltonne, die am Haus steht oder eine Leiter, die sich auf dem Grundstück oder in der Nachbarschaft findet. Dass ein Einbrecher selbst eine Leiter mitbringt, kommt so gut wie nie vor, das zeigt auch die Statistik.“ 

Und diese Statistik ist auch die Grundlage der Beratung. Denn selbstverständlich seien alle diese Tipps nur beschränkt hilfreich, wenn ein gut geschulter Spezialist unbedingt in ein spezielles Haus einbrechen möchte. „Doch das kommt ausgesprochen selten vor – schon eher bei gewerblichen Objekten oder Villen, in denen gezielt und mit Insiderwissen nach bestimmten Wertgegenständen gesucht wird. Eigentümer solcher Gebäude können wir natürlich auch beraten. Doch der Normalbürger wird es mit solchen Täter wohl nie zu tun bekommen“, ist Schneider überzeugt. 

Michael Hufnagel zeigt die Vielfalt der nachträglichen Sicherungsmöglichkeiten. Dabei betont er, dass er keiner Firma den Vorrang gebe, aber nur Produkte empfehle, die auch zertifiziert seien.

Bevorzugte Beute der Täter seien vor allem Geld und Schmuck. Natürlich würden auch schon mal teure Computer, Laptops oder hochwertige Fernseher gestohlen, doch das geschehe viel seltener als gedacht. Denn auch für den erfolgreichen Täter gelte, dass er nach dem Einbruch genauso wenig auffallen möchte wie davor. Nach der Tat ist auch die Zeit, in der die Polizisten Kontakt zu den Menschen bekommen. „Die Leute rufen uns an, wenn bei Ihnen, den Nachbarn oder Bekannten eingebrochen wurde“, sagt Hufnagel. 

Und auch, wenn die beiden Spezialisten glauben, dass in den allermeisten Fällen die mechanische Sicherung reicht, geben sie auch noch Tipps, für all die, die nicht auf eine Einbruchsmeldeanlage oder andere elektronische Sicherungen verzichten wollen. Schneider: „Eine Meldeanlage ist nur sinnvoll, wenn sie auch auf die Notruf- oder Serviceleitstelle eines Sicherheitsdienstes aufgeschaltet wird. Bei der Beleuchtung muss darauf geachtet werden, dass diese so angebracht wird, dass sie nicht durch das Durchschneiden des Kabels ausgeschaltet werden kann.“ Gleiches gelte auch für Geräte, die sich im Netzwerk finden. „Wer auf eine solche Sicherung setzt, der muss auch sein Netz gegen Einbruch schützen. Denn wird die Anlage gehackt, dann kann der Täter sich über installierte Kameras im Haus umschauen oder im schlimmsten Fall sogar die Tür öffnen“, erklärt Hufnagel.

Die Serie "Sicheres Zuhause"

In der Serie Sichere Zuhause kommen Spezialisten zu Wort, die wertvolle Tipps geben können, mit denen sich das eigene Haus oder die Wohnung gegen Einbrüche sichern lassen. Themen sind dabei: 

- Vorbeugende Beratung durch die Polizei

- Sichere Türen und Fenster – der Tischler berät

- Beleuchtung, Türsprechanlage und Co – Tipps vom Elektriker

- Schlauer Stahl schützt – ein Tresorbauer erklärt

- Lässt sich der Schaden nicht verhindern, dann sollte wenigstens die Versicherung passen – der Vertreter zeigt, worauf beim Abschluss geachtet werden muss

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