Schnelle Hilfe durch App und Rettungspunkte

+
Stephan Volkmann, Leiter der Kreisleitstelle, ist für die Koordinierung der Rettungseinsätze verantwortlich. Er weiß, wie wichtig gute Standortdaten für die schnelle Rettung sind.

Kierspe - „Ich habe die Wurzel nicht gesehen“, ist der letzte Gedanke des Mountainbike-Fahrers, bevor er im hohen Bogen Richtung Wegesrand fliegt. Der Aufprall ist hart und anschließend kann er sich kaum bewegen. 

Doch wie bekommt er in diesem – fiktiven – Fall Hilfe? Wer nimmt seinen Notruf entgegen? und wie finden ihn die Helfer im Wald? 

In Kierspe möchten UWG und SPD auf Anregung des Seniorenbeirates ein Rettungspunkte-System installieren lassen, damit die Hilfe für Verletzte und Menschen, die sich verirrt haben, leichter umzusetzen ist. Würde in unserem Fall ein Spaziergänger oder ein anderer Radfahrer den Verletzten finden, müsste dieser schon über gute Ortskenntnis verfügen, um per Telefon den Rettungswagen über die Waldwege zur Unglücksstelle zu lotsen. 

In Schalksmühle beispielsweise könnte der Ersthelfer einfach den nächstgelegenen Rettungspunkt – von denen es mehr als 100 im Schalksmühler Wald gibt – suchen und die Nummer durchgeben. „Rettungspunkte sind sinnvoll, weil sie in den Einsatzleitplan eingepflegt werden“, erklärt Stephan Volkmann, der die Kreisleitstelle in Lüdenscheid leitet und damit für die Koordination von Rettungseinsätzen verantwortlich ist. 

Selbst wenn es für den Rettungswagenfahrer nicht möglich sei, den Rettungspunkt mithilfe des Navigationsgerätes anzusteuern, könnte er immer noch von der Leitstelle über Funk dirigiert werden, das gebe das zur Verfügung stehende Kartenmaterial in der Zentrale ohne Weiteres her, erklärt Volkmann. Schwierig werde es, wenn der Verunglückte selbst den Notruf wähle, aber keine genaue Positionsangabe machen könnte oder kein Smartphone besitze. 

„Wir haben das Glück, dass bei jedem Notruf auch Daten übertragen werden, dazu gehören neben der Rufnummer auch Standortinformationen. Beim Notruf ist die Rufnummer auch dann sichtbar, wenn der Anrufer sie unterdrückt“, so der Chef der Leistelle. Doch diese seien sehr begrenzt, so gebe es zwar neben der Kennung der verwendeten Funkzelle auch Angaben über den sogenannten Abstrahlwinkel, doch diese würde wenig helfen, da gerade in ländlichen Gebieten mit wenigen Funkzellen das Suchgebiet unglaublich groß werden könnte.

Besitzt der Anrufer ein Smartphone, dann sieht die Sache ganz anders aus. Denn dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass auf diesem auch WhatsApp installiert ist – und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, denn der Messenger-Dienst ist die am weitesten verbreitete App, zumindest in Europa. „Wir haben ein ,Dienstsmartphone’, auf dem ebenfalls diese App installiert ist. Wir senden dann an die Nummer des Verunfallten eine Nachricht, diese muss er dann nur dadurch beantworten, in dem er an seinem Telefon auf Standort drückt. Wenn er dann noch rund 20 bis 30 Sekunden mit der Rücksendung wartet, ist der Standort dank der GPS-Funktion des Handys bis auf rund zehn Meter genau ermittelt“, erklärt Volkmann. 

Doch auch dann seien Rettungspunkte wichtig, denn die Leitstelle könne sofort sehen, ob ein entsprechender Punkt in der Nähe sei. Daraus würden sich Informationen über Anfahrtswege gewinnen lassen oder auch darüber, ob in der Nähe ein Hubschrauber landen kann. Schwierig werde es lediglich, wenn das Telefon zwar einen Notruf absetzen könne, aber nicht im eigenen Netz. Denn dann würde WhatsApp nicht funktionieren, da die App ausschließlich dann Daten übermittelt, wenn sie aufgrund einer Verbindung zum eigenen Netz auch das Internet nutzen kann. 

Doch die Erfahrung mit diesem Kommunikationsweg habe gezeigt, dass er ein gutes Mittel darstelle, den Menschen in Not schnell zu helfen. Rund zwei Mal im Monat habe es die Leitstelle mit einer solchen Situation zu tun, berichtet Volkmann. Was sich nach wenig anhört, stellt aber eine enorme Belastung für das Rettungssystem dar, denn die Hilfeleistung dauert gewohnheitsmäßig viel länger, da neben der Suche auch meist ein längerer Anfahrtsweg in oft schwierigem und damit nur langsam zu befahrenden Gelände zu bewältigen sei.

Da sich auch in Kommunen anderer Kreise in NRW das Rettungspunkte-System bewehrt habe, gibt es immer mal wieder Bestrebungen, ein kreisweites und einheitliches System zu schaffen. Doch was sich in großen Staatswaldgebieten und mit ebenso großen Waldgebieten in Privatesitz noch leicht verwirklichen lässt, stößt schnell an seine Grenzen, wo viele Eigentümer gefragt werden müssen. Daran ist ein einheitliches System beispielsweise im Kreis Siegen-Wittgenstein gescheitert. 

Wobei ein Rettungspunkte-System auch den Waldarbeitern und den Waldbesitzern helfen würde. Die Waldarbeiter, die allein in NRW tätig sind, müssen zwar ein Rettungs-System mitführen, dass entweder durch einen sogenannten Totmannschalter oder einen Notrufknopf ausgelöst wird und den Standort an die Leitstelle überträgt, doch auch dann wären die Retter dankbar, wenn sie aufgrund der Rettungspunkte erkennen können, wie sie schnell und auf dem am einfachsten zu fahrenden Weg zu dem Arbeiter in Not gelangen können.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.