Hundehalter gefährden den Naturschutz an der Kerspe

+
Hoffen auf die Einsicht der Hundebesitzer (von links): Hermann Reyher (Landschaftswächter), Klaus Kraatz, Rebekka Hampel (Untere Landschaftsbörde), Dietmar Schwarze (Anwohner), Friedrike Mürkens (WSW) und Randolf Meier (Pächter). ▪

KIERSPE ▪ Hundebesitzer lieben es, ihre Tiere über offene Wiesen – fernab der Straßen – laufen zu lassen. Kein Busch nimmt die Sicht und andere Hunde sind von weitem erkennbar. Sicher auch ein Grund, warum viele Hundebesitzer gerne ihre Vierbeiner an den Ufern der Kerspe laufen lassen. Doch damit erzeugen sie bei Eigentümern, Pächtern und Umweltschützern Verdruss. Denn legal ist dieses Gelände nicht zu nutzen.

„Erst vor einiger Zeit kam ein unangeleinter Hund hinter unser Haus und hat dort eines unserer Hühner getötet“, erzählt Dietmar Schwarze, dessen Haus und Grund mitten in dem Naturschutzgebiet liegt, das sich von der Kerspebrücke der K2 entlang der Kerspe zieht und und in Sundern endet. Immer wieder beobachtet Schwarze Spaziergänger, die mit ihren Hunden über die Wiesen schlendern, die Tiere laufen lassen oder Stöcke werfen, die von den Vierbeinern zurückgebracht werden sollen.

Eine Problematik, die auch Friedrike Mürkens, bei den Wuppertaler Stadtwerken (WSW) für den Gewässerschutz zuständig, kritisch sieht: „Wir sind Eigentümer der meisten Flächen entlang des Baches und möchten natürlich, dass die Umweltbestimmungen eingehalten werden. Das verlangen wir auch von den Pächtern, die die Flächen extensiv bewirtschaften. Es kann nicht sein, dass dort das Weiden von Kühen verboten ist, Hunde aber frei laufen.“

Einer dieser Pächter ist Randolf Meier, der immer wieder Müll, Stöcke und Hundespielzeug findet, wenn er seine Wiesen mäht. Zum Teil würden die Fremdkörper auch nicht rechtzeitig entdeckt und landeten in der Silage oder dem Heu. „Für die Kühe und Pferde, die das Grünfutter fressen, kann aber vor allem der Kot der Hunde zu einem echten Problem und unter Umständen sogar lebensgefährlich werden“, so Meier.

Sorgen um Tiere macht sich auch Klaus Kraatz von der Unteren Landschaftsbehörde des Märkischen Kreises, der die Bodenbrüter wie den Wiesenpieper oder die Feldlerche durch das Betreten der Flächen gefährdet sieht. „Aber auch seltene Pflanzen finden in den schmalen Streifen neben dem Bach ihre Heimat. Außerdem kommen viele Bodenbrüter erst gar nicht, weil sie sich nur dort ansiedeln, wo wenige Menschen beziehungsweise Hunde unterwegs sind“, erklärt Kraatz.

Hermann Reyher, der als Landschaftswächter des Märkischen Kreises für den Bereich Kierspe zuständig ist, weist darauf hin, dass es solche Probleme fast ausschließlich in dem Naturschutzgebiet an der Kerspe gebe. Der Kiersper Umweltschützer regt an, mit einer Informationstafel auf die Rechte und Pflichten, die Naturschutzgebiete betreffen, hinzuweisen. Eine Maßnahme, die von den WSW finanziell unterstützt würde. Und Kraatz zeigte sich durchaus aufgeschlossen, solche Tafeln aufzustellen. Außerdem kündigte er an, dass der Kreis auch noch ein zusätzliches Hinweisschild (Naturschutzgebiet) aufstellen lasse, um die Spaziergänger auf den Schutzraum hinzuweisen, die sich dem Gebiet aus dem oberhalb gelegenen Wohngebiet nähern. „Natürlich können hier Infotafeln helfen, aber grundsätzlich muss das amtliche Hinweisschild ausreichen. Es ist die Pflicht eines jeden, sich über die Bedeutung des Schildes und die daraus resultierenden Vorschriften zu informieren“, so Kraatz.

Seine Kollegin Rebekka Hampel, die bei der Unteren Landschaftsbehörde für Kierspe zuständig ist, nutzt die Gelegenheit darauf hinzuweisen, dass das widerrechtliche Betreten von Naturschutzgebieten durchaus kein Bagatelldelikt sein: „Das kann je nach zugrundeliegender Situation mehrere hundert Euro kosten.“

Ausreden fallen bei der Rechtslage allerdings auch schwer, denn das Naturschutzgesetz regelt, dass das Betreten dieser Flächen ausschließlich dem Eigentümer und dem Pächter gestattet ist – und auch das nur in Zeiten, in denen der Schutzzweck nicht gefährdet wird. So darf dort erst ab dem 16. Juni gemäht werden, um die brütenden Tiere nicht zu gefährden und das Ausbringen von Gülle ist sogar komplett verboten.

„Die wirtschaftlichen Nachteile, die sich aus solchen Flächen ergeben, werden von der Europäischen Union, dem Land NRW und dem Märkischen Kreis ausgeglichen“, erklärt Kraatz. ▪ Johannes Becker

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare