Krallenbewehrte Spuren großen Tieres im Hülloch

Krallenbewehrte Pfotenabdrücke vermutlich eines größeres Tieres geben der Speläo-Gruppe derzeit Rätsel auf.

KIERSPE ▪ In den Tiefen des Hüllochs, der sagenumwobenen Kiersper Höhle, sind die Forscher bei der letzten Erkundung auf dem Lehmboden auf eine Tierfährte gestoßen, die noch recht frisch wirkte. Diese gab dem Team um den Speläo-Vorsitzenden Wolfgang Hänisch erneut Rätsel auf. Die Entdeckung bewahrheitet nochmals die Prognose des Teamleiters gleich nach der Öffnung und ersten in Augenscheinnahme der Höhle, dass diese noch viele Geheimnisse berge.

Die gefundenen Spuren zeigen krallenbewehrte Pfoten, die mit vier Zentimetern so groß sind, dass sie nicht von einem kleinen Tier wie einem Marder oder auch einem Fuchs stammen können. Um was für ein Lebewesen, vermutlich ja ein Raubtier, es sich handeln könnte, sollten die wissenschaftlichen Untersuchungen während der vergangenen Wochen zeigen. Vielleicht gibt es schon erste Ergebnisse, wenn die Höhlenforscher heute wieder anrücken, um zu einer weiteren Erkundung in die bislang auf einer Länge von 300 Metern erforschte Höhle zu starten. 300 Meter sind es übrigens ohne die bereits gefundenen Neben- und Parallelgänge des netzartigen Systems, das vermutlich weite Teile des Arney-Massivs wie einen Schweizer Käse auf mehreren Ebenen durchzieht, dazuzurechnen.

Hänisch ist heute nicht mit dabei, so dass wohl Björn Wegen die Leitung übernehmen wird. Zur Stelle sind aber auch wieder die freiwilligen heimischen Helfer Wilhelm Heveling, Georg Stephan, Walter Neugebauer und Paul Jäckel, die die Forscher als Helfer vor allem dabei unterstützen, Abraum wegzuräumen und über die Lorenbahn ins Freie zu befördern. Das wird auch heute wieder eine wichtige Aufgabe sein, denn der Boden des Hüllochs ist über weite Teile bedeckt von lehmigem Schlamm und Geröll, das über die Jahrzehnte oder Jahrhunderte hineingespült worden und auch bei Einstürzen nachgerutscht ist. Einen großen Teil davon hat die zahlenmäßig verstärkte Gruppe inzwischen weggeräumt.

Zuvor waren die erschlossenen Räume schon vermessen worden. Dabei hat das Kiersper Hülloch inzwischen auch überregional so viel Aufmerksamkeit erregt, dass sogar Schweizer Vermesser anreisten, um sich die Höhle anzusehen und darin zu arbeiten. Aufsehen erregte besonders das Vorkommen der seltenen Höhlenflohkrebse im Inneren genauso wie die Vermutung der Forscher, dass von dem tatsächlichen Höhlensystem bislang nur der kleinste Teil entdeckt worden ist.

„Da es sich bei dem Arney um ein zusammenhängendes Bergmassiv handelt, das größtenteils aus devonischem Kalk besteht, existiert eine reale Möglichkeit, in ein ausgedehntes Höhlensystem vorzudringen, das von Karstgewässern durchflossen wird, um als Quellaustritt an verschiedenen Örtlichkeiten am Fuße des Arneys wieder auszutreten“, beschreibt für die Speläo-Gruppe Horst Buchholz, der alle Ergebnisse und Informationen in einer umfangreichen Abhandlung zusammengefasst hat. Angenommen wird somit im und unter dem Arney ein „Großhöhlensystem von beachtlicher unterirdische Ausdehnung“. Peter Feltens als Eigentümer des Areals unterstützt die Arbeiten, wo er nur kann, und steht in ständigem Kontakt mit dem Team, das sich jetzt auch ganz optimistisch zeigte, dass noch in diesem Jahr mit der Entdeckung der in den historischen Akten beschriebenen 80 Meter langen Halle zu rechnen sei.

Heute wird als erstes die auf eine spezielle Halterung montierte elektrische Winde für die Lorenbahn in Betrieb genommen, wodurch der Transport des Abraums erheblich erleichtert werden und auch schneller gehen soll. ▪ Rolf Haase

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