Mit der „Kräuterhexe“ in der Natur unterwegs

Karola Wolff wies immer wieder auf unscheinbare, aber hoch wirksame Pflanzen hin wie das „Judasohr“, ein Pilz, der an abgestorbenen Holunderbüschen wächst.

KIERSPE ▪ Karola Wolff wollte ihren Gästen eine Rarität zeigen. Aber wo war sie noch gleich? Suchend lief sie den Weg auf und ab, bis sie endlich fand, was sie suchte. Die angekündigte Attraktion entpuppte sich als abgestorbener Stumpf eines Holunderbusches. Und an diesem Stumpf einige unscheinbare, verhutzelte Pilze, die wie Blätter vom Vorjahr aussehen. „Judasohr“, strahlte Karola Wolff. Dieser Pilz, der in aufgeweichtem Zustand aussieht wie eine Morchel, sei ein gutes Mittel gegen Tinnitus und Arteriosklerose.

Die „Kräuterhexe“, wie Wolff sich selbst nennt, lädt regelmäßig Naturbegeisterte zu Kräuterwanderungen in der Umgebung ihres Wohnhauses in Höhlen ein. Wobei „Wanderung“ eigentlich das falsche Wort ist. In knapp zwei Stunden legten die Teilnehmer nur wenige hundert Meter zurück. Denn alle paar Schritte blieb Karola Wolff stehen, zupfte hier, pflückte da und wusste zu jedem noch so unscheinbaren Pflänzchen Interessantes zu erzählen.

Am Anfang stand jedoch eine kleine Einweisung in die grundlegenden Unterscheidungsmerkmale der Pflanzen. So lernten die Teilnehmer, wie sich ein Korbblütler (Gänseblümchen) von einem Lippenblütler (Ginster) unterscheidet. Mit Bestimmungsbüchern und Sammelkörben bewaffnet machten sich sodann alle auf den Weg.

Die Erkundungen unterscheiden sich nach Jahreszeit und Thema. Diesmal war „Riechen, Schmecken, Fühlen“ angesagt. Für das „Fühlen“ stand der samtige Wollziest, auch „Eselsohr“ genannt. Gerochen wurde an den meisten Pflanzen, wobei manche ihren Duft erst verbreiten, wenn man sie zerreibt, wie zum Beispiel der Giersch. Und auf den Geschmack durften die Teilnehmer sich nach der Wanderung freuen, denn die Blüten und Blätter wurden nicht nur aus botanischem Interesse gesammelt, sie wurden auch verspeist.

In dem Zusammenhang kam natürlich das Thema „Giftigkeit“ zur Sprache. Auch viele Pflanzen, vor denen in Bestimmungsbüchern gewarnt wird, wanderten mit ins Körbchen. Häufig sei nur ein bestimmter Teil der Pflanze ungenießbar, zum Beispiel der Stengel oder die Blätter. Wichtig sei es, eine Pflanze genau zu kennen, bevor man sie pflücke. Die Butterblume zum Beispiel, ein Hahnenfußgewächs, könne für Kinder ausgesprochen gefährlich werden. Zum Glück kennt die „Kräuterhexe“ Karola Wolff sich aus. So zieht sie in ihrem Garten Pflanzen, die der Normalsterbliche sonst eher aus Harry-Potter-Romanen kennt: Bilsenkraut gehört dazu, Wolfsmilch und Alraune.

Um derlei Pflanzen wurde bei der Wanderung aber ein großer Bogen gemacht, denn schließlich sammelte man ja auch fürs Mittagessen. Am Ende jeder Wanderung steht eine gemeinsame Mahlzeit, die natürlich zusammen vorbereitet wird.

An diesem Tag standen so exotische Köstlichkeiten wie Hexensuppe und Blitzbrot mit Gänseblümchen, Gundermannblüten und Löwenzahngelee auf der Speisekarte. ▪ bnt

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