Kopieren verboten

Das Lied vom Bi-Ba-Butzemann ist aufgrund seines Alters kostenfrei.

KIERSPE ▪ Die Empörung in Kindergärten und Kindertagesstätten im Bundesgebiet war groß, als die Gema Ende des vergangenen Jahres bekannt gab, dass die Einrichtungen von Städten, Kirchen und Wohlfahrtsverbänden ab sofort eine jährliche Abgabe für Kopien von Liedtexten und Notenblättern abführen müssen.

In den Kiersper Kindergärten wird damit unterschiedlich umgegangen. Die von größeren Verbänden getragenen Einrichtungen warten zunächst die Verhandlungen ihrer Träger mit der Gema ab. Kleinere Einrichtungen verzichten ganz auf die Kopien von Liedtexten zu St. Martinsfesten oder Feiern in den Tagesstätten. Andere betonten sowieso nicht viel kopiert zu haben, und auch in Zukunft weiter Liederbücher zu kaufen. Manche schreiben die Liedtexte für Chorprojekte sogar per Hand ab.

Für 500 Abzüge pro Jahr verlangt die Gema im Auftrag der Verwertungsgesellschaft Musikedition (VG Musikedition) einen Preis von 44,80 Euro. Warum diese Abgabe erst jetzt beansprucht wird bleibt auch in einer Presseerklärung der Gema schleierhaft, denn das kopieren der Lieder und Notenblätter ist schon seit 1985 verboten.

„Wir überlegen das mit dem Träger gemeinsam“, sagte Gudrun Domke vom evangelischen Kindergarten „Abenteuerland“. Bisher wurde dort nur sehr wenig kopiert, denn bekanntlich können die drei- bis sechsjährigen Schützlinge noch nicht lesen. Daher war die allgemeine Meinung der Leiter der Einrichtungen in Kierspe, dass die Zahl von 500 Kopien viel zu hoch angesetzt sei.

„Wir brauchen die Liedtexte ja nur bei Veranstaltungen mit den Eltern“, sagte DRK-Kreisgeschäftsführer Ulrich Hoffmann, zuständig für die Kita-Felderhof. „Da wäre eine kleinere Staffelung wohl besser gewesen.“, führte Hoffmann weiter aus. Auch das DRK verhandelt derzeit gemeinsam mit weiteren Wohlfahrtsverbänden mit der Gema. „Wir könnten uns natürlich auf mehr als 70 Jahre alte Liedtexte beschränken, doch ob das noch pädagogisch Sinn machen würde?“, stellte Hoffmann in Frage. Verständnis äußerte der Geschäftsführer dann aber auch: „Die Künstler und Komponisten haben ja ein Recht auf Bezahlung.“

In den Awo-Kindertagesstätten der Region, wie der „Liederwiese“(!) am Haunerbusch, gilt ab sofort eine konsequente Regelung: Es darf nicht mehr kopiert werden. Auch hier laufen Verhandlungen für einen Vertrag auf Bundesebene. Als „ungeschickt“ bezeichnete Johannes Anft, vom Awo-Unterbezirk Hagen/Märkischer Kreis, das Vorgehen der Gema. Müssten die Kindergärten die Gebühren bezahlen, würden die Budgetmittel an anderer Stelle fehlen. „Das würde weh tun“, so Anft.

In der „Liederwiese“, wie auch im katholischen Kindergarten St. Josef, werden jetzt nur noch selbst abgeschriebene Blätter benutzt. „Das bedeutet natürlich Mehrarbeit, wo wir ohnehin soviel Zeit haben“, bemerkte die Leiterin der Kiersper Einrichtung, Katrin Fiebach, enttäuscht. Zudem läuft in der Kindertagesstätte zurzeit ein Chorprojekt. Die 20 beteiligten Kinder ab vier Jahren besuchen in diesem Rahmen unter anderem regelmäßig das naheliegende Seniorenzentrum.

Zu den Aufgaben der Erzieherinnen käme zudem noch das Führen einer Kopierliste. Deswegen ist man auch im katholischen Kindergarten „gespannt wie es weitergeht“, so die Leiterin Evelin Kraft.

Die Kindertagesstätte „Kunterbunt“ am Büscherweg hat im vergangenen Jahr schon ein Schreiben der Gema erhalten. Die Aussage der Leiterin Gabi Dreyer ist dazu aber eindeutig: „Wir machen keine Kopien mehr, denn unsere Kinder können keine Noten und Texte lesen“. Dreyer äußerte aber im MZ-Gespräch den Wunsch nach einem politischen Beschluss. Früher war es nämlich auch dort gängig zum Beispiel zum St. Martinsfest Liederzettel zu verteilen. Diese bleiben jetzt natürlich aus. „Und wir singen in der Regel keine alten Volkslieder“, sagte Dreyer.

Im Kindergarten „Regenbogen“ der Elterinitiative Rönsahl wird demnächst erst über das Thema beraten. Finanziell wären die Gebühren für die kleine Einrichtung natürlich eine große Belastung.

Eins wäre in allen Einrichtungen sicher gleich. Die Kosten für mögliche Kopien würden die ohnehin kleinen Budgets der Kindergärten weiter schmälern. Anfallende Neuanschaffungen für die Gruppenräume oder Spielplätze würden dann darunter leider, und damit auch die Kinder. ▪ David Schröder

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