Kopfgeldjäger, Räuber und Huren in der Gesamtschule

Das Publikum war mehr als begeistert.

KIERSPE ▪ Theater im Theater bekamen die Zuschauer am Sonntagabend im Pädagogischen Zentrum der Gesamtschule zu sehen. Die Theatergruppe der Volkshochschule, „Zeus & Consorten“, gab „Mackie Messer zwischen Petticoat und Galgenstrick“.

Die „Beggar's Opera“ von John Gay, Grundlage zahlreicher Theateradaptionen, ist dem deutschen Publikum vor allem in der Version von Bertold Brechts „Dreigroschenoper“ bekannt. Darauf bezieht sich auch der Titel des Stücks von Ingo Sax, dem die Kiersper bei ihrem Spiel folgten.

Schräg, frivol und deftig war das Spiel rund um den Frauenhelden Captain Macheath, überzeugend dargestellt von Conny Risse. Als Dichter John Gay erläuterte sie dem Publikum den Hintergrund des Schauspiels: Angesiedelt in Soho, im Milieu der Huren und Diebe, betreibt der Kopfgeldjäger Peachum sein Geschäft. Zwei Zeugen braucht es, um einen Mann an den Galgen zu bringen. Die Prämie beträgt vierzig Pfund – ein Vermögen. Seine Frau unterstützt ihn bei seinen zweifelhaften Unternehmungen, nur Tochter Polly ist aus der Art geschlagen. Sie hat sich ernsthaft in Macheath verliebt und ihn zum Entsetzen ihrer Eltern geheiratet. Für ihre Mutter gibt es in dieser Situation nur eine Möglichkeit: „Du musst zusehen, dass Du so schnell wie möglich Witwe wirst.“ Denn dann könne Polly ihren Mann beerben. Der gute Rat fällt bei der verliebten Polly auf wenig fruchtbaren Boden. Und dann ist da auch noch Lucy, Tochter des korrupten Gefängnisdirektors, und angeblich schwanger von Macheath.

Auch die Huren lieben den charmanten Räuberhauptmann – was sie aber nicht daran hindert, ihn an die Polizei zu verraten. Das bringt schließlich Geld und der Mensch muss leben.

Das Spiel um Liebe und Eifersucht, Korruption und Kriminalität treibt immer heftigere Blüten. Macheath wird geradezu aufgerieben zwischen all den Frauen, die ihn für sich haben und den anderen nicht gönnen wollen.

Am Ende reicht es ihm. Er habe genug, er wolle gehängt werden, verkündet er. Aber da hat er die Rechnung ohne seine Mitspieler gemacht. Denn: „Im wahren Leben wollen die Leute mit einem wie dir nichts zu tun haben, aber im Theater lieben sie dich.“ Und deshalb solle das Publikum entscheiden, was nun werden solle. Das brauchte zum Glück nicht tätig zu werden.

Die VHS-Theatergruppe unter Leitung von Martina Schneer-Bille ist überwiegend weiblich, weshalb die meisten Männerrollen von Frauen gespielt wurden. Die Regisseurin glänzte in der Rolle der Mrs. Peachum, ihr Ehemann wurde von Jutta Niggemann gespielt. Den korrupten Gefängnisdirektor Lockit gab Mickey Draudt, die Rolle seiner skrupellosen Tochter Lucy hatte Ivonne Lemke übernommen. Als Huren, Diebe und Laufburschen agierten Meike Neugebauer, Jutta Knospe, Ute Gehres, Jaqueline Peters, Janine Kohls, Sarah Lehmann, Claudia Klinke, Inge Lück, Karin Blank, Ulrike Schumacher, Diemuth Barth und Stephan Rodenberg.

Die musikalische Begleitung der Gesangseinlagen übernahm Nico Bille, der auch kurzfristig für die erkrankte Eva Daeneke einsprang.

An manchen Stellen wurde der Text den Gegebenheiten angepasst: so erklärte Mrs. Peachum den französischen Akzent ihrer Tochter Polly alias Brigitte Péron damit, dass man das Töchterchen zu Ausbildungszwecken nach Frankreich geschickt habe.

Viele neue, darunter einige sehr junge Schauspieler und Schauspielerinnen waren in diesem Semester zur Theatertruppe hinzugestoßen. Gemeinsam mit ihren schon erfahreneren Kollegen boten sie einen rundum unterhaltsamen Abend. Zum Erfolg trugen auch die durchweg gelungenen Gesangseinlagen bei, mit denen das Ensemble sich auf bislang unbekanntes Terrain wagte.

Das Publikum bedankte sich am Ende mit reichlich Applaus.

Für alle, die vielleicht auch wegen Sturmtief Xynthia am Sonntag zuhause geblieben sind, gab es noch weitere Aufführungen. Am Dienstag spielte das Ensemble in der Stadthalle Meinerzhagen. Am kommenden Sonntag, 7. März, ist die Laienspielgruppe um 19 Uhr in der Alten Drahtzieherei in Wipperfürth.

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