Konzertierte Aktion für Kröten und Molche

Die Schutzzäune sollen Leben retten. Im vergangenen Jahr konnten so fast 4 000 Tiere gerettet werden.

KIERSPE Sobald es nachts nicht mehr friert, die Tage länger werden und der Frühling naht, machen sich Kröten, Frösche und Molche auf die jährliche Wanderung zu ihren Laichgewässern. So auch in Mühlenschmidthausen, wo sich am Samstagmorgen rund 15 Aktive der BUND-Ortsgruppe Kierspe-Meinerzhagen, des Naturschutzbundes Märkischer Kreis und des Hegerings trafen, um einen Amphibienschutzzaun zu errichten. Ausgerüstet mit Spitzhacken, Spaten, Hämmern und Schaufeln, starteten sie ihre Arbeit hinter der Brücke auf einer Länge von 200 Metern entlang der K3.

Fast 4000 Tiere gerettet

„Nach Berichten von Joggern und Anwohnern über viele überfahrene Kröten rund um Mühlenschmidthausen haben wir im Jahr 2010 erstmalig diesen Standort für einen Schutzzaun ausgewählt“, erzählt Gudrun Barth, Ortsgruppenleiterin des BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz). Erste Erfahrungen gaben den engagierten Akteuren Recht. Konnten sie doch allein zwischen Mitte März und Mitte April des Vorjahres insgesamt 3888 Kröten und Molche in Sicherheit bringen, davon 2038 aus den aufgestellten Fangeimern entlang des Amphibienschutzzauns und 1850 direkt von der Straße.

Umweltschutz ist wichtiges Thema

„Wir sind sehr dankbar für die Unterstützung von Familie Kramer, die in dieser Zeit morgens früh und abends spät die Tiere aus den aufgestellten Eimern eingesammelt und sicher über die Straße getragen hat“, so Barth. Frösche fanden sich übrigens keine in den Eimern. Sie würden vielleicht eher Opfer der zahlreichen Graureiher, die an der Talsperre lebten, als Kröten, die ungenießbare Bitterstoffe abgäben, vermutet die engagierte Umweltschützerin. „Auch für uns Jäger und Angler sind Natur- und Umweltschutz ein wichtiges Thema“, betont Jürgen Koopmann vom Hegering. Gemeinsam mit einigen Kollegen ist er auch diesmal wieder im Kerspetal im Einsatz.

Amphibienschutzzaun

Derweil spannen Sikko Jacobsen und Peter Bunge vom NABU (Naturschutzbund Deutschland) aus Iserlohn den Amphibienschutzzaun bereits auf den ersten Metern. Erfahren mit dieser Art von Kunststoffzaunsystemen, den die Ortsgruppe des BUND in diesem Jahr gekauft hat, haben sie gerne ihre kollegiale Unterstützung zugesagt. „Die Tiefenfixierung im ausgehobenen Graben nehmen wir mit Heringen vor“, erklärt Jacobsen fachkundig. An die Metallstäbe, die in variablen Abständen ins Erdreich eingeschlagen wurden, klemmen die Helfer jetzt Schraubverbindungen ähnlich denen bei Elektrozäunen, die dann im Lochband des Kunststoffzauns eingehängt werden.

„Die 20 im letzten Jahr eingegrabenen Fangeimer haben den Winter gut überstanden und sind weiterhin brauchbar“, freut sich Gudrun Barth. Sie betont noch einmal, dass die Böden der Eimer Löcher aufweisen müssen, damit sich darin kein Wasser sammeln kann. Außerdem enthalten alle einen Stock, an dem entlang sich Mäuse und andere Tiere aus dem Eimer befreien können, sowie eine Laubschicht zum Verstecken auf dem Boden.

Zaun soll Leben retten

Erster Fund beim Aufstellen des Amphibienschutzzauns ist eine warzige braune Erdkröte, die gemächlich über Gudrun Barths Hand und Unterarm krabbelt. „Sie ist ein gutes Beispiel dafür, wie langsam sich die Tiere fortbewegen, nachdem sie gerade aus der Winterstarre erwacht sind. Um zu verhindern, dass sie zu Hunderten überfahren werden, wenn sie sich auf dem Asphalt der Straßen aufwärmen, dafür sind wir hier heute im Einsatz “, betont die BUND-Leiterin.

Wer sich für den praktischen Naturschutz engagieren möchte, kann sich bei Gudrun Barth unter der Telefonnummer (02359) 43 58 melden. Das nächste Treffen der BUND-Ortsgruppe Kierspe-Meinerzhagen findet am Donnerstag, 24. März, um 20 Uhr in der Goethestraße 54 statt. mh

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare