Vom Musicalhit bis zur Opernarie

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Pietro Pato ergänzte mit seiner eher rauchigen Stimme den Belcanto seines Kollegen.

Kierspe - „Moon River“ ist ein Standard vieler Jazzgruppen. Dass der Song von Audrey Hepburn in dem Film „Frühstück bei Tiffany“ gesungen wurde, war aber vielleicht nicht jedem Zuhörer bekannt. Die „Tenöre4you“ sangen das etwas melancholische Lied vor einem Trailer des Films, der hinter ihnen auf einer Leinwand lief.

Das Duo Toni di Napoli und Pietro Pato wartete am Freitagabend im Pädagogischen Zentrum (PZ) der Gesamtschule mit einem Programm großer Gefühle auf. Hits aus Film und Musical, klassische Musik sowie Opernarien sangen die beiden Tenöre überwiegend abwechselnd, gelegentlich auch im Duett.

Wie unterschiedlich klassisch ausgebildete Tenöre singen können, bewiesen die beiden Sänger nachdrücklich. Toni di Napoli kann mit seiner Stimme auch im Fach des Heldentenors bestehen. Die leisere und weichere, gelegentlich sogar rauchige Stimme des jüngeren Pietro Pato kam eher bei Balladen wie „You raise me up“ zur Geltung.

Vor drei Jahren waren die „Tenöre4you“ schon einmal in Kierspe zu Gast, damals allerdings noch unter ihren richtigen Namen Tony Tchakarov und Plamen Pato – beide Sänger sind Bulgaren, fanden die italienischen Pseudonyme aber wohl passender für Lieder wie „O sole mio,“ das Toni di Napoli mit Inbrunst vor der Kulisse von Markusdom und venezianischen Gondeln schmetterte. Im Verein mit den pathetischen Gesten der Sänger und Musik vom Band brachten vor allem diese Hintergrundbilder eine ordentliche Portion Kitsch ins Spiel. Auf die eigene Stimmgewalt mochten die Künstler sich nicht verlassen, die allzu laut eingestellte Musikanlage wurde aber in der Pause heruntergepegelt.

Es dauerte eine Weile, bis Sänger und Publikum miteinander warm wurden. Gleich zu Beginn forderte Toni di Napoli die Zuhörer zum Mitsingen auf. Die machten auch mit, waren bei „Amazing Grace“ aber nicht textsicher, was wiederum den Sänger irritierte. Den ersten kräftigen Applaus gab es bei Schuberts „Ave Maria“ und nach „My way“ von Frank Sinatra kamen auch anerkennende Pfiffe.

Für die Verpflegung während der Pause sorgte Regina Semeraro mit zwei Kolleginnen. Nachdem andere Vereine, die sonst bei Veranstaltungen für die Bewirtung sorgen, abgesagt hatten, waren die Mitarbeiterinnen der Stadt kurzfristig eingesprungen. Die Stadt hatte das Konzert auch in Kooperation mit „Tenöre4you“ organisiert.

Viel Beifall war am Ende der Lohn der Künstler. Die Zuhörer waren auf ihre Kosten gekommen und so mancher hatte eine CD erworben, als Weihnachtsgeschenk oder zum „Nachhören“ für Zuhause.

Birgitta Negel-Täuber

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