Ein musikalisch süffiges und mitreißendes Gebräu

Auch wenn sich am Ende nicht alle Gäste zum Applaus erhoben, dauerte dieser doch lange. Er war der Lohn für einen gelungenen Jazzabend in der Historischen Brennerei. - Fotos: Krumm

Kierspe - Ein wunderbarer Ort, ein raumfüllendes Publikum und ein beeindruckend aufspielendes Jazz-Quartett: Am Freitagabend war die Historische Brennerei in Rönsahl der Ort der Wahl für Jazzfreunde.

Wer dabei die Ankündigung noch vor Augen hatte, die mitteilte, dass sich Marcel Wasserfuhr und seine drei Freunde erst im Frühjahr 2015 zusammenfanden, konnte staunen: Das jederzeit inspirierte Zusammenspiel wirkte so, als hätten Jan von Klewitz (Altsaxophon), Andreas Schnermann (Klavier), Martin Gjakonovski (Bass) und Marcel Wasserfuhr (Schlagzeug) schon viele Jahre einer fruchtbaren Zusammenarbeit hinter sich.

Melodiöser, swingender Jazz stand auf dem Programm, und genau dieses süffige und rhythmisch mitreißende Gebräu lieferten „Marcel Wasserfuhr and friends“. Dabei war es recht egal, ob das Quartett Eigenkompositionen von Andreas Schnermann und Jan von Klewitz oder zeitgenössische Klassiker spielte: Beides war gut. Zu kompositorischer Mithilfe luden die Musiker Jerome Kern mit seinem „Nobody else but me“ und Nat King Cole ein: „Wild is Love“. Keith Jarrett stellte den Beebop auf den Kopf und machte eine Biene daraus: „Bop Bee“. Walt Weiskopf, einstmals Mitglied der legendären Band „Steely Dan“, versicherte schließlich: „You won’t forget me“.

Wenn die Stimme „fehlt“, haben die Instrumente umso mehr Raum zur Entfaltung: Marcel Wasserfuhr sorgte dabei mit einem beeindruckenden Groove für den richtigen Swing und fügte auch mal ein kleines Schlagzeug-Solo ein. Nebenbei moderierte er das Konzert und gab freundliche Hinweise, was selbstkomponiert und was der Jazz-Geschichte entnommen war.

Martin Gjakonovski war weit mehr als der Bassist vom Dienst und trug ebenfalls entscheidend zu einem „groovigen“ Abend bei. Jan von Klewitz lieferte mitreißende Saxophonsoli, und wenn er pausierte, bearbeitete Andreas Schnermann das Klavier, das klingend weit mehr hergab, als es optisch versprochen hatte.

Das Publikum erhob sich am Ende zwar nicht geschlossen für den Beifall, aber der dauerte dafür eine anständige Weile, denn dieser Jazz-Abend mit vier alten Hasen hatte wahrlich Spaß gemacht.

Sehr erfreulich war deshalb die Ankündigung, dass Marcel Wasserfuhr am 12. Juni erneut in der Historischen Brennerei spielen wird – gemeinsam mit Sängerin Bianka Kerres, Gitarrist und Sänger Daniel Rolim, Pianist Hans Fücker und Konstantin Wienstroer am Bass.

Von Thomas Krumm

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