Konzert: Klänge wie aus einer anderen Welt

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Mit viel Fingerspitzengefühl brachten Christel und Gerald Schönfeldinger aus Wien beim Konzert in der Servatiuskirche die über Jahrhunderte in Vergessenheit geratenen Musikinstrumente wie Glasharmonika und Verrophon in Erinnerung und entlockten diesen zauberhafte Klänge von sphärenhafter Virtuosität und seltenem Wohlklang. ▪

RÖNSAHL ▪ Glück und Glas – wie leicht bricht das. So gibt ein Sprichwort zu bedenken. Dass Glück und Glas, zerbrechlich wie beides nun einmal ist, von zarter Hand angerührt und auf den Schwingen der Muse behutsam durch Zeit und Raum begleitet, indes manchmal auch zum Greifen nahe liegen kann, zeigte sich am Samstagabend in der Servatiuskirche auf beeindruckende Weise.

Wieder einmal sollte sich nämlich bewahrheiten, dass das altehrwürdige Rönsahler Gotteshaus mit seinem anheimelnden Flair geradezu geschaffen ist für einen Konzertabend, wie er von Art und Inhalt gewiss nicht alltäglich ist in der heimischen Kulturszene und weit darüber hinaus.

Mit außergewöhnlich gutem Besuch honorierte das Publikum schon im Vorfeld die Bemühungen von Intendant Dr. Christoph Luyken, dem es gelungen war, mit der Verpflichtung des Wiener Glasharmonika-Duos Christel und Gerald Schönfeldinger einen weiteren musikalischen Leckerbissen in der ohnehin facettenreichen Veranstaltungsreihe der Rönsahler Kirchenkonzerte zu servieren.

Dabei wusste man insbesondere zu schätzen, dass die Konzertanten, von ihrem erstmaligen Auftritt vor einigen Jahren an gleicher Stelle einigen noch gut in Erinnerung, die Zusage gegeben hatten, eines von insgesamt nur vier Konzerten anlässlich ihrer Jubiläumstournee durch Deutschland in der Servatiuskirche stattfinden zu lassen.

Seit 20 Jahren als Wiener Glasharmonika-Duo und in ihrer Art einzigartig auf der Welt unterwegs, verstehen sich Christel und Gerald Schönfeldinger als Botschafter für eine Musikrichtung, die vor Zeiten hoch im Kurs stand, zwischenzeitlich aber nahezu gänzlich in Vergessenheit geraten war. Vor 250 Jahren von Benjamin Franklin erfunden, erlebte die Glasharmonika schon bald einen wahren Boom in Europa, bevor das Instrument dann 1830 aus den Konzerthäusern in Europa verschwand und dann in Vergessenheit geriet, um in den 1980er Jahren dann neu entdeckt zu werden.

Mit diesen und weiteren Details zu Glasharmonika und Verrophon, kunstvoll gestalteten und geheimnisumwobenen Musikinstrumenten aus Glas sowie Informationen zum Lebensweg und Werdegang der beiden Interpreten, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, den unvergleichlichen Zauber, der diesen Instrumenten innewohnt, wieder zum Leben zu erwecken, machte Dr. Luyken neugierig auf einen unterhaltsamen Abend.

Schon nach den ersten zarten und fast sphärenhaft und wie aus einer anderen Welt anmutenden Melodien voller Harmonie und geheimnisvollem Wohlklang, die die Konzertanten beispielsweise bei der musikalischen Wiedergabe des „Deutschen Tanzes“ aus der Feder von Wolfgang Amadeus Mozart ihren gläsernen Instrumenten entlockten, wurde deutlich, welch hohes Maß an Virtuosität und künstlerischem Empfinden diesem Musikstil innewohnt.

Während der erste Teil des Konzertabends vor allem der Wiedergabe klassischer Elemente, vornehmlich aus der Feder von Mozart und Franz Schubert, besonders beeindruckend dabei das „Ave Maria“ von Schubert, gewidmet war, wurden später auch zeitgenössische Werke zu Gehör gebracht.

Dabei kam insbesondere das hohe Maß an künstlerischem Empfinden und der damit verbundenen Gabe des Umsetzens musikalischen Schaffens, das ursprünglich nicht in jedem Falle speziell für diese ganz spezielle Art von Musikinstrumenten gedacht war, zur Geltung.

Langanhaltender Applaus, wie beispielsweise nach der gekonnten Wiedergabe des „ O virtus sapientiae – Antiphona“ (Die Kraft der Weisheit), entlehnt aus einer Sammlung choralartiger Gesänge, die Hildegard von Bingen (1098 bis 1179) zugeschrieben werden, und „Standing Ovations“ machten eine stürmisch geforderte Zugabe zum Abschluss unumgänglich. ▪ cr

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