Gisela Paulick geht mit 68 Jahren in den Ruhestand

Mit 68 Jahren räumt Gisela Paulick ihren Schreibtisch in der Bismarckschule. Die Konrektorin hatte ihre Dienstzeit um insgesamt drei Jahre verlängert. Foto: Becker

Kierspe - Während andere Arbeitnehmer sich darüber freuen, mit 63 Jahren und 45 Arbeitsjahren in Rente zu gehen, hat Gisela Paulick bis 68 gearbeitet – und das auch noch in dieser Woche, in der sich die Kollegen längst in den Ferien befanden. Allerdings wird sie im August auch nicht zur Bismarckschule zurückkehren, wo sie seit 1981 gearbeitet hat – und das seit 2001 als Konrektorin.

Von Johannes Becker

Als Gisela Paulick in dieser Woche die Tür des Lehrerzimmer hinter sich schloss, konnte sie auf 46 Dienstjahre zurückblicken – insgesamt hat sie drei Jahre verlängert. „Da finden sie wohl in ganz NRW keinen stellvertretenden Schulleiter, der auf diese Dienstzeit zurückblicken kann“, vermutet Eckehardt Haas, Leiter der Bismarckschule.

Die erste Woche der Ferien haben die beiden dazu genutzt, den Stundenplan für das nächste Schuljahr zu schreiben. Haas: „Das hätte Frau Paulick nicht mehr gemusst. Aber ich bin froh, dass sie die Aufgabe noch mal übernommen hat.“

Aufgewachsen in der Nähe von Braunschweig, lernte Paulick die Extreme des Schulwesens kennen. Wurde sie doch mit 61 Kindern in einer Klasse eingeschult. Später kam sie dann – bedingt durch einen Wohnortwechsel – in eine Zwergschule, die von gerade einmal 27 Schülern besucht wurde. „Der Lehrer dieser Schule hat mich geprägt und sicher auch meinen Berufsweg beeinflusst.“

Ihr Abitur hat sie in Bielefeld abgelegt, dort auch Volksschullehramt studiert und das Referendariat abgeleistet.

Am 1. Dezember 1969 erfolgte der Umzug nach Kierspe, denn in der kleinen Stadt im Sauerland waren damals viele Lehrerstellen unbesetzt. Durch einen Bewerbungsfehler kam sie jedoch nicht an die Gesamtschule wie geplant, sondern an die Pestalozzischule. Und als sie nach einem Jahr hätte wechseln können, da wollte sie nicht mehr. „An der Gesamtschule, die dann ein Jahr alt war, war noch so vieles ungeordnet und es gab eine hohe Fluktuation unter den Lehrern“, erinnert sich die Kiersperin. 1981 kam dann die Versetzung an die Bismarckschule, an der sie 2001 das Amt des Konrektors übernahm.

„Am meisten Spaß hat mir mein Beruf dann gemacht, wenn ich viel Zeit mit den Kindern verbringen konnte.“ Da erinnert sie sich gerne an die gemeinsamen Fahrten und die Projekten, in denen sie auch drei Zeltlager organisierte. „Überhaupt war die Natur mein Thema.“ Doch sie hat auch all die anderen Fächer unterrichtet, die die Kinder auf ihre weitere Schulbildung vorbereiten. „Nur Englisch habe ich nie gelernt und unterrichtet. Das lerne ich jetzt erst.“ Ansonsten gibt es noch keine Planungen für die Zeit des Ruhestandes. Nur eins ist klar. In diesem Jahr findet der Urlaub außerhalb der Ferienzeit statt. „Ich bin seit eineinhalb Jahren Presbyter in der Kirchengemeinde. Da gibt es so viel Arbeit, daraus könnte man einen zweiten Beruf machen.“

Wenn sie zurückblickt auf ihren Beruf, dann denkt sie auch an die neue Mathematik, von der vielen die Mengenlehre noch in Erinnerung ist und an den freien Unterricht, in dem die Kinder im Rahmen eines Wochenprogramms selbst entscheiden konnten, was sie in der jeweiligen Stunde lernen wollen. „Es wurde vieles ausprobiert. Auch vieles, das ich heute nicht mehr machen würde.“

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare