CDU und UWG zur Hausarzt-Situation

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Die Versorgung durch Hausärzte auf dem Land verschlechtert sich in den kommenden Jahren dramatisch. Diese Situation wollen CDU und UWG nicht ohne Widerspruch hinnehmen.

Kierspe - „Wir freuen uns über die gemeinsame Resolution und die gute Umsetzung unserer Anliegen durch die Stadtverwaltung“, darin sind sich der CDU-Fraktionsvorsitzende Jürgen Tofote und der UWG-Vorsitzende Clemens Wieland einig.

Von Johannes Becker

Genauso einig sind sie sich jedoch auch in dem „aber“, dem Wieland Ausdruck verlieh: „Noch besser wäre es aber gewesen, wenn die Verwaltung eine gemeinsame Resolution mit unseren Nachbarstädten auf den Weg gebracht hätte. Denn der Ärztemangel betrifft nicht nur uns, sondern auch Meinerzhagen, Halver und Schalksmühle.“

In der Ratssitzung hatten sich die Kiersper Politiker einstimmig für das Protestschreiben an die entsprechenden Vertreter in Bund und Land entschieden, um ihrer Sorge Ausdruck zu verleihen, dass die ländlichen Regionen bei der Ärzteversorgung auf der Strecke blieben (die MZ berichtete).

Bereits im Frühjahr hatten die beiden Fraktionen dieses Thema aufgegriffen, bewusst gemeinsam, damit nicht der Eindruck entstand, dass sie sich dieses Schwerpunktes nur aus Wahlkampfgründen annehmen würden.

Wieland: „Wir haben in den vergangenen Jahren deutliche Verschlechterungen bei den Apotheken-Notdiensten hinnehmen müssen. Und die Umwandlung des ärztlichen Notdienstes in die Notfallpraxen hat dazu geführt, dass die Menschen verstärkt den Notruf wählen. Das wiederum hat dazu geführt, dass der Kreis den Rettungsdienst aufstocken musste. Eine der Folgen davon ist ein weiterer Anstieg der Kreisumlage.“ So könne es nicht weitergehen, darin sind sich beide einig. Und auch von der Kassenärztlichen Vereinigung versprechen sich Tofote und Wieland nicht viel. Diese sei überholt und werde den Anforderungen nicht mehr gerecht. Nun müsse die Politik handeln.

Bei ihrer Kritik beziehen sich die Kiersper Politiker auf Patientensprecher Karl-Josef Laumann (CDU), der große Versäumnisse bei der rot-grünen Landesregierung sieht. Nach dessen Angaben habe sich die Anzahl der Medizin-Studienplätze in NRW innerhalb von zehn Jahren um 2000 verringert. Und während im Jahr 2006 noch 182 Mediziner ihre Prüfung in Westfalen-Lippe abgelegt hätten, seien es im vergangenen Jahr noch 87 gewesen.

„Wenn das so weitergeht und nicht gegengesteuert wird, dann ist abzusehen, wann wir in Kierspe keine hausärztliche Versorgung mehr sicherstellen können“, so Wieland. Und Tofote ergänzt: „Es reicht eben nicht, den Märkischen Kreis als Region zu sehen. Denn Hausärzte, die sich in Lüdenscheid niederlassen, nützen den Kranken in Kierspe nichts.“

Nach Ansicht von Wieland seien nicht nur zu wenige Studienplätze vorhanden, sondern es würden auch die falschen Leute zum Studium zugelassen: „Krankenschwestern oder Rettungssanitäter sollten einen erleichterten Zugang bekommen. Der Numerus Clausus ist das falsche Maß.“ Viel wichtiger sei es, Schüler mit naturwissenschaftlichen Schwerpunkten zu fördern und ihnen den Zugang zu erleichtern.

„Wenn die Politik es möchte, dann schafft sie es auch, mit wirtschaftlichen Anreizen junge Ärzte aufs Land zu locken“, so Tofote. Wieland: „Da reichen aber die 50 000 Euro Prämie für eine Praxiseröffnung im ländlichen Raum nicht aus. Denn schon jetzt stehen die Einkommen der Ärzte in keinem Verhältnis mehr zu den Kosten.“ Allerdings möchte er Subventionen in diesem Bereich zeitlich begrenzen: „Erst mal für zehn Jahre, danach muss man Bilanz ziehen.“

Tofote verspricht, bei diesem Thema am Ball zu bleiben: „Wir werden nachhaken, was aus der Resolution wurde – und rufen die Nachbarstädte auf, mit Kierspe an einem Strang zu ziehen.“

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