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„Komischer Winter“ – auch für Bienen

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Von: Birgitta Negel-Täuber

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Bienenvölker im Garten: Gärtner und Imker blicken gleichermaßen skeptisch auf Wetterkapriolen und Klimawandel.
Bienenvölker im Garten: Gärtner und Imker blicken gleichermaßen skeptisch auf Wetterkapriolen und Klimawandel. © Negel-Täuber, Birgitta

Imker Dieter Pickhardt berichtet über die Folgen von Temperatursprüngen und klärt über mögliche Probleme für die Bienen auf.

Rönsahl – „Komischer Winter“, sagen nicht nur die Gärtner, sondern auch die Imker. Temperatursprünge sorgten Ende Dezember für frühlingshaft mildes Wetter und Dauerregen. Und auch wenn der Winter gerade mit Minusgraden und Schnee Einzug gehalten hat, so blicken Gärtner und Imker gleichermaßen skeptisch auf Wetterkapriolen und Klimawandel – denn die Natur reagiert darauf. Ist es warm genug, also ungefähr ab 8 Grad Außentemperatur, verlassen die Bienen den Bienenstock auf der Suche nach Wasser. Ab 12 Grad finden sie Futter bei Frühblühern wie Winterlingen, Haselsträuchern und Erlen. Imker Dieter Pickhardt aus Rönsahl hat das ungewöhnliche Verhalten seiner Bienen im Blick, kann sich zurzeit aber noch keine abschließende Meinung bilden. „Man kann erst im Frühjahr sagen, wie sich das milde Wetter auswirkt,“ sagt er.

Imker Dieter Pickhardt aus Rönsahl muss sich auch in den Wintermonaten um seine Bienenvölker kümmern.
Imker Dieter Pickhardt aus Rönsahl muss sich auch in den Wintermonaten um seine Bienenvölker kümmern. © Negel-Täuber, Birgitta

Die Zusatzflüge im Winter haben für die Bienen Vor- und Nachteile. Einerseits können sie auf ihren Reinigungsflügen ihren Darm entleeren. Das dient nicht nur dem Wohlbefinden der einzelnen Biene, sondern beugt auch Krankheiten im Bienenstock, auch Beute genannt, vor. Aber wehe, sie kommen nicht rechtzeitig zurück in den Stock. Dann besteht die Gefahr, dass sie „verklammen“. Sie können nicht weiterfliegen und sterben. Bis jetzt habe er keine Verluste zu verzeichnen, sagt Dieter Pickhardt.

Plötzliche Kälte sorgt dafür, dass die Bienen verhungern könnten

Ein weiterer Nachteil: „Sie brüten jetzt viel.“ Die Brut braucht eine konstante Temperatur von 35 Grad, die von den Bienen erzeugt wird. Wird es plötzlich kalt, können die Bienen ihre Brut deshalb nicht einmal verlassen, um sich mit den im Stock angelegten Futtervorräten zu ernähren. Sie verhungern, obwohl eigentlich genug Futter vorhanden ist. „Futterabriss“ nennt das der Imker. Ideales Bienenfutter sind selbstgesammelter Nektar für die Bienen und der eiweißreiche Pollen für die Brut. Der Imker füttert im Herbst zu.

Links unten im Bienenstock befindet sich das Ausflugloch.
Links unten im Bienenstock befindet sich das Ausflugloch. © Negel-täuber

Typisch für die Jahreszeit ist eher die „Wintertraube“. Dicht an dicht drängen die Bienen sich wie zu einer Kugel aneinander, halten dabei die eigene Körpertemperatur aufrecht und wechseln beständig ihren Standort, damit jede Biene regelmäßig ins wärmende Innere der Traube kommt. „Das ist eine ewige Rotation,“ sagt Pickhardt und öffnet die Beute nur kurz für ein Foto. Er will den Bienen nicht die Wärme entziehen.

Längst nicht jede Biene überlebt den Winter, das ist normal. Ihre Lebensdauer betrage durchschnittlich gut ein halbes Jahr, erläutert Pickhardt. Damit leben Winterbienen aber erheblich länger als ihre Artgenossen, die im Sommer schlüpfen. Die Lebenszeit von Sommerbienen beträgt ungefähr sechs Wochen.

Dieter Pickhardt betreibt die Imkerei als Hobby. Angefangen hat er vor gut zehn Jahren mit zwei Völkern, zurzeit sind es zwölf – und mehr sollen es dauerhaft auch nicht werden. Trotzdem, kaum zu glauben, wie dicht sein Garten selbst jetzt während der Winterruhe bevölkert ist. Denn ein Bienenvolk umfasst mindestens 5000 Tiere. Im Sommer sind es bis zu zehnmal so viele.

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