Ein Schlüsselstandort des französischen LISI-Konzerns

+
KVT-Chef Dr. Olaf Luche blickt insgesamt positiv in die Zukunft. Er erwartet nicht, dass sich der Automobilmarkt in diesem Jahr gegenüber 2012 verschlechtert. Luche ist seit 2010 in Kierspe tätig und seit November 2011 Geschäftsführer bei Knipping. ▪

KIERSPE ▪ In der gesamten Gruppe ist das Unternehmen LISI Automotive Knipping Verbindungstechnik (KVT) nicht nur der größte Automotive-Betrieb, sondern hat auch noch die höchste Produktivität, womit es sich bei Kierspe um einen Schlüsselstandort handelt.

„Kein anderer macht mit seinen Mitarbeitern so viel Umsatz“, erläutert Geschäftsführer Dr. Olaf Luche. Er erwartet für dieses Jahr und die Zukunft, dass der Umsatz von 64 Millionen Euro aus 2012 gehalten werden kann. Viel mehr sei aufgrund der erreichten Auslastung der Schraubenfabrik aber nicht mehr möglich. Eng beieinander stehen 48 Kaltfließpressen mit Presskräften bis zu 120 Tonnen. Damit sind die räumlichen Kapazitätsgrenzen erreicht und weiteres Wachstum nicht mehr möglich, so dass jetzt über eine Unternehmenserweiterung nachgedacht werden muss. Mit einem entsprechenden Konzept will Luche demnächst in Verhandlung mit dem Mutterhaus am LISI-Stammsitz im französischen Delle bei Mühlhausen treten. Vorausschauend gelang es bereits vor Jahren, sich die im Gewerbegebiet Wildenkuhlen angrenzenden Grundstücke und damit die notwendigen Flächen für einen Anbau zu sichern.

Hergestellt werden in Kierspe rund 1500 verschiedene Spezialschrauben aus Stahl, Edelstahl und Aluminium, die zu 90 Prozent im Kraftfahrzeugbau zum Einsatz kommen. „Haushaltsgeräte, Elektro- und Bauindustrie besitzen bei uns nur einen Produktionsanteil von zehn Prozent“, ergänzt der Geschäftsführer und nennt dann beeindruckende Zahlen wie zwischen 80 bis 350 Schrauben je Maschine pro Minute in den Größen von 3 bis 12 Millimetern Durchmesser, sechs Millionen Schrauben am Tag und 1,4 Milliarden im Jahr. Dabei sei durchschnittlich ein Presser immer für vier Maschinen zuständig.

LISI ist ein weltweit führender Hersteller von Befestigungselementen für die Luftfahrt-, Automobil-, und medizintechnische Industrie. Ursprünglich am Ende des 18. Jahrhunderts als Familienunternehmen gegründet, beschäftigt die Gruppe heute mehr als 8 000 Mitarbeiter in mehr als zehn Ländern. „Angefangen wurde als erstes mit der Herstellung von Holzschrauben. Als es dann aus England ein Schraubenembargo für Frankreich gab, begann hier auch verstärkt die Herstellung anderer Schrauben“. Heute ist LISI ein Tier-one-Zulieferer von internationalen Original Equipment Manufaturers (OEM) wie Airbus, Boeing, BMW, Mercedes, Ford, General Motors, PSA, Renault sowie Volkswagen und erzielte 2012 einen Umsatz von insgesamt 1,08 Milliarden Euro. Als Aktiengesellschaft ist LISI an der Pariser Börse notiert. Bestandteil sind die drei Sparten Aerospace, Medical und Automotive.

KVT ist seit 2005 als eigenständiges Unternehmen Bestandteil des Konzerns. Aus Sicht des Geschäftsführers war dieser Einstieg für den Standort nur gut, da seitdem Krisen wie 2008 und 2009 besser durchgestanden werden können. „Es fand während der Zeit kein Personalabbau statt, sondern wir haben die Engpässe allein über Kurzarbeit ausgeglichen“, so Luche. Der Mitarbeiterbestand von KVT ist seit Jahren weitgehend konstant und liegt aktuell bei 321 Beschäftigten, davon 286 Männer und 35 Frauen, die überwiegend in der Verwaltung arbeiten. Das Durchschnittsalter der Mitarbeiter liegt bei 40 Jahren. Die Fluktuation ist äußerst gering, so sind 62 Prozent schon zehn Jahre und länger im Unternehmen tätig.

KVT investiert in die Ausbildung, um so den Facharbeiterbedarf zu einem Großteil aus den eigenen Reihen sicherstellen zu können. Momentan gibt es in der Firma 16 Lehrlinge, davon drei kaufmännische. Gesponsert wird von KVT ebenfalls die Weiterbildung der eigenen Beschäftigten durch duale Meister- und Technikerschulungen oder sogar Studiengänge.

Positiv, so Luche, sei die LISI-Zugehörigkeit außerdem, weil es jährlich ein Budget von bis zu fünf Prozent vom Umsatz für Investitionen in neue Anlagen oder Modernisierungen gebe. So konnten im vergangenen Jahr 800 000 Euro in die Erweiterung der Zink-Nickel-Beschichtungsanlage investiert werden. Weiterhin wurde für die Mitarbeiter der Südparkplatz mit 88 Stellplätzen ausgebaut. „Bereits 2009 haben wir 400 000 Euro in eine Biofilteranlage investiert, in der Bakterien die Reinigungsaufgabe übernehmen, so dass als Restbestandteile Wasser und Kohlendioxid übrigbleiben. Die Anlage war zwar teurer, gestaltet sich, weil kein Gas für die Verbrennung benötigt wird, langfristig jedoch trotzdem wirtschaftlich günstiger und ist natürlich vom Umweltaspekt her auch ökologisch wertvoller“, betont der Chef. In 2012 investierte KVT zudem 350 000 Euro in eine neue Verdampfung mit Wasserrückgewinnung im Bereich der Schraubenwaschanlage. Auch hier gab es wirtschaftliche und ökologische Argumente.

Dr. Olaf Luche ist froh, dass nicht nur die französichen Automarken Renault und Peugeot, die derzeit Probleme haben, zu den Kunden gehören, sondern besonders BMW und VW, bei denen das Exportgeschäft boomt, genauso aber auch Daimler, Ford und Opel. „Wir haben daher die Auftragsbücher gut gefüllt und müssen sogar Sonderschichten fahren“, informiert der Geschäftsführer, der aus diesem Grund ganz optimistisch in die Zukunft blickt.

Trotzdem habe es sich als Bereicherung erwiesen, als nach dem Kauf des KiersperUnternehmens durch LISI die französischen Automobilhersteller als Kunden dazukamen. Außerdem stellen heute ebenfalls Dacia und Faurecia wichtige Kunden dar. Der Geschäftsführer glaubt letztlich nicht, dass sich der Automobilmarkt in diesem Jahr gegenüber 2012 signifikant verschlechtert. „Wir wachsen besonders mit dem Export von VW und BMW“, erläutert er.

Sozialsponsoring

durch KVT

Eine enge Zusammenarbeit gibt es mit der Tochterfirma BETEO in Gummersbach im Bereich der Oberflächentechnik. Ansonsten ist KVT aber so aufgestellt, dass im Gegensatz zu den meisten Mitbewerbern die kompletten Herstellungsprozesse im eigenen Haus vorgenommen werden. Neben der Presserei werden Gewindewalzmaschinen, Härteöfen oder auch die abwasserfreie Galvanik vorgehalten. Letztere sorgte 1993 für viel Aufsehen und rief das Interesse der gesamten Branche hervor, aber auch heute ist sie noch immer Stand der Technik. Werkzeugbau und Prozessentwicklung arbeiten ganz eng mit dem Kunden zusammen. KVT setzt die Verbindungstechniken für die Auftraggeber dann bestmöglich um.

Ganz wichtig ist Knipping zudem der Bereich des Sozialsponsorings am Standort Kierspe, ob für die Feuerwehr, die Cartjugend des Kiersper Rallye-Clubs, den Verein Hand in Hand oder auch beim Bus für die heimischen Vereine. Für die Mitarbeiter gibt es eine Gesundheitsoffensive: So erhalten sie beim Besuch von Fitnessstudios finanzielle Unterstützung, es gibt eine Betriebsfußballmannschaft, ein firmeninternes Badmintonturnier fand auch schon statt und am Lüdenscheider Firmenlauf beteiligten sich 17 Prozent der Belegschaft.

Rolf Haase

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare