Räuke-Kids: Tag der offenen Tür steht ins Haus

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Noch genießt es der zweijährige Nico sehr, alleine in der Einrichtung zu sein. Doch in Zukunft wird seine Tagesmutter Undine Sträßer auch andere Kinder betreuen.

KIERSPE - Der Rechtsanspruch für einen Betreuungsplatz von Kindern unter drei Jahren steht. Dort, wo Kindertagesstätten nicht die erforderlichen Plätze bieten oder der angebotene Zeitrahmen mit den Arbeitszeiten der Eltern kollidiert, sollen Tagesmütter das Angebot ergänzen. So auch in Kierspe, wo die Großpflegestelle „Räuke-Kids“ am Montag ihren Betrieb aufgenommen hat.

Ein Spielraum, ein Snoozleraum, Küche, Sportzimmer, Schlafraum und gleich drei „Betreuer“ – alles für ein Kind. So zumindest könnte es dem zweijährigen Nico vorkommen, ist er doch im Moment das einzige Kind, das in der neuen Einrichtung an der Friedrich-Ebert-Straße im Dorf Aufnahme gefunden hat. „Das wird sich aber bereits in Kürze ändern, denn zwei weitere Kinder sind angemeldet. Die kommen im Februar des kommenden Jahres, sind aber jetzt immer schon mal wieder zu Gast, um uns und die Räume kennenzulernen“, erklärt Gerlinde Schnippering, die bis vor etwas mehr als einem Monat an gleicher Stelle das Spielwarengeschäft „Stöberecke“ betrieben hat.

Nachdem abzusehen war, dass mit den Spielwaren in Konkurrenz zum Internethandel auf Dauer nicht mehr genug zu verdienen sein würde, entschied sich die Kiersperin zum Besuch eines 160-stündigen Tagesmütter-Kurses der VHS. Und dies nicht allein, auch ihr Mann Harald und die Tochter Undine Sträßer haben den Kursus besucht und sich nun mit der neuen Einrichtung selbstständig gemacht. Die Motive für diesen Schritt waren ganz unterschiedlich. Harald Schnippering, ehemals Beamter bei der Stadt Kierspe, war auf der Suche nach einer sinnvollen Beschäftigung im Ruhestand und Tochter Undine Sträßer suchte einen Job, der sich mit der eigenen Familie vereinbaren lässt.

„Ich habe selbst drei Kinder, die aber aufgrund ihres Altes keine Rund-um-die-Uhr-Betreuung mehr brauchen. In der Vergangenheit habe ich auch schon mal Pflegekinder in der Familie gehabt“, erzählt Sträßer. Durch diese Erfahrung sei ihr klar geworden, dass sie auch weiterhin gerne mit Kindern arbeiten würde. „Doch mit etwas mehr Distanz. Denn es war gar nicht leicht, die Pflegekinder nach etlichen Monaten wieder hergeben zu müssen“, erzählt die junge Frau.

Nun könnten es bis zu neun Kinder sein, um die sie sich gemeinsam mit ihren Eltern kümmern würde – und das unter Umständen rund um die Uhr. „Gerade Alleinerziehende, die im Schichtdienst oder zu ungewöhnlichen Zeiten arbeiten, finden in normalen Kindertagesstätten oft kein passendes Angebot“, erklärt Gerlinde Schnippering. Wobei die Buchung der Einrichtung, die Beitragszahlung, die sich nach dem Einkommen der Eltern richtet, und auch die Betreuungszeit mit dem Märkischen Kreis geklärt werden muss, denn dieser hat die Verwaltung der Großpflegestelle übernommen.

Insgesamt stehen den Kindern die genannten Räume auf einer Etage mit rund 120 Quadratmetern zur Verfügung. Aber die Tagesmütter, beziehungsweise der Tagesvater haben sich vorgenommen, auch viel Zeit in der Natur zu verbringen, um die Wahrnehmung der jungen Besucher zu fördern. Um den Weg in Wald und Wiesen zu erleichtern, wurde ein spezieller Kinderwagen angeschafft, in dem bis zu sieben Kinder einen mit Gurten gesicherten Platz finden.

Aber auch im Haus sollen die Kinder Erfahrungen machen, die über Spielen, Essen und Schlafen hinausgehen. „So wollen wir die Kinder, wenn es das Alter zulässt, auch in die Zubereitung der Mahlzeiten einbeziehen“, hat sich Gerlinde Schnippering vorgenommen.

Am Donnerstag, 7. November, präsentiert sich die Einrichtung im Rahmen eines Tages der offenen Tür. Dann haben die Räuke-Kids von 14 bis 17 Uhr an der Friedrich-Ebert-Straße 373 geöffnet. Weitere Informationen gibt es auch unter der Rufnummer (0 23 59) 49 83. - Johannes Becker

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