Kleiner Prinz trifft kleine Königin

Das Instrumentalensemble „Sonore Sacro“ untermalte die Geschichte vom kleinen Prinzen musikalisch.

RÖNSAHL ▪ Zu einer Veranstaltung nicht alltäglicher Art kam es am Tag des offenen Denkmals in der Servatiuskirche.

Unter der Überschrift „Kleiner Prinz trifft Kleine Königin“. Die evangelische Kirchengemeinde Rönsahl war in diesem Jahr bereits mehrfach durch die Öffnung der Servatiuskirche außerhalb der Gottesdienstzeiten in die Präsentation denkmalgeschützter Objekte im Dorf eingebunden. Jetzt hatte die Gemeinde zu einer literarisch-musikalischen Begegnung mit dem Instrumentalensemble „Sonore Sacro“ aus Essen eingeladen.

Als Medium diente dabei das in viele Sprachen übersetzte und um die Welt gegangene Märchen von Antoine de Saint Exupéry: „Der Kleine Prinz“. Wie es die dichterische Freiheit erlaubte, war nämlich just für diesen Tag eine Begegnung der Märchenfigur mit der kleine(n) Königin in Rönsahl arrangiert worden. Gemeint war hiermit die im Jahre 1786 gebaute Kirchenorgel als eine der ältesten bespielbaren im weiten Umkreis und eine der beiden überhaupt noch existierenden Kircheninstrumente der bekannten oberbergischen Orgelbaufamilie Gebrüder Kleine.

Und offensichtlich gab es keine Berührungsängste zwischen den beiden „Majestäten“. Fast schien der kleine Prinz, der in der ursprünglichen Geschichte auf seinem ganz eigenen Planeten beheimatet ist, durchaus zu wissen, wie wichtig es war, dass er sich am Wochenende ein wenig Zeit für die Rönsahler Orgel genommen hatte: Denn schon bald und nach dem im festlichen Rahmen geplanten Jubiläumsgottesdienst zum 450-jährigen Bestehen der evangelischen Kirchengemeinde in Rönsahl am 31. Oktober muss die Gemeinde für längere Zeit auf das ihr lieb gewordene Instrument verzichten. Sie bedarf dann nämlich einer Generalüberholung und soll deshalb in einer Spezialwerkstatt restauriert werden. Darüber informierte Organist Holger Scheel im Laufe des Nachmittags und ließ auch durchblicken, dass noch erhebliche Spenden vonnöten seien, um die erforderlichen Kosten aufzubringen.

Erzähler Martin Nesemann

Das alles schien der kleine Prinz durchaus zu ahnen. In die Rolle des Erzählers war Ensemble-Mitglied Martin Nesemann in einfühlsamer und beeindruckender Weise geschlüpft. „Man sieht nur mit dem Herzen gut !“, so das zentrale Zitat des Stücks. Wie ein roter Faden zog sich die Kernaussage, die Saint Exupéry seiner Märchenfigur unausgesprochen in den Mund legt, durch die Handlung, die „Sonore Sacro“ durchs gesprochene Wort und durch musikalische Intervalle unterlegt, in überaus ansprechender Form zu vermitteln wusste. Auf Spurensuche nach dem Wesen des Fuchses und im stillen Zwiegespräch mit dem Bildnis der stolzen Rose, den beiden Leitfiguren auf der fiktiven Reise des kleinen Prinzen durch Zeit und Raum, kam es auch zur Begegnung mit menschlichen Verhaltensweisen. Eitelkeiten, und der Säufer, der trinkt, um zu vergessen, zählten dazu. Auch das Gefühl von Freude und Traurigkeit, gelebte Verantwortung für Anvertrautes, ließen den kleinen Prinzen erkennen, dass Träume Berge versetzen und dass Rosen auch im Winter blühen können. ▪ cr

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare