Von der kleinen Feier zum großen Jubiläumsfest

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Von ihrem Vereinslokal „Unter den Linden“ kamen die Kiersper Schützen des KSV 1899 zum Jubiläumsfest der Elbringhausener anmarschiert. ▪

KIERSPE ▪ Vor 75 Jahren, genau am 6. November 1935, schlossen sich die Schützenvereine Elbringhausen und der Kierspe Schützenverein 1899 (KSV 1899) zusammen, gefeiert wurde dieses runde Jubiläum am Wochenende in Elbringhausen. Mit dabei war auch der Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr, der 1949 in Elbringhausen gegründet wurde, und später im Dorf weiter geführt wurde.

Geplant war das Fest eher in einem privaten Rahmen, es wurde jedoch ein Fest mit vielen Freunden und Schützenbrüdern aus ganz Kierspe.

Über die alten Schützenfeste am Margarethentag gibt es nur spärliche Aufzeichnungen. Nach dem 30-jährigen Krieg war es der aus der Orts- und Heimatgeschichte bekannte Johann Wilhelm Röwenstrunk, „Doktor der beiden Rechte und als ein sehr gelehrter Mann geschätzt“, der das Schützenwesen nach althergebrachter Ordnung wieder neu erstehen ließ. Alten Aufzeichnungen zufolge rüstete er die Schützen im Jahre 1651 mit 30 neuen „Feuerrohren“ aus.

In einer Schützenrolle von 1660 sind alte Familiennamen zu finden, nach denen in der Folgezeit Ortsteile und Hofgemeinschaften benannt wurden: Dies waren unter anderem Bremike, Wilbringhausen, Romberg, Herlinghausen, Berken und Quabecke.

Von großen Schützenfesten um das Jahr 1840 wusste die mündliche Überlieferung bei den alten Elbringhausenern zu berichten. Sie fanden damals im Wienhagen statt. Jeder trug dabei eine Gewehr, sogar welche mit Feuersteinen waren dabei, die ganz fürchterlich geknallt haben. Als Erinnerung an diese Veranstaltung fand man in den alten Bauernhäusern zierlich beschlagene Pulverhörner, die als Andenken aufbewahrt wurden, während die dazugehörigen Büchsen nicht mehr vorhanden waren.

Das Schützenwesen ist besonders durch den Oberpräsidenten von Vincke gefördert worden, der daran ein solches Interesse zeigte, dass er sich sogar die Schützenkönige in den einzelnen Orten nennen ließ. Davon wäre heute nichts mehr bekannt, wenn nicht per Zufall eine Urkunde darüber erhalten geblieben wäre. So besagt das Protokollbuch der Meinerzhagener Schützengesellschaft, dass man im Jahre 1819 „eine Fahre für den Festtag in Kierspe geliehen“ habe. An der Tradition der Schützenfeste im Wienhagen hielt der ehemalige Schützenverein Elbringhausen bis Anfang der 30er Jahre fest. Am 6. November 1935 erfolgte der Zusammenschluss der 1899er mit dem KSV 1899. 86 Mitglieder zählten die Elbringhausener damals, zu seinem Vermögen gehörte auch das Gelände im Wienhagen, auf dem sich der Schießstand für Großkaliberwaffen befand. Die Besitzer der Grundstücke, Ernst Küch und Josef Niggemann, stellten das Gelände auf „ewige Zeiten, dem Vaterland uneingeschränkt zur Verfügung“ und wurden damals von Amtsbürgermeister Fritz Kuhbier Kraft seines Amtes zu Ehrenmitgliedern des Schützenvereins Kierspe 1899 ernannt. Anders als heute gab es in Elbringhausen eine feste Schießanlage oberhalb des Ortes im Wienhagen mit Schießständen, in der bis in die 30er Jahre die Schützenfeste gefeiert wurden.

Der Zusammenschluss beider Schützenvereine verlief problemlos. Immerhin waren viele der Schützenbrüder aus Elbringhausen zugleich Mitglied des KSV 1899 und somit eng verbunden. So war einer der letzten Vorsitzenden des Elbringhausener Schützenvereins Wilhelm Wortmann, der bereits von 1912 bis 1913 Schützenkönig beim KSV 1899 war und mit Ida Vollmann als Königin das Kiersper Schützenvolk regierte.

Gefeiert wurde früher in Elbringhausen das Schützenfest ausgiebig. Auch Kinderschützenfeste gab es. Magdalene Becker, geborene Niggemann, kann sich noch gut an die Feste damals erinnern. „Wir trafen uns in unserem Vereinslokal bei Funkes“, erinnert sie sich. „Es wurde damals ein Kalb geschlachtet, welches dann über die Schützenfesttage hin von allen verzehrt wurde.“

Die alte Elbringhausener Schützenfahne wird bei den Schützenfesten in den Festzügen mitgeführt. Sie ist das einzige Requisit aus jener Zeit, welches heute bei den Schützenbrüdern des KSV 1899 in dem Vereinslokal „Unter den Linden“ aufbewahrt wird. Beim ersten Nachkriegsschützenfest im Jahre 1951 sorgte die Bauernschaft Elbringhausen sowie die Bewohner der umliegenden Höfe für den Clou bei den Festzügen. Allesamt in blauen Kitteln marschierten sie hinter „ihrer“ Fahne her.

Dass in Elbringhausen die Tradition um den Schützenverein nicht erlischt, dafür sorgt heute Uwe Ackermann. Er war auch derjenige, der die Idee zu dem Fest am Wochenende hatte. Unterstützt wurde er dabei vom Elbringhausener Schützenzug, der ihm bei der Planung und dem Aufbau des Zeltes geholfen hat.

Begonnen hatte das Fest am Sonntagmorgen mit dem Treffen der Schützenbrüder des KSV 1899 in ihrem Vereinslokal „Unter den Linden“. Von dort marschierten sie zusammen mit dem Spielmannszug die Pulverstraße hinunter, durchquerten das Kerspetal und stiegen über Quabecke nach Elbringhausen hoch. Dort drehten sie noch eine Runde durch den Ort, bevor sie ihr Ziel, das Festzelt erreichten. So ganz mit leeren Händen kamen sie aber nicht. Dirk Potthoff, Vorsitzender des KSV, überreichte Uwe Ackermann ein Fahnenband des KSV anlässlich des Jubiläums.

Wer wollte, konnte an diesem herrlichen Maitag eine Wanderung zum Wienhagener Turm machen und sich überlegen, wo damals die Schießanlage mit dem Schießstand wohl gestanden haben mag. „Auf dem damaligen Gelände stehen seit 40 Jahren Tannen“, klärte Reiner Becker auf, so dass hier der Fantasie keine Grenzen gesetzt sind. ▪ Gertrud Goldbach

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