Kleine Spieler kommen ganz groß raus

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Friedhelm Oefenscheidt hat seine Zwerge auf die Fußballweltmeisterschaft gut vorbereitet und ihnen eine ansehnliche Spielfläche gebaut. ▪

KIERSPE ▪ Im Hauptberuf sind sie Schmiede, Bergleute, Holzfäller und Bauern. Lediglich ein Berufsfußballer gehört zu der bunten Truppe, doch der hat auf der Zuschauerbank Platz gekommen. Die Feldspieler nehmen jeden Tag eine andere Nationalität an und geben immer ihr Bestes, egal, für welches Land sie kicken. Um diesen Identitätswechsel zu erleichtern, gibt es auch nur zwei Trikotfarben, beziehungsweise Mützenfarben, die eine Identifikation erleichtern.

Bei Spielern und Zuschauern handelt es sich um Gartenzwerge, die während der Fußballweltmeisterschaft im Vorgarten von Friedhelm und Ingrid Oefenscheidt an der Straße An der Währ Aufstellung genommen haben.

Auf einem Kunstrasenspielfeld finden sich 22 Feldspieler samt Schiedsrichter. Von der Tribüne schauen die restlichen der insgesamt 64 Zwerge zu, die Friedhelm Oefenscheidt in den vergangenen 30 Jahren gesammelt hat. Außerhalb von Fußballgroßereignissen gehen die Zwerge ihren „normalen“ Berufen nach und leben zwischen Blumen und Gras an gleicher Stelle. Dann finden die Wichte auch schneller zur Ruhe, denn während der WM wird das Spielfeld von 15 Solarlampen erleuchtet, die ein Spiel zu den gleichen Zeiten erlauben, in denen auch in Südafrika gekickt wird.

„Die Idee zu dieser Vorgartendekoration hatte unsere Nachbarin bereits vor vier Jahren. Damals traten die Zwerge aber noch auf Naturrasen an, die Linien waren in der Anfangszeit aus Mehl, später dann mit Farbe aufgemalt“, erinnert sich Oefenscheidt an die erste Zwergen-WM. In diesem Jahr gestaltet sich das Turnier im eigenen Land aber deutlich professioneller. Denn auf Kunstrasen kommen die Spieler deutlicher zu Geltung. Und auch die Tore sind nicht mehr selbstgefertigt, wie noch vor vier Jahren. Stattdessen musste der Enkel des früheren Chemiearbeiters seine Spielzeug-Gehäuse abgeben – gegen größeren Ersatz versteht sich.

Als Zugeständnis an den Austragungsort des Turniers, hat Oefenscheidt nicht nur bei den Spielern zu Farbe und Pinsel gegriffen. sondern auch einen Teil der Zuschauer in der angenommenen Hautfarbe der Gastgeber angestrichen.

„Mittlerweile hat sich das Arrangement zu einem echten Publikumsmagneten entwickelt. Vor allem abends, wenn alles schön beleuchtet ist, kommen viele Kiersper, um sich die illuminierte Kulisse anzuschauen“, freut sich Oefenscheidt, der nicht nur etwas von Gartenzwergen, sondern auch vom Fußball versteht. 55 Jahre hat er selbst gespielt und mehr als 20 Jahre Jugendmannschaften in Kierspe und Rönsahl trainiert.

Wenn er nicht die Daumen für die Nationalmannschaft drückt, dann gilt seine ganze Sympathie den Spielern aus Schalke. So hat er auch den einzigen „echten“ Fußballzwerg in den Farben seines Lieblingsclubs gestrichen. Wobei die Vermutung nahe liegt, dass es sich dabei um Kevin Kuranyi handeln muss, da dieser nicht aktiv ins Spielgeschehen eingreifen darf. Allerdings wird er bei Oefenscheidt auch keine Chance haben, sich in der Halbzeitpause abzusetzen, dafür sorgt schon ein großer schwarzer Hund, der neben den Zuschauern Platz genommen hat – und sicher besser aufpassen wird, als jeder Löw. ▪ jobek

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