„Klassiker“ und Kurioses im Kiersper Fundbüro

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Im Keller des Rathauses lagern zahlreiche Fundgegenstände, die entweder zu groß für die Räumlichkeiten des Bürgerbüros sind, oder seit längerer Zeit nicht abgeholt wurden.

KIERSPE - „Wer’s findet, darf’s behalten“, lautet ein bekanntes Sprichwort. Doch entspricht das der Wahrheit? Wenn man einen Fundgegenstand im Kiersper Fundbüro abgibt, stimmt das Sprichwort zumindest unter bestimmten Voraussetzungen.

Grundsätzlich gilt, dass man als Finder dazu verpflichtet ist, dafür zu sorgen, dass der Eigentümer seinen Besitz wieder zurückbekommt – sofern dieser mehr als zehn Euro wert ist. Im Kiersper Fundbüro werden eben diese Gegenstände entgegengenommen: „Für Dinge unter zehn Euro lohnt der Aufwand nicht“, erklärt Melanie Oster, die sich im Bürgerbüro mit drei Kolleginnen um Fundgegenstände kümmert.

Handys, Schlüssel und vor allem Fahrräder werden regelmäßig am Springerweg abgegeben. „Das sind wirklich unsere Klassiker“, blickt Oster auf ihre rund 19-jährige Beschäftigung im Bürgerbüro zurück.

Doch seit der Gründung des Bürgerbüros im Jahr 1997 mussten sich die Mitarbeiter auch um die Vermittlung einiger kurioser Gegenstände kümmern: „Vor ein paar Jahren wurde ein Gebiss abgegeben. Doch ein Besitzer hat sich nie gemeldet – letztlich wurde es vernichtet“, erinnert sich Melanie Oster. Auch ein Werkzeugkoffer und eine Bohrmaschine wurden bereits von Findern abgegeben: „Da bestand zunächst natürlich der Verdacht, dass es sich um Diebesgut handelt, das beseitigt werden soll“, erklärt die Beamtin. Doch nach Rücksprache mit der Polizei, die prüfte, ob derartige Gegenstände als gestohlen gemeldet wurden, bestand Klarheit, dass das Werkzeug wohl tatsächlich von jemandem verloren wurde: Bis heute ist der Besitzer jedoch unbekannt.

Kooperative Arbeit mit der Polizei gab es auch bereits bei Waffen, die gefunden wurden: „Kleinwaffen wie Schreckschusspistolen oder größere Messer hatten wir bereits. Auch hier wurde zunächst geklärt, ob sie im Zusammenhang mit einer Straftat stehen. Andersherum wurden auch bereits herrenlose Waffen bei der Polizei abgegeben, die von den Beamten im Anschluss zu uns gebracht wurden, wo sie auf ihren Eigentümer warten konnten.“

Einfacher ist es meist, Besitzer von Handys und Smartphones zu ermitteln: „Anhand der SIM-Karte können wir mit dem Provider in Kontakt treten, der den Kunden dann benachrichtigt“, schildert die Meinerzhagenerin. Sechs Monate beträgt die Abholfrist, danach kann der Finder Besitzansprüche melden: „Es wird direkt bei der Abgabe geklärt, ob der Finder Interesse am Fundgegenstand hat. Bei Smartphones ist das natürlich oftmals der Fall.“

Sollte ein Objekt auch in seinem Finder keinen neuen Besitzer finden, wird es von der Stadt versteigert: „Solche Versteigerungen finden in unregelmäßigen Abständen statt, je nachdem, wie viel ‘Ware’ grad auf Lager ist. Bei der letzten Auktion, die im Ratssaal stattfand, waren rund 20 Besucher“, erinnert sich Melanie Oster.

Das erwirtschaftete Geld landet anschließend in der Stadtkasse. Eigentümer, die in der Vergangenheit ihren Besitz über das Fundbüro zurückerlangt haben, würden nach Osters Aussage meist eines zeigen: Dankbarkeit. „Oftmals wird nach den Kontaktdaten des Finders gefragt, die – sofern er dem im Vorfeld zugestimmt hat – wir dann herausgeben“, erklärt Melanie Oster.

So können dann noch zwei Dinge erledigt werden, mit denen die Bediensteten des Bürgerbüros nichts zu tun haben: „Die Besitzer können sich bei den Findern bedanken und die Finder können, sofern sie das wollen, Finderlohn geltend machen.“

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