Kirche der Zukunft: Gläubige denken über Gemeindeorganisation nach

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Um Hilfe bei ihren Aufgaben bat der Gemeinderat von Kierspe die Gläubigen in der Kirche St. Josef.

Kierspe - Wie soll die katholische Kirche in der Zukunft aussehen? Mit dieser Frage setzten sich die Kiersper Gemeindemitglieder am Wochenende ausführlich auseinander.

Unruhig wurde es am Sonntagmorgen in der katholischen Kirche St. Josef. Es war bereits nach 11 Uhr und Pastor Gregor Myrda war zum Gottesdienst immer noch nicht in die Kirche eingezogen. „Pastor Myrda und auch der Organist stehen im Stau auf der Volmestraße und kommen zehn Minuten später“, informierte kurz später Gemeinderatsvorsitzender Udo Jatzkowski die Sonntagsgemeinde.

"Gottesdienst der Zukunft"

Das war keine reale Situation, die diesen Sonntag ablief, doch so könnte es schon bald in der katholischen Kirche zugehen. „Gottesdienst der Zukunft“, unter diesem Motto gab es deshalb an diesem Wochenenden in allen Kiersper Messen Informationen über die Zukunft der katholischen Kirche.

Fragebogen ausgefüllt

In einem Fragebogen wurden die Gottesdienstbesucher gebeten anzugeben, warum sie in die Kirche gehen, was sie von der Gemeinde erwarten, was sie sich für die Zukunft wünschen und was sie meinen, warum andere Katholiken nicht kommen. Noch drastischer war der Blick in die Zukunft bei dem Telefon-Monolog, den Silke Groll spielerisch hielt. Sie brauchte alleine schon drei Minuten, um bei der Begrüßung am Telefon alle die Gemeinden zu nennen, die nun in einer Pfarrei vereinigt waren.

Georg Seidel gab der Gemeinde einen Ausblick auf die personelle und finanzielle Situation im Jahr 2030.

„Die Zahl der aktiven Priester wird bis zum Jahr 2030 auf 114 zurückgehen, 2013 waren es noch 279 Priester. Aber auch die Altersstruktur sollte uns zum Nachdenken anregen. 2019 werden wir im Bistum Essen nur noch 150 Priester unter 65 Jahren haben, im Jahr 2030 sind es dann nur noch 40“, so Georg Seidel, der die Zukunft der katholischen Kirche aufzeigte. „Aber nicht nur die Anzahl der Priester schrumpft, auch die Gläubigen werden weniger. 1990 gab es noch 1 156 000 Katholiken im Bistum Essen, 2030 wird mit 653 000 Katholiken gerechnet.“

Finanzielle Situation nicht rosig

Auch die finanzielle Situation des Bistums sei nicht rosig. In der Finanzkrise vor zehn Jahren seien die Rücklagen des Bistums aufgebraucht worden und es mussten Kredite aufgenommen werden. Derzeit habe das Bistum Essen wieder Rücklagen gebildet, die es in der Zukunft brauchen werde.

"Heute gemeinsam entscheiden, bevor andere in der Zukunft über uns entscheiden“

Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck macht sich jetzt schon Gedanken, um die Kirche der Zukunft und stellt die Frage an alle Katholiken: „Wie soll unsere Kirche morgen aussehen, da wir heute ahnen, dass sie nicht bleiben kann, wie wir sie gewohnt sind?“ Ganz pragmatisch sieht er Handlungsbedarf und gibt den Gemeinden mit auf den Weg: „Lassen Sie uns heute gemeinsam entscheiden, bevor andere in der Zukunft über uns entscheiden.“

Schon mehr als 150 Antwortkarten

Da der Gemeinderat in Kierspe lieber selbst entscheiden möchte, wie es mit der Gemeinde weiter gehen wird, hatte er zu dem Gottesdienst der Zukunft eingeladen. Der Fragebogen soll helfen, die Verantwortlichen in der Gemeinde sensibel zu machen für die Bedürfnisse der Gläubigen in Kierspe. Nach seiner Auswertung der schon jetzt mehr als 150 Antwortkarten lädt der Gemeinderat für Donnerstag, 21. Mai, ab 19.30 Uhr in das Gemeindehaus St. Josef ein, um über die von der Gemeinde gemachten Vorschläge zu diskutieren. „So kann die Gemeinde erhalten werden als ein Ort, an dem der Glaube erfahrbar ist, bei der Lebendigkeit und Vielfalt spürbar sind und deren Ausstrahlung auf andere Gottes Kraft erfahrbar macht“, schloss Georg Seidel.

Fragebogen steht auf der Homepage

Weitere Informationen zur Personalentwicklung, der Finanzierung der Pfarreien und auch der am Sonntag ausgeteilte Fragebogen sind zu finden auf der Homepage der Gemeinde unter www.katholische-kirche-kierspe.de. - geg

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