Neustart in den Regelbetrieb

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In der Kindertagesstätte Kunterbunt in Kierspe startet – wie überall im Land – in der kommenden Woche wieder der Regelbetrieb. Dann dürfen sich die Kinder wieder im gesamten Gebäude frei bewegen. Derzeit werden sie vor allem im Gruppenraum betreut.

Kierspe – Mama oder Papa stundenlang nicht zu sehen, ist für viele Kinder eine nicht leichte Aufgabe. Um so schöner, wenn ein Elternteil mit in den Kindergarten kann und damit zumindest in Sichtweite des eigenen Kindes. So soll das auch in Zeiten der Corona-Pandemie sein und bleiben.

„Wir haben neun neue Kinder aufgenommen und sind damit ausgebucht“, erzählt Heike Fischer, Leiterin der Kindertagesstätte Kunterbunt am Büscherweg in Kierspe. Den Eltern dieser Kinder wird auch erlaubt, die Kleinen für ein bis zwei Stunden zu begleiten, zumindest einem Elternteil – und auch nur mit Mund-Nasenschutz, der während des gesamten Besuchs getragen werden muss. Den Eltern der Kinder, die die Einrichtung schon länger besuchen, bleibt der Zutritt auch in Zukunft verwehrt.

Mit einem sogenannten eingeschränkten Betrieb haben die Tageseinrichtungen bereits deutlich vor den Ferien einen Neustart hingelegt, der damals mit viel Aufmerksamkeit beobachtet wurde. In der kommenden Woche nun soll der Regelbetrieb wieder starten.

Rückblick: Ganz am Anfang der Pandemie wurden die Kindergärten geschlossen und standen kurz darauf nur den Eltern zur Verfügung, deren Arbeit in einem sogenannten systemrelevanten Beruf eine Kinderbetreuung im eigenen Haushalt verhinderte. Später gab es dann den eingeschränkten Regelbetrieb, der neben kürzeren Betreuungszeiten vor allem eine Trennung der Kinder vorsah. Für die Tageseinrichtung Kunterbunt bedeutete das, dass man von dem teiloffenen Konzept des Hauses abweichen musste. Üblicherweise haben die Kinder dort ihren festen Gruppenraum, durften sich aber ansonsten frei im Gebäude bewegen. Das war dann nicht mehr möglich – auch die Nutzung des Sportraums erforderte viel Planung, da nach jeder Nutzung eine komplette Desinfektion erfolgen musste.

Ab der kommenden Woche werden die Kinder nun wieder im gewohnten Umfang betreut und dürfen sich auch frei im Gebäude bewegen. Lediglich das Frühstücksbüfett wird es noch nicht wieder geben. Fischer: „Da werden auch weiter die Erzieherinnen die Brote schmieren und das Obst schneiden. Das haben wir früher natürlich gemeinsam mit den Kindern gemacht.“

Auch zukünftig werden Desinfektionsmittel eine größere Rolle spielen, um Tische und Stühle nach dem Kindergartentag zu reinigen. „Die Kinder selbst waschen beim Betreten der Einrichtung ihre Hände, eine Desinfektion erfolgt nicht, das würde die empfindliche Haut der Kinder zu sehr schädigen“, erklärt Fischer.

All das verlangt natürlich einen größeren Aufwand. Darauf hat der Staat reagiert und bietet den Einrichtungen Geld an, mit denen sie diese „Alltagspfleger“ bezahlen können, die beim Erledigen der zusätzlichen Arbeit helfen – erst einmal befristet bis Ende dieses Jahres. Darauf möchte man möglichst in der Kindertagesstätte Kunterbunt verzichten, um nicht noch mehr Menschen ins Gebäude zu holen, stattdessen hofft man, mithilfe einer Praktikantin die Mehrarbeit erledigen zu können.

Hilfe annehmen will die Einrichtung aber auf jeden Fall beim Kauf von Handschuhen und Desinfektionsmitteln, denn diese Kosten belasten den Haushalt sehr. „Allerdings sehen wir, dass das Angebot schon wieder deutlich abnimmt“, so Fischer.

So richtig wohl fühlt sich die Leiterin mit den neuen Vorgaben des Landes nicht. „Ich hätte mir gewünscht, dass man erst Anfang September zu einem Regelbetrieb übergegangen wäre. Dann hätten wir nach der Urlaubszeit die Möglichkeit gehabt, zu schauen, wie sich die Rückkehrer auf die Infektionszahlen auswirken. Bei getrennten Gruppen hätte dann auch nicht gleich die ganze Einrichtung geschlossen werden müssen, wenn in einer der Gruppen eine Infektion festgestellt würde“, drückt Heike Fischer ihre Sorge aus.

Die Maßnahmen, die ansonsten noch ergriffen werden können, sind in einer solchen Einrichtung begrenzt. So tragen die Erzieherinnen zwar im Umgang mit den Eltern Mund-Nasenschutz, wenn der Abstand nicht gewahrt bleiben kann und es werden auch weiterhin zwei Eingänge für die beiden Gruppen benutzt – aber viel mehr geht dann auch nicht. Fischer: „Im Umgang mit den Kindern ist das Tragen einer Maske nicht möglich. Für die Kleinen ist die Mimik einfach zu wichtig. Und ohne Lächeln sind die Kinder schnell verunsichert.“

Helfen würde den Erzieherinnen eine regelmäßige Testung. Diese wurde auch von der Landesregierung versprochen. Vorgesehen war demnach, dass sich die Erzieherinnen und Erzieher in den geraden Wochen, Lehrerinnen und Lehrer in den ungeraden Wochen testen lassen sollen. „Wir finden aber in Kierspe keine Praxis, in der wir uns testen lassen können“, sagt Fischer.

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