Kinderfeuerwehr als neue Gruppe in der Feuerwehr

Die Mädchen und Jungen sind schon ganz gespannt darauf, wenn es endlich losgeht mit der neuen Kinderfeuerwehr. Es können noch weitere Kinder mitmachen. ▪

KIERSPE ▪ Welcher Junge hat nicht Spaß an den großen roten Wagen ausgestattet mit Blaulicht und Martinshorn? Aber auch auf so manches Mädchen üben Feuerwehrfahrzeuge einen gewissen Reiz aus.

Das zeigte sich jetzt, als die ersten Aspiranten für die neue Kinderfeuerwehr sagten, warum sie gerne mitmachen möchten. Die offizielle Gründung findet am Donnerstag, 12. Januar, um 16 Uhr im Ratssaal statt. Mit dabei sein werden neben der Feuerwehrführung und Bürgermeister Frank Emde natürlich viele Kinder zusammen mit ihren Eltern.

Stadtbrandmeister Georg Würth wird dann etwas zu den Hintergründen sagen und auch von Emde steht eine kurze Rede zu erwarten, doch danach dürfen die Mädchen und Jungen rausgehen, um sich die Feuerwehrautos der verschiedenen Einheiten und deren Ausrüstung einmal aus der Nähe anzusehen. Würth will die Löschzugführer bitten, jeweils mit einem Einsatzwagen zu kommen, so dass es einiges zu sehen gibt. Den Kleinen werden Schläuche, Strahlrohre, Pumpen, Atemschutz- und Funkgeräte sowie diverse Spezialausrüstung an Bord gezeigt. Und in die Autos klettern können sie ebenfalls.

Mit der Gründung der Kinderfeuerwehr als selbstständige Gruppe in der Feuerwehr Kierspe geht ein Traum des Stadtbrandmeisters in Erfüllung, den er schon seit rund zwei Jahren verfolgt. „Damals wurden erste Überlegungen in diese Richtung angestellt“, erzählt Würth. Die Idee brachte der in diesem Jahr verstorbene Wilhelm Sperling aus Hessen mit, wo es solche Gruppen bereits seit einem Jahrzehnt gibt. Unter anderem hat Würth sich eine Kinderfeuerwehr im Kreis Friedberg angesehen.

Der Feuerwehrchef erhofft sich von der Kinderfeuerwehr, dass auf diese Weise in Zukunft frühzeitig junge Menschen an die Wehr herangeführt werden und damit ein Beitrag zur Nachwuchsförderung geleistet wird. Doch weiß er, dass trotzdem längst nicht alle Kinder dauerhaft an die Feuerwehr gebunden werden können, sondern es eine stärkere Fluktuation geben wird. Denn in dem Alter sind die Mädchen und Jungen in der Orientierungsphase und probieren dies und jenes aus. Wo vielleicht erst allein die Feuerwehr zählt, kann es wenige Wochen später der Fußball oder das Musizieren auf einem Instrument sein. Würth betrachtet die Kinderfeuerwehr jedoch als gute Möglichkeit, Kinder durch Spiel und Spaß an den Brandschutz heranzuführen, sowie praktisch als erweiterte Form der Brandschutzerziehung.

Konkret wurde die Umsetzung erst in diesem Jahr, nachdem der Stadtbrandmeister mit dem Ehepaar Mike Söhl und Claudia Grau zwei Personen fand, die sich des Themas annehmen und die Leitung übernehmen wollen. „Unsere älteste Tochter ist in der Jugendfeuerwehr und auch die jüngeren wollten gerne mitmachen. Doch ist das erst ab einem Alter von zwölf Jahren möglich“, erklären sie dazu. Die Idee von Georg Würth, in Kierspe eine Kinderfeuerwehr zu gründen, gefiel beiden aus dem Grund sehr. Und sie konnten sich vorstellen, dabei federführend mitzuwirken. Klar war sofort, dass die eigenen Kinder sowie mehrere Nachbarskinder und Freunde dabei sein würden, so dass ein Stamm schon jetzt vor der offiziellen Gründung feststeht.

Im November fuhren Söhl und Grau nach Lüneburg zum Brandschutzforum des Deutschen Feuerwehrverbandes, wo es für die rund 400 Teilnehmer 25 Workshops zu verschiedenen Themen gab. Unter anderem ging es dabei um Berichte aus der praktischen Arbeit mit Kindern, um den Aufbau einer Kinderfeuerwehr sowie um die inhaltliche Gestaltung der Arbeit, was die beiden interessiert verfolgten. „Ein Thema war zudem Brandschutzerziehung für Migranten“, erinnern sie sich und machen deutlich, dass dies angesichts des hohen Bevölkerungsanteils von Menschen aus anderen Teilen der Welt natürlich Relevanz auch für Kierspe habe.

Klar, dass es losgehen kann, war aber erst, nachdem auch die Versicherungsfrage geklärt werden konnte: Denn laut Feuerwehrgesetz sind regulär erst Kinder ab einem Alter von zehn Jahren versichert und die Kiersper Kinderfeuerwehr wird ein Spektrum von sechs bis zwölf Jahren erfassen. Doch in Verhandlungen mit der Westfälischen Provinzialversicherung, die die Feuerwehr immer gerne unterstützt, konnte die neue Gruppe im Rahmen eines Pilotprojektes mittlerweile versichert werden, bis der Gesetzgeber diese Lücke geschlossen hat.

Würth hat Claudia Grau als Zugführerin ausgeguckt, sie wird diese Aufgabe als Fachberaterin wahrnehmen, will sich aber in Sachen Feuerwehr auch nach und nach fit machen. Unterstützt wird sie von ihrem Mann Mike, der selber Feuerwehrmann ist, sowie dem für den Bereich der Brandschutzerziehung zuständigen Michael Wern. Würth macht darauf aufmerksam, dass viele Kinderfeuerwehren von engagierten Eltern geleitet werden. Als Mutter von mehreren Kindern bringt Grau die nötige Erfahrung mit.

Das Domizil der Kinderfeuerwehr wird das Gerätehaus des Löschzuges Stadtmitte sein. Dort sollen die Gruppentreffen immer mittwochs um 17 Uhr stattfinden. Der erste reguläre Dienst ist am 25. Januar. Inhaltlich soll es dann um die Feuerwehr und ihre Aufgaben gehen. Weitere Themen sind Fahrzeuge und Geräte, Brandschutzerziehung und Unfallverhütungsvorschriften und dann Erste Hilfe. „Wir fangen ja ganz von vorn an“, erläutert Grau. Am Anfang müssten erst wichtige Grundlagen gelegt werden. Alle Themen würden spielerisch erarbeitet und seien altersgerecht aufgearbeitet. Es werde experimentiert, Bewegungselemente seien ebenfalls in die eineinhalbstündigen Treffen integriert und auch für Ausflüge gebe es bereits konkrete Planungen: So gehe es zu einem Kindermusical in die Balver Höhle. Zudem werde es Besuche auf dem Bauernhof, bei der Polizei, in der Feuerwehrleitstelle in Lüdenscheid oder auf der Rettungswache in Meinerzhagen geben, so die Ideen. Auch die Teilnahme am Stadtfest steht fest.

Die Kinder, die schon jetzt entschlossen sind mitzumachen, zeigen sich ganz Feuer und Flamme: Aileene (9) begrüßt die Fahrten und Ausflüge und, dass insgesamt viel unternommen wird. Auch einen 24-Stunden-Dienst wie ihn ihr Bruder Justin einmal bei der Jugendfeuerwehr gemacht hat, findet sie toll. „Ich freue mich auf die Kinderfeuerwehr“, sagt die sechsjährige Emely. In bleibender Erinnerung geblieben ist Jamie (6) die Fahrt mit einem Feuerwehrauto. Mathes (9) ist dabei, weil er glaubt, dass die Kinderfeuerwehr ihm „bestimmt Spaß macht“. Ansonsten weiß er nur, dass Feuerwehrmänner Brände löschen und zeigt sich gespannt, was sie sonst noch so machen. Sarina (11) stammt selbst aus einer Feuerwehrfamilie und blickt der Gründung schon aufgeregt entgegen. Sie hat sogar bereits mal mit einem Feuerwehrschlauch zu löschen versucht. Hendriks (12) Interesse gilt unter anderem den Feuerwehrautos und Malinas (7) genauso.

Bei Fragen zur Kinderfeuerwehr helfen Mike Söhl und Claudia Grau unter Telefon (0 23 59) 29 76 37 gerne weiter. ▪ Rolf Haase

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