Kinder schnuppern beim Stöbertage in Betriebe rein

+
Die gelben Kappen sind das Markenzeichen der Stöberkinder. ▪

KIERSPE ▪ Was genau macht Papi eigentlich, nachdem er morgens in aller Frühe das Haus verlassen hat? Was passiert eigentlich hinter den Kulissen der Firmen, an denen täglich der Schulweg vorbeiführt? Und überhaupt: Was treiben Erwachsene eigentlich, wenn sie arbeiten gehen? Auf diese Fragen soll der Stöbertag, der in diesem Jahr bereits zum elften Mal in der Stadt stattfindet, Kindern eine Antwort geben.

Am Dienstag durften wieder die vierten Klassen der heimischen Grundschulen einen ganzen Tag lang in Betriebe aller Art hineinschnuppern. Insgesamt begaben sich so um die 170 Kinder auf eine Entdeckungsreise in die Welt der Erwachsenen. Organisiert wird die Veranstaltung von der Stadt, dem Jugendzentrum und der Jugendarbeit des Märkischen Kreises.

Die Schüler kamen mit gemischten Gefühlen an diesem Morgen im Gemeindezentrum Felderhof an. Die meisten freuten sich zwar auf den Stöbertag, noch wusste aber keiner, welchen Betrieb er näher kennenlernen würde. Vor den Osterferien konnten sie aus einer Liste vier Unternehmen wählen.

Zunächst teilten Christian Schwanke und Susanne Sattler vom Jugendzentrum die Schüler des Pädagogikkurses der elften Klasse der Gesamtschule auf die einzelnen Gruppen auf, die aus jeweils zwei bis zwölf Teilnehmern bestanden. Die Jugendlichen sollten an diesem Tag ein Auge auf die Viertklässler haben.

Dann verkündete Christian Schwanke, wer in welches Unternehmen hineinschnuppern darf. Auch wenn es dabei das ein oder andere enttäuschte Gesicht gab, wusste Schwanke aus Erfahrung zu berichten: „Wenn die einmal in dem Betrieb sind, sind sie auch begeistert.“

Auch der Jugendzentrumsmitarbeiter ist begeistert, und zwar von der Resonanz bei den heimischen Unternehmen auf den Stöbertag. 80 Betriebe machten in diesem Jahr mit, viele sind „Wiederholungstäter“ und unterstützen das Projekt nicht zum ersten Mal.

Justin, Schüler der Bismarckschule, und Tim, der die Schanhollenschule besucht, dürfen an diesem Tag die Welt des Journalismus erforschen. Die beiden Zehnjährigen dürfen die anderen Stöberkinder besuchen, Fragen stellen und einer Journalistin bei der Arbeit über die Schulter schauen.

Zunächst geht es zu GWK, einem Unternehmen, das auf Wärme- und Kältetechnik spezialisiert ist. Mirjam Kaufmann, Elektronikerin und Ausbilderin, erklärte, dass die Schüler bei einer Führung vor allem sehen sollen, wie viele verschiedene Berufe in der Firma vertreten sind. Vom Industriemechaniker, dem Lagerlogistiker, dem Energieanlagenelektroniker, dem Mechatroniker bis hin zum Lackierer arbeiten hier Menschen in den verschiedensten Bereichen. Martin Kaufmann, der seit April in Rente ist, aber zuvor jahrelang bei GWK tätig war, stellt den Viertklässlern den Betrieb mit um die 360 Mitarbeitern genauer vor. Vor allem Justin, der wie sein Vater einmal Schlosser bei Fuchs werden möchte, interessiert sich sehr für die Ausführungen des Rentners.

Doch schon bald geht es weiter zur Tierarztpraxis von Christian Klaus. Viele Kinder wollten dem Tiermediziner einmal über die Schulter schauen, aber nur Lea und Phillip haben es geschafft. Laut Klaus sei heute etwas weniger los, aber die beiden Schüler waren schon bei der Behandlung eines Hundes und eines Kaninchens dabei. Zu dem Zeitpunkt warteten sie gerade darauf, dass die wilde Katze, die sterilisiert wurde, aus ihrer Narkose erwachte. Auch die Betreuerin Xanthoula genießt es, Einblicke in den Arbeitsalltag eines Tierarztes zu bekommen und ist sichtlich begeistert.

Während die Katze so langsam das Bewusstsein wieder erlangt, geht es zu Rewe XL. Dort durften Lea und Lucas einen Vormittag lang hinter die Kulissen des Supermarktes blicken. Sie durften kassieren, Brot backen oder dem Metzger bei der Zubereitung von Mett über die Schulter schauen.

Andere Kinder durften an diesem Vormittag in einer Eisdiele aushelfen, beim Autohaus Kunden beraten, in der Fahrschule Fragebögen ausfüllen, in die Arbeit eines Frisörs hineinschnuppern oder schauen, wie die Feuerwehr so arbeitet. Nach knapp zwei Stunden war der erste Teil des Stöbertags zum Bedauern der meisten schon wieder vorbei. In der Mensa der Gesamtschule nahmen die Viertklässler dann zur Stärkung erst einmal ein Mittagessen zu sich. Doch die meisten waren mit den Gedanken schon ganz woanders. Am Nachmittag ging das Hineinschnuppern in die Arbeitswelt nämlich weiter und alle waren sehr gespannt, wo sie diesmal landen würden.

Nicht nur die Kinder zogen am Ende ein positives Fazit und waren begeistert vom Stöbertag. Auch Mitorganisator Christian Schwanke zeigte sich zufrieden. Noch nie habe es größere Probleme mit den Schülern bei dem Projekt gegeben. Doch der enorme organisatorische Aufwand, der hinter dem Stöbertag steckt, sei nicht zu unterschätzen. Trotz aller Freude, die ihm dieser Tag bereitet, sei er froh, wenn er wieder vorbei ist, musste er schmunzelnd zugeben. ▪ von Andrea Mackenbruck

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare