Gerade einmal 19 Euro Heizkosten pro Monat

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Die Kontrollzentrale ist klein, leicht zu bedienen und befindet sich im Wohnbereich.

Kierspe - Wenn es draußen friert, die Schneeberge sich türmen und keine Wetteränderung in Sicht ist, denken viele Hausbesitzer mit Sorge an ihre Heizkostenrechnung. Nicht so Frank Böttger. Der Architekt aus Kierspe hat einen Weg gefunden, mit dem die Heizkosten keine relevante Rolle mehr spielen. Böttger hat sich ein Passivhaus gebaut – das einzige in Kierspe und eines von ganz wenigen in der Region.

Von Johannes Becker

Der alte Bagger steht noch im Garten. Mit diesem hat Frank Böttger die ersten Arbeiten für sein neues Haus selbst erledigt. Wie leicht behaupten Menschen „ich habe gebaut“, auch wenn sie tatsächlich den größten Teil der Arbeit „lediglich“ bezahlt haben. Bei Böttger ist das anders. Kein Stein, den er nicht selbst angefasst, keine Fliese, die er nicht selbst geklebt und keine Tür, die er nicht selbst eingehängt hat. „Lediglich die Verdrahtung in der Unterverteilung hat ein Elektromeister vorgenommen, das ist gesetzlich vorgeschrieben“, erklärt Böttger. Das Können für all diese Arbeiten hat der Architekt auch im eigenen Unternehmen, das er vom Vater 1999 übernommen hatte, erworben.

Doch gebaut hat er kein konventionelles Haus, sondern das einzige Passivhaus Kierspes. Qualifiziert ist er auch dafür allemal, darf er sich doch seit drei Jahren als zertifizierten Passivhausplaner bezeichnen.

In seinem Haus in Beckinghausen finden sich keine Heizkörper, stattdessen wird das komplette Gebäude mit einer Lüftungsanlage versorgt. Die Frischluft, die durch diese Anlage strömt, wird in einem Wärmetauscher auf die Temperatur gebracht, die notwendig ist, in dem Gebäude für ein angenehmes Raumklima zu sorgen. Gewonnen wird die Wärme für den Tauscher mit einer Solaranlage auf dem Dach und einem Kaminofen im Wohnzimmer. „Wir haben uns für diesen Weg entschieden, man kann aber auch Gas oder Pellets als Energieträger nutzen“, so Böttger. Durch die massive Dämmung, die Dreifachverglasung und das Lüftungssystem betragen die Heizkosten pro Monat gerade einmal 19 Euro in dem Haus von Böttger. Natürlich hat ein solches Haus auch seinen Preis, nach Angaben des Architekten kostet es rund zehn bis 15 Prozent mehr als ein konventionelles Gebäude. Böttger: „Selbst wenn man die Energiekostensteigerung außer acht lässt, haben sich die Mehrkosten nach zehn Jahren amortisiert.“

Doch warum werden nicht viel mehr Häuser in dieser Bauweise errichtet, wenn die Einsparungen so hoch und die Kosten so gering sind? Seit 1990, als die erste Passivhaussiedlung in Darmstadt errichtet wurde, sind weltweit gerade einmal 10 000 Häuser gebaut worden, die diesem Standard entsprechen. Die meisten Vorbehalte gebe es, weil ein Öffnen der Fenster von Herbst bis Frühjahr möglichst unterbleiben solle, erklärt Böttger. Da nütze es auch nichts, den Menschen zu sagen, dass stündlich ein Drittel der gesamten Luft im Haus ausgetauscht werde. „Für viele ist eben nur das frische Luft, was durchs offene Fenster kommt“, so der Architekt. Doch er will sich davon nicht entmutigen lassen. Derzeit baut er sein zweites Passivhaus – diesmal im Kundenauftrag. Allerdings nicht in Kierspe, sondern in Gummersbach. Menschen, die sich für das Passivhaus interessieren, will er seins im Rahmen der Passivhaustage am Wochenende öffnen.

Weitere Informationen zu den Passivhaustagen finden sich unter www.passivhausprojekte.de im Internet. Das Gebäude von Frank Böttger, Beckinghausen 25, steht am Freitag, 7. November, von 14 bis 17 Uhr, am Samstag und Sonntag, 8. und 9. November, von 11 bis 17 Uhr zur Besichtigung offen. Dann steht der Architekt und Bauherr für Gespräche bereit.

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