Nach 26 Jahren im Rat zieht sich Jürgen Tofote zurück

„Man muss auch loslassen können“

Jürgen Tofote - CDU Kierspe - Vorstand vor 21 Jahren
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Die Spitze der Kiersper CDU vor mehr als 21 Jahren: Jürgen Tofote, Marie-Luise Linde und Klaus Krämer (von links).

„Man muss auch loslassen können“, sagt Jürgen Tofote, der sich seit etwa zwei Jahren darauf vorbereitet hat, sich aus der aktiven Politik zurückzuziehen. Aus diesem Grund tauchte der Christdemokrat auch nicht mehr bei den Kandidaten der Kiersper CDU für die Kommunalwahl im September auf.

Er wird auch nicht mehr beispielsweise als sachkundiger Bürger zur Verfügung stehen, wenn es um die Besetzung der Ausschüsse geht. Ich habe am Anfang nie gedacht, dass es so lange dauert“, sagt Jürgen Tofote. „Ich glaube, dass mir nichts fehlen wird, weil ich mich lange darauf vorbereitet habe.“ Auf der einen Seite bekennt der langjährige Ratsherr und Fraktionsvorsitzende der CDU, dass „die Luft ein wenig raus“ sei. „Nun müssen neue, junge Leute nachrücken!“

Andererseits habe die Arbeit in der Kommunalpolitik seinen Horizont erweitert und es habe ihm Spaß gemacht. Nicht zuletzt, weil er den Menschen helfen kann – wie als Polizist und insbesondere als Bezirksdienstbeamter, welcher der Kiersper in Wipperfürth war. „Ich habe mich immer als Schutzmann gesehen, der Menschen hilft“, beschreibt der heute 73-jährige verheiratete Vater von zwei Söhnen, dass dies nicht nur für seinen Beruf galt.

Die Kandidaten der CDU für die Kommunalwahl 1999 mit ihrem späteren Fraktionsvorsitzenden Jürgen Tofote (4. von links).

Er erinnert sich aber ebenso daran, dass Ernüchterung seiner anfänglichen Euphorie, jetzt etwas „für meine Stadt bewegen zu können“, folgte. Schnell musste Tofote erkennen, dass es gerade in der Kommunalpolitik viele Sachzwänge wie Vorgaben, rechtliche Einwirkungen durch Aufsichtsbehörden, Haushaltslage und Finanzzwänge gab. „In meiner ersten Haushaltsrede im Jahr 1999 habe ich den Artikel 28 des Grundgesetzes der BRD zitiert. Zu lesen ist dort etwas über das Selbstverwaltungsrecht der Kommunen und das Konnexitätsprinzip. Das bedeutet Aufgabenzuweisung von Bund und Land an die Kommunen ohne deren ausreichende Finanzausstattung“, erinnert sich der Christdemokrat, dass sich diese Aussagen wie ein roter Faden in all seinen Haushaltsreden wieder gefunden hätten.

Nach fast 30 Jahren in der Kommunalpolitik und 26 Jahren als Ratsmitglied zieht Jürgen Tofote ein positives Fazit: „Es war eine schöne Zeit und eine gute Sache!“ Zu diesen „guten Sachen“ zählt er nicht nur die Wahl von Jochen Timpe zum ersten hauptamtlichen Bürgermeister von Kierspe, sondern auch die von Frank Emde, der als Kämmerer und Beigeordneter vor 16 Jahren zum Nachfolger von Timpe gewählt wurde – mit Unterstützung der CDU sowie von UWG und FDP. Er sei parteilos gewesen, genau wie heute Emdes Nachfolger Olaf Stelse – aber das sei kein Problem. Im Gegenteil, es sei, wie sich herausstellte, eine gute Wahl gewesen, Frank Emde habe das Amt des Bürgermeisters „hervorragend geführt“.

Hat viele Reden im Rat und im Stadtverband gehalten: Jürgen Tofote.

Nachdem Olaf Stelse vor zehn Jahren zum Kämmerer und Beigeordneten, als Nachfolger von Martin Gebhardt gewählt worden war, wertete Tofote seine Wiederwahl vor zwei Jahren als gutes Zeichen. „Außerdem hat sich gezeigt, dass die Aufstellung parteiloser Kandidaten manchmal eine gute Entscheidung ist.“

Kommunalpolitik für gesamte Stadt

Unter dem Grundsatz, dass man Kommunalpolitik für die gesamte Stadt und nicht nur für seine Straße oder Wahlbezirk machen sollte, hält der scheidende CDU-Fraktionsvorsitzende parteiübergreifende Zusammenarbeit für sinnvoll. Denn: Kommunalpolitik bedeute, Mehrheiten zu schaffen und Kompromisse zu suchen und zu finden. Als Beispiel nennt Tofote dafür die interkommunalen Gewerbeflächen in Meinerzhagen und die damit verbundene Schaffung von Gewerbeflächen in Kiersperhagen. Er erinnert sich an die Gespräche der Kiersper Delegation (Verwaltungsangehörige und Ratsmitglieder verschiedener Couleur) beim Regierungspräsidenten Kuschke in Arnsberg.

Nicht nur dies wertet Jürgen Tofote als herausragendes Ereignis in seinem politischen Wirken. Dazu zählen ebenfalls die Gründungen der städtischen Gesellschaften (GmbH) – Stadtwerke, Bäderbetrieb, GGE, Kiga, interkommunales Gewerbegebiet Grünewald – , die Schaffung des Fachmarktzentrums Wildenkuhlen, die Entwicklung des Einzelhandelskonzepts sowie die der Wohnbauflächen Östlich Rathaus, Westlich Höferhof, Vor dem Isern und Meienborn. Das Dorfinnenentwicklungskonzept für Rönsahl hat beim Christdemokraten ebenso einen hohen Stellenwert wie die Schaffung des ZOB am Bahnhof, wodurch die Gefahr des Umsteigens am Tannenbaum gebannt worden sei.

Und aus der herunter gekommenen und mit Altlasten verseuchten Fläche wurde mit Mitteln aus der Regionale 2013 der Volme-Freizeitpark geschaffen. Jürgen Tofote hält die Teilnahme an den Regionale- und den Leaderprogrammen für richtig, ebenso die Zusammenarbeit der Kommunen Oben an der Volme. Und die letzten großen Projekte sind für den Fraktionschef der Bau des Feuerwehrgerätehauses an zentraler Stelle in Kierspe – „Das Gebäude ist ein Ausdruck der Wertschätzung für unsere Freiwillige Feuerwehr“ – und die (laufende) Umgestaltung des Gesamtschulforums.

Der Kontakt zum Landtagsabgeordneten Bernd Schulte (links) gehörte auch zu den Aufgaben des Vorsitzenden Klaus Krämer und des Fraktionschefs Jürgen Tofote.

Natürlich müsse man, so Tofote, aus Gründen der Fairness auch sagen, dass es in den letzten Jahren der nun endenden Legislaturperiode „erhebliche Zuschüsse des Landes zur Unterstützung finanzschwacher Kommunen“ gegeben habe. Als Beispiele nennt er „Gute Schule 2020“ und das Kommunalinvestitionsfördergesetz.

Sterben der Kastanien-Allee

In Erinnerung geblieben ist dem CDU-Ratsherrn auch das „Sterben der Kastanien-Allee“ nach Isenburg, zu dem es viel Diskussionen, Ortstermine und Streitgespräche gegeben habe und die CDU als Kettensägen-Fraktion betitelt wurde. „Wir haben uns eine Menge anhören müssen!“ Doch Bäume seien aber krank gewesen und mussten gefällt werden. Dafür seien aber dann robustere Winterlinden gepflanzt worden, davon könne sich jeder selbst überzeugen. Nicht zuletzt auch dank der Neuanpflanzung sei der Streit längst vergessen.

Am 27. Oktober trat Jürgen Tofote zum letzten Mal seinen Weg als Ratsherr zu einer Sitzung an. Wenn er am 3. November der ersten Sitzung des neuen Stadtrats beiwohnt, dann nur um verabschiedet zu werden und die Ehrengabe zu erhalten.

Seit 26 Jahren im Rat

Vor 29 Jahren wurde Jürgen Tofote Mitglied der CDU in Kierspe und auch gleich als sachkundiger Bürger aktiv. Bei der Kommunalwahl 1994 trat er als Kandidat (im Dorf) erstmalig an und wurde als Direktkandidat in den Stadtrat gewählt. Bis Ende Oktober gehörte Tofote dem Rat an. Zudem wurde er 1999 zum Nachfolger von Hans-Kurt Wirth und Fraktionsvorsitzenden gewählt. Auch dieses Amt bekleidete er bis zum Ende der abgelaufenen Legislaturperiode.

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