Nadine Wieland hart am Wind mit Kurs auf WM

Die Kiersperin auf ihrer Position auf dem Hobie 16-Katamaran an Fock- und Großschot – allerdings bei einem eher lauen Lüftchen.

KIERSPE - Nadine Wieland bereitet sich gerade intensiv auf die Hobie 16-World-Championships vor. Schon Ende dieses Monats reist die 27-jährige Kiersperin, die auf dem Katamaran als Vorschoterin fährt, zusammen mit Teamkollegen Willy Trautmann am Ruder für Deutschland nach Australien.

Von Rolf Haase

Sie trainiert zurzeit mindestens dreimal wöchentlich im Fitnessstudio und war vor einigen Tagen wieder für zwei Wochen im südfranzösischen Toulon segeln.

Die Kiersperin segelt bereits, seitdem sie Kind war: „Ich habe mit sechs an der Bigge auf dem Optimisten angefangen. Segeln hat mit von Anfang an riesig viel Spaß gemacht und so bin ich natürlich mit Unterstützung meiner Eltern drangeblieben“, berichtet sie. Zuerst seien es immer Vereinsboote gewesen, auch noch, als sie im Altern von zwölf Jahren dann auf die nächst größere Klasse, den Teeny, umstieg. Damals nahm sie bereits an Deutschen Meisterschaften und anderen nationalen Regatten teil. Mit 14 stieg sie auf den 420er um. Ihre Eltern kauften ihr dann auch ihre erste eigene Jolle.

Mit dem Segelsport war jedoch 2008 erst einmal Schluss, als sie mit 16 ein Jahr lang für ein schulisches Auslandsjahr nach Bolivien ging. Daran änderte sich ebenfalls nicht allzu viel, als sie anschließend ihr Abi machte und Ethnologie zu studieren begann.

Doch nachdem sie ihre Hochschulausbildung jetzt weitgehend abgeschlossen hat und nur noch die Masterarbeit schreiben muss, beschloss Nadine Wieland, sich wieder stärker dem Segeln zu widmen. „Über meinen Mitbewohner in der WG in Kiel bekam ich Kontakt zu dem Australier Chris Hancock, der den Winter immer in seiner Heimat verbringt, um zu jobben, beispielsweise in einer Mine, und im Sommer dann in Deutschland segelt. Wir haben es miteinander probiert und es funktionierte.“ Mit Hancock trat sie bei der Kieler Woche 2013 an und bei der Super Sail mit Wettbewerben in Grömitz, Kellenhusen, Scharbeutz und dem Finale auf Sylt. „Bei der Super Sail erreichten wir mit unseren zwei Teams im Gesamtklassement einen 4. Platz“, sagt die Kiersperin.

Ein anderer Sportkollege ist Stefan Vogel, mit dem sie die Weltmeisterschaft auf dem 18 Fuß langen Hobie Wild Cat in Travemünde segelte und dort den 7. Platz belegte. Außerdem absolvierte sie noch eine Regatta in Glücksburg, auch hier verbuchte sie einen 7. Platz. Ihr Partner war dabei nun jedoch schon Willy Trautmann, mit dem sie im Oktober dann zur Europameisterschaft auf dem Hobie 16 nach Gagliari auf Sardinien reiste. Dort erreichte sie zwar insgesamt nur einen 27. Platz. „Als wir es bei einer der Regatten, als der Wind abflaute, aber noch bis ins Ziel schafften und so auf den 10. Rang kamen, war ich mit Willy überglücklich“, erinnert sich die Kiersperin. Sie denkt gerne daran zurück, denn das Segeln vor der spektakulären Felsküste im Süden der italienischen Mittelmeerinsel bei subtropischen Temperaturen sei „klasse“ gewesen.

Dieser Sport liegt ihr einfach: „Wenn ich aufs Wasser gehe, fühle ich mich völlig frei, dann spielt alles andere, was mich sonst beschäftigt oder auch mal bedrückt, keine Rolle mehr“, erklärt die 27-jährige begeistert. Segeln sei nicht nur eine Kraftfrage, sondern der Wind bestimme alles. Es gehe letztlich um das richtige Gespür für Wind und Boot und darauf abgestellt Technik und Taktik. Als Vorschoterin obliegt ihr beim Katamaransegeln anders als auf Jollen neben der Fock- auch die Großschot. Zudem hängt sie praktisch ständig im Trapez und da ist persönliche Fitness natürlich enorm wichtig.

Wenn sie mit ihrem Teamkollegen jetzt auch bald in Australien ist, wagt sie doch kaum, von einem vorderen Platz zu träumen. „Aber auf einem der letzten Ränge wollen wir auch nicht landen“, wirft Nadine Wieland lächelnd ein. Insgesamt sind in Jervis Bay, südlich von Sydney, 368 Teams am Start. Der Veranstalter stellt sämtliche Boote, die komplett identisch ausgestattet sind. Ein kleines Sightseeing-Programm hat sie natürlich eingeplant. Die Reise musste sie sich selbst finanzieren, wofür sie in den vergangenen Monaten eifrig gejobbt hat.

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