Janina Remmert ist Fachkraft für tiergestützte Intervention

Tiere haben positiven Einfluss auf Menschen

Tiergestützte Intervention - Janina Remmert
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Maggie jagt im Garten dem Ball hinterher, den Janina Remmert, Fachkraft für tiergestützte Intervention, zuvor geworfen hat.

Janina Remmert mag Tiere. Fast alle. Und sie ist davon überzeugt, dass Tiere einen positiven Einfluss auf Menschen haben. Ebenfalls fast alle.

Kierspe - Und so lebt sie in ihrer Wohnung nicht nur mit Partner und Kind, sondern außerdem mit ihrer Golden Retrieverhündin Maggie und zwei handtellergroßen Achatschnecken, die auch schon ihren Einsatz hatten. Denn Janina Remmert ist Fachkraft für tiergestützte Intervention. Damit kann die Lüdenscheiderin ihre Begeisterung für Tiere mit ihrem Beruf als Heilerziehungspflegerin ideal miteinander verbinden.

Die 31-Jährige bekam Maggie als acht Wochen alten Welpen und nahm sie schon früh mit zur Arbeit. Eine gemeinsame Ausbildung zum Therapiebegleithundeteam schloss sich an, als Maggie das nötige Alter hatte. Zur Zeit ist ihre Besitzerin allerdings in Elternzeit. Und so gerne die Hündin auch mit Menschen zusammen ist, für den sechs Monate alten Lio interessiert sie sich im Moment noch nicht besonders.

Auch Hunde machen Unterschiede

Auch Hunde machen Unterschiede zwischen Menschen, stellt Remmert klar. So könne es durchaus passieren, dass ein Klient den Hund unbedingt streicheln will, der sich aber zurückzieht, weil ihm so viel Nähe unangenehm ist. Eine unschöne, trotzdem wertvolle Erfahrung, denn psychisch instabile oder distanzlose Menschen können durch diese Zurückweisung für den Umgang mit anderen Menschen lernen.

In der pädagogischen und psychotherapeutischen Arbeit fungiere das Tier als Medium, erklärt Remmert. Die Achatschnecken hätten beispielsweise eine entschleunigende Wirkung. „Sie sind kühl, wenig glitschig und haben nichts Empathisches.“ Vor allem sind sie langsam und deshalb könne man sie bei der Arbeit mit ADHS-Kindern einsetzen – sofern die sich darauf einlassen. Janina Remmert berichtet von einem Kindergartenbesuch mit den Schnecken. Als es am Ende darum ging, die Tiere anzufassen, weigerten sich sämtliche Erzieherinnen und viele Kinder.

Die beiden sind ein Team: Janina Remmert und ihre Golden Retrieverhündin Maggie.

Die Klienten müssen einen Bezug zu Tieren haben, das ist Voraussetzung für tiergestützte Intervention. Im Awo-Seniorenzentrum in Kierspe sei das kein Problem gewesen. Janina Remmert und Maggie besuchten dort eine Gruppe, deren Mitglieder vorab ausgewählt worden waren. Mehr als sechs durften es nicht sein, mehr hätten Maggie überfordert. Und alle anderen Hausbewohner bekamen den Hund erst gar nicht zu Gesicht. Bettlägrige Patienten wurden im Zimmer besucht und manchmal legte sich Maggie auch zu den betagten Hundeliebhabern ins Bett. Für die alten Menschen sei das ein emotionaler Höhepunkt, den Hund strenge es aber an, über längere Zeit ruhig zu liegen. 20 Minuten dauere so eine Einheit, dann verabschieden sich Maggie und Remmert wieder.

Alpakas, Hängebauchschweine, Katzen – viele Tiere von sanfter Gemütsart werden mittlerweile zu therapeutischen Zwecken verwandt. Auch die inzwischen fünfjährige Maggie hatte den Wesenstest mit guten Noten bestanden. Unumstritten ist der Einsatz von Tieren trotzdem nicht, manche Tierfreunde sehen darin eine Form des Missbrauchs. Zudem ist die Bezeichnung „Therapiehund“ nicht gesetzlich geschützt, im Gegensatz zu Assistenzhunden. Im rechtsfreien Raum findet Therapie mit Tieren trotzdem nicht statt, das Wohlbefinden der Tiere hat hohe Priorität. Auch Heilerziehungspflegerin Remmert hat ihre Therapieform beim zuständigen Veterinäramt angemeldet und ihr Konzept vorgelegt.

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