„Wir können doch nicht einfach wegschauen“

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Die Geschwister Esercam, Günel und Erkan Celik wollen gemeinsam mit dem Kiersper Rechtsanwalt Bodo Schäfer einen Verein gründen, der unter anderem Hilfe für die Flüchtlinge aus dem Nordirak ermöglichen soll.

Kierspe - Das Schicksal der Menschen, die im Nordirak von der Terrororganisation Islamischer Staat ermordet und vertrieben werden, beherrscht derzeit die Nachrichten. Einer jesidischen Familie geht das Schicksal der Menschen so zu Herzen, dass sie gemeinsam mit einem Kiersper Rechtsanwalt einen Verein gründen möchten, um Spenden zu sammeln, mit denen den Flüchtlingen das Überleben ermöglicht werden soll.

Von Johannes Becker

„Wir können doch nicht einfach wegschauen, bei dem, was derzeit im Nordirak geschieht. Die Menschen sind in entsetzlicher Not und wir sehen es als unsere Aufgabe, zu helfen“, erklärt Günel Celik, die bei diesem Vorhaben von ihren Brüdern unterstützt wird.

Nichts unterscheidet formal den Weg von Gülem, Esercam und Erkan Celik von dem anderer junger Erwachsener in Kierspe. Sie wurden in Lüdenscheid geboren, legten ihr Abitur an der Gesamtschule beziehungsweise am Gymnasium in Meinerzhagen ab und studieren heute Jura beziehungsweise Medizin.

Doch ihre Geschichte unterscheidet die drei jungen Menschen von anderen Kierspern. Ihre Mutter musste als junge Frau ihr Heimatdorf Kiwex im Kurdengebiet der Osttürkei verlassen, weil ihr als Jesidin die Zwangsislamisierung drohte. In einem Flüchtlingslager in Bayern lernte sie ihren Mann kennen, mit dem sie nach Kierspe zog.

Ihren Glauben (Infokasten) hat die Familie nie aufgegeben – und auch nicht die Verbindung zu anderen Jesiden. Heute, wo keine Verfolgung der Jesiden und Kurden in der Türkei mehr stattfindet, haben auch die Kinder das verlassene Dorf ihrer Mutter besucht und sich auf die Suche nach den eigenen Wurzeln begeben.

Jetzt, da ein Völkermord in dem Hauptsiedlungsgebiet der Jesiden im Nordirak droht und viele Menschen in die Region der Türkei fliehen, in der die eigene Mutter aufwuchs, wollen die drei nicht untätig zusehen. „Die islamischen Terroristen sind eine Bedrohung für die ganze Welt, da dieses Denken bei Radikalen auch in Westeuropa und damit auch in Deutschland zu finden ist. Wir wollen bei unserer Hilfe für die Flüchtlinge auch nicht zwischen Jesiden, Christen und Moslems unterscheiden“, so Günel Celik.

Doch den jungen Jesiden ist auch klar, dass sie Spenden nur dann einwerben können, wenn es auch einen Verein gibt, der für die Ziele steht.

Aus diesem Grund haben sie den Kontakt zu Rechtsanwalt Bodo Schäfer, einem Freund der Familie, und der Bundestagsabgeordneten Petra Crone gesucht. Schäfer hat bereits zugesagt, den Verein zu unterstützen und dort mitzuarbeiten und auch Crone steht hinter dem Vorhaben.

Esercam Celik: „Wir werden dafür sorgen, dass jeder gespendete Euro bei den Flüchtlingen ankommt.“ Das soll möglich werden, weil die Geschwister das Geld persönlich überbringen wollen, wobei die Flugkosten keinesfalls aus dem Spendenaufkommen bezahlt werden sollen.

„Natürlich werden wir diese Reise auch auf Film festhalten, damit die Unterstützer sehen können, was mit ihrem Geld erreicht wird“, erläutert Günel Celik.

Die Vereinsgründung soll in den kommenden beiden Wochen erfolgen, damit möglichst noch eine erste Hilfslieferung Ende September organisiert werden kann. Erkan Celik: „Natürlich freuen wir uns, wenn weitere Menschen aus dem Volmetal dem Verein beitreten möchten.“

Ein Kontakt mit den engagierten Kierspern ist unter der Rufnummer 01 59 01 55 84 12 oder per Mail unter gcelik91@gmail.com möglich.

Die MZ wird weiter über den Verein berichten und nach der Gründung auch die Nummer des Spendenkontos veröffentlichen.

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