Viel Lob für Flüchtlingshelfer in Kierspe

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Mohammad Meyassar und Rahina Hussein bewirteten die Gäste mit einem arabischen Büfett.

Kierspe - Seit zwei Jahren engagiert sich der Verein „Menschen helfen“ inzwischen schon in der Flüchtlingsarbeit. Seither haben sich die Arbeitsfelder immer wieder verändert, kamen neue Helfer dazu, während sich andere aus der Arbeit zurückzogen.

Bei einem Treffen im Kiersper Kreativzentrum zogen die Mitglieder jetzt Zwischenbilanz. Aus allen Bereichen waren Mitarbeiter gekommen: Möbeltransporteure, die Wohnungen für die Neuankömmlinge einrichten, Männer, die inzwischen so viele Fahrräder hergerichtet haben, dass sie ihr Geld auch als Fahrradmechaniker verdienen könnten, das Team, das regelmäßig montags mit der Teestube für einen Treffpunkt zwischen Flüchtlingen und Deutschen sorgt, und die „Kümmerlinge“, die Kontakt zu den Neuankömmlingen halten und ihnen die Wege in eine fremde Gesellschaft ebnen.

Behördenkontakte gehören regelmäßig dazu. Dabei „knirscht“ es immer mal wieder in der Kommunikation zwischen Ehrenamtlichen und Behördenvertretern, persönliche Notwendigkeiten einerseits und Verwaltungshandeln andererseits passen nicht immer zueinander. Ursprünglich hatte der Vorstand bei dem Treffen an eine „interne Beratung“ gedacht, am Ende wurde daraus ein Arbeitsessen an gedeckten Tischen und mit einem arabischen Büfett, das keine Wünsche offen ließ.

Persönliche Beziehungen sind entstanden

Die Tischgespräche offenbarten die ganze Bandbreite der Flüchtlingshilfe. In das Asylverfahren haben sich die meisten „Kümmerlinge“ inzwischen eingearbeitet und jonglieren gekonnt mit Begriffen wie „Gestattung“, „Duldung“ oder „Titel“. Persönliche Beziehungen sind ebenfalls entstanden.

Anne Mesenhöller ist inzwischen stolze „Tages-Oma“ eines nigerianischen Kleinkinds. Zweimal in der Woche betreut sie den Jungen, damit seine Mutter in der Zwischenzeit einen Deutschkurs besuchen kann. Die Beiden sind ihr ans Herz gewachsen – das war zu spüren.

Eher bedrückt zeigte sich Karin Schmidt-Essing. Die albanische Familie, für die auch die Gesamtschüler mit einer Unterschriftenaktion kämpften (wir berichteten), wurde jetzt erneut zur Ausreise aufgefordert, trotz laufenden Verfahrens vor der Härtefallkommission des Landes NRW. Schmidt-Essing findet das widersinnig. „Wenn der Klage stattgegeben wird, müsste man sie aus Albanien zurückholen.“

Lager und Fahrradpause gehen in die Winterpause

Ihren Mitstreitern sprach sie Mut zu: „Ihr habt viel Kraft und viel Arbeit in die Flüchtlingsarbeit gesteckt. Ohne euch ginge es den Flüchtlingen wesentlich schlechter.“ Trotz dieser Erkenntnis können nicht alle Helfer weitermachen. Bis Februar ist im Lager und in der Fahrradwerkstatt Winterpause.

Das Lager wird seine Öffnungszeiten vermutlich auf zwei Samstage im Monat reduzieren, denn berufsbedingt müssen Ludmilla und Steffen Pieta, zwei sehr engagierte Ehrenamtliche, ihre Mitarbeit stark einschränken. Unterstützung sei deshalb dringend nötig, der Bedarf weiterhin vorhanden.

Zudem kommen neue Flüchtlinge, wenn auch nicht mehr so viele. In der vergangenen Woche seien 15 Personen gekommen, weitere 15 seien bis Weihnachten angekündigt. Sie brauchen Menschen, die ihnen das Leben in Deutschland erleichtern.

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