Kevin Görges aus Kierspe geht unter die Haut

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Mit einem Zitat von Franz Kafka beschreibt der Kiersper Tätowierer Kevin Görges seine Arbeit: „Die Kunst hat das Handwerk nötiger als das Handwerk die Kunst.“ Um kreativ zu sein, müsse man das Handwerk erst einmal beherrschen, findet er.

Kierspe - „Ich will einen guten Service bieten, authentisch sein und gut beraten“, sagt Kevin Görges, Inhaber des Tattoo-Studios „TattooWahnsinn“ an der Kölner Straße. 2008 hat er sich dazu entschieden seine Leidenschaft zum Beruf zu machen und lernte in verschiedenen Studios das Handwerk. Fünf Jahre später eröffnete der 36-Jährige seinen eigenen Laden.

„Einmal Kierspe, immer Kierspe“ – deshalb fiel Görges die Entscheidung vor einigen Jahren auch nicht schwer, ein Jobangebot in Köln auszuschlagen, um in seiner Heimatstadt bei der Familie zu bleiben. „Das war ein Punkt, an dem ich gesagt habe, ich möchte in die eigene Tasche arbeiten.“ Er mietete das Ladenlokal an und baute sich sein Studio auf. Bis heute arbeitet er an dem Inventar und Aussehen.

„Ich bin stolz darauf. Ich habe bei Null angefangen“, sagt Görges. Am Anfang habe er schwierige Monate gehabt. Ohne Bankkredit und ohne irgendeine andere Unterstützung zog der Kiersper langsam sein Studio mit eigenem Kundenstamm hoch. „Ich baue mir das nach und nach auf. Ich vergleiche mich gerne mit den Rolling Stones“, lacht Görges. Die Musiker seien keine Casting-Band, wurden nicht „gepusht“, sind aber immer noch da. „Gut Ding will eben Weile haben.“

Momentan ist Görges mit seiner Arbeit zufrieden: „Bis zum Ende des Jahres bin ich ausgebucht.“ Seine Kunden kommen aus dem Märkischen Kreis, aber auch aus Köln. Der Jüngste war 18 Jahre alt. „Das ist für mich auch die Grenze. Unter 18 geht gar nichts.“ Seine älteste Kundin war eine 74-Jährige, die das Tattoostechen mit in ihren Erfahrungsschatz aufnehmen wollte.

Tattoos in schwarz und grau sticht Kevin Görges fast täglich. Farbige Motive hat er aber auch in seinem Repertoire.

Eine Problematik sieht der 36-Jährige aber in der Branche: „Das Tätowieren ist kein staatlich anerkannter Beruf. Es kann jeder machen und es macht auch jeder.“ Es gebe schwarze Schafe. „Manchmal kommen Kunden, die ein Tattoo weghaben wollen“, sagt Görges. Wenn es möglich ist, dann „covert“ er dieses, indem andere Motive darüber gestochen werden. „Manchmal empfehle ich den Kunden aber auch, es weglasern zu lassen“, denn was anderes sei manchmal nicht möglich.

„Ich bin mir nicht zu schade, auch mal Nein zu sagen“, betont er. Das gelte auch für normale Tattoos. „Es ist nicht alles umsetzbar.“ Aufklärung und Beratung spielen für Görges eine große Rolle – das sei unumgänglich. Daher sei sein erster Gedanke bei einem Beratungsgespräch immer: „Kann ich es umsetzen?“ Dann spiele auch noch die Haltbarkeit eine Rolle. Je nach Größe und Stelle könne diese variieren. Zum Beispiel seien mehr Schwarzkontraste und Verläufe möglich, wenn ein Tattoo großflächiger gestochen werde. „Es muss einfach auf Dauer funktionieren.“

Und hinzu kommt auch: „Ich muss mich mit den Leuten wohlfühlen und die sich auch mit mir.“ Für manche Menschen sei das Tattoostechen ein besonderes Lebensereignis, daher nehme Görges alle Kunden und ihre Ideen gleich ernst und spreche sehr intensiv mit ihnen.

„Tribals in jeglicher Form sind ein No-Go“, damit meint Görges die typischen, schwarz ausgefüllten Motive aus den 90er-Jahren. Maori-Tattoos steche er auch nicht gerne. „Da habe ich einfach nicht den Blick für.“ Der Stil falle nicht in sein Interessengebiet. „Mir muss ein Motiv genauso gefallen wie dem Kunden“, denn als Tätowierer bedenke er immer, dass es auch seine Werbung sei.

Die Frage nach den aktuellen Trends lässt sich eher schwer beantworten: „Trend ist immer das, was in der Öffentlichkeit präsentiert wird“, findet Görges. Schriftzüge und Unendlichkeitszeichen seien vor allem durch die Stars verbreitet worden. „Der Trend geht allerdings weg von Schriftzügen“, ist Görges Erfahrung. „Die Motive werden persönlicher und sind nicht mehr Mainstream“ – Fußabdrücke vom eigenen Kind beispielsweise. „Der Trend geht in die Individualität.“

Stile wie bunte Aquarelle und indische Mandalas bei Frauen, Old School und florale Motive bei den Männern seien angesagt.

Sein Studio an der Kölner Straße ist noch nicht ganz so, wie Kevin Görges es gerne hätte.

„Ich habe Spaß daran. Das ist das, was ich solange wie möglich machen möchte“, Kevin Görges hat sich einen kleinen Traum erfüllt. Aber es gibt noch einen anderen Aspekt, der ihm wichtig ist: „Ich kann mit einem guten Gewissen nach Hause zu meinem Kind kommen.“ Er habe Zeit für die Familie. Görges führt seinen Laden ganz alleine. Damit alles strukturierter läuft und die Beratung der Kunden nicht zu kurz kommt, hat er Mitte des Jahres sogenannte Walk-Ins eingeführt. „Immer zum Monatswechsel finden diese Beratungstermine statt“, sagt der Tätowierer.

Für alle Kunden gibt es bei den kommenden Termine (2. bis 5. November und 29. November bis 3. Dezember) Verlosungen. Zu gewinnen gibt es Kleidung, Gutscheine und Souvenirs. Für das kommende Jahr plant Görges außerdem Gasttätowierer in den Laden zu holen. Mehr Infos gibt es unter www.tattoowahnsinn.de.

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