„Tattoowahnsinn“: Kein Stich seit dem Lockdown

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Bei der Arbeit: Kevin Görges hofft auf eine schnelle Wiedereröffnung.

Kierspe – Zahlreiche Unternehmen sind durch die Corona-Krise in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten.

In einzelnen Branchen darf inzwischen wieder gearbeitet werden, doch nach wie vor müssen viele Ladenlokale – seit Einführung des Kontaktverbotes in Nordrhein-Westfalen samt entsprechender Vorschriften – geschlossen bleiben und warten darauf, wieder öffnen zu dürfen. So geht es auch den Tatöwierern.

Kevin Görges betreibt in Kierspe als Solo-Selbstständiger das Studio „Tattoowahnsinn“ an der Kölner Straße. Seitdem das Kontaktverbot gilt, muss das Ladenlokal geschlossen bleiben. Dass dies für den Kiersper wirtschaftlich ein enorm schwerer Schlag ist, versteht sich von selbst. „Ich habe 100 Prozent Umsatzeinbußen“, erzählt er. „Hinzu kommt, dass die Materialien nur begrenzt haltbar sind“, erklärt Kevin Görges. Diese muss er dann also gegebenenfalls neu beschaffen. Dazu zählen einerseits die Farben. Und bei den Utensilien – also zum Beispiel Nadeln und Griffpolster –, mit denen der 39-Jährige arbeitet, handelt es sich aus hygienischen Gründen ausschließlich um Einweg-Produkte. 

Immerhin: Für drei Monate ist der Volmestädter noch auf der sicheren Seite – dank der NRW-Corona-Soforthilfe. Aber er hofft natürlich, so bald wie möglich wieder arbeiten zu können. Die vor der Corona-Krise mit Kunden vereinbarten Termine mussten allesamt auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Wann es weitergehen kann, ist nach aktuellem Stand der Corona-Regelungen völlig offen. „Ich habe rund 80 Termine auf Warteschleife“, sagt Kevin Görges. Erfreulich für den Kiersper Tatöwierer: Mit den Termin-Verschiebungen sei er bei den Kunden grundsätzlich auf Verständnis gestoßen. Dennoch hätte es wegen der Corona-Krise auch einzelne Terminabsagen seitens der Kunden gegeben.

Was derzeit freilich ebenfalls nicht im Tattoostudio bei Kevin Görges stattfinden kann, sind seine monatlichen Beratungstage, die sogenannten „Walk-Ins“. Wenn er wisse, wann er sein Studio wieder öffnen dürfe und für wann er die rund 80 Nachholtermine vergeben könne, dann würden auch neue „Walk-In“-Termine geplant, erklärt er. 

Insgesamt sehe er die Corona-Krise mit „gemischten Gefühlen“, sagt Kevin Görges. Einerseits habe er nun mehr Zeit, sich um seine Familie – der 39-Jährige hat ein kleines Kind – zu kümmern. Aber die gravierenden Nachteile seien der Umsatzausfall und der finanzielle Druck. Hinzu kämen die eingeschränkten sozialen Kontakte. Für die strengen Corona-Vorschriften zeigt er aus Gründen der Sicherheit für die Gesundheit grundsätzliches Verständnis, so der Kiersper. 

Wenig Verständnis habe er allerdings für die „Lockerungsstragerien“, fügt er hinzu. So kritisiert Görges etwa, dass Geschäftszweige öffnen dürfen, bei denen ein höheres Risiko besteht und das Kundenaufkommen um ein Vielfaches höher ist als beim Tätowierer. „In meinem Fall hingegen wären es maximal zwei Personen am Tag – ein langer und ein kurzer Termin. Zudem tätowiere ich nur Stellen, die sich unterhalb der Brust, also nicht in Kopfnähe befinden“, erklärt er. Darüber hinaus würde er wegen der Betreuung seines Kindes lediglich an dreieinhalb Tagen in der Woche arbeiten. Das wären dann sieben Termine in der Woche. Und hinsichtlich der entsprechend der Corona-Vorschriften geltenden Hygieneanforderungen betont Kevin Görges insbesondere: „Diese Hygieneanforderungen sind bei Tatöwierern ohnehin schon lange Standard. Die sind für uns selbstverständlich und alltäglich.“

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