DRK ist auf der Suche nach neuen „Helfern vor Ort“

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Alle zwei Wochen ist Dienstbesprechung. Dabei stehen vor allem fachliche Übungen auf dem Plan. ▪

KIERSPE ▪ Sanitätswache und Katastrophenschutz, Helfer vor Ort, Blutspendedienst und Erste-Hilfe-Kurse: Das Aufgabenspektrum des Roten Kreuzes in Kierspe ist vielfältig und zeitintensiv. Der Vorstand hatte die Statistik geführt und war für das Jahr 2012 auf satte 17 000 Stunden gekommen, die die Aktiven des DRK-Ortsvereins geleistet hatten – ehrenamtlich und unentgeltlich.

Lediglich für die Sanitätswachen bezahlen die Veranstalter einen Obolus, der aber auch wieder der Arbeit des Roten Kreuzes zugute kommt. Und in dieser großen Zahl seien nicht einmal die vielen Stunden erfasst, die „so nebenbei“ geleistet werden, ohne, dass jemand sie aufschreiben würde, meinte Jasmin Bölling.

Die Gesamtschul-Lehrerin teilt sich seit November den Vorstand mit Christian Bendt, langjähriges DRK-Mitglied und Gruppenführer.

Der frischgebackene Vorständler bringt seine beruflichen Kompetenzen in die ehrenamtliche Arbeit ein und hat für das DRK ein EDV-Programm geschrieben, mit dem sich die zahlreichen Termine besser koordinieren lassen als mit dem herkömmlichen Alarmplan in Papierform. Denn die Organisation nimmt viel Zeit in Anspruch. „Alles muss zusammenpassen“, erläuterte Alexander Kalcher, zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. „Wer kann wann und wo eingesetzt werden? Welche Wagen stehen zur Verfügung?“ Und damit niemand einen Einsatz vergisst, bekommen die Aktiven eine Erinnerungs-SMS auf ihr Handy geschickt.

Den Einsatz in Unna-Massen werden die Beteiligten wohl nicht so schnell vergessen. Im Rahmen des Katastrophenschutzes war Christian Bendt im Oktober zusammen mit sieben Aktiven drei Tage lang in dem Auffanglager tätig, als Teil der „Zweiten Einsatzeinheit MK“. Die Kiersper waren im Betreuungsdienst eingesetzt, mussten die Flüchtlinge registrieren, mit Artikeln des täglichen Bedarfs versorgen und ihnen Wohnungen zuweisen. Die Verständigung lief unter anderem über ein Bildwörterbuch. Das erwies sich als praktisch und ist seitdem Bestandteil der Kiersper Ausrüstung. „Wir lernen aus solchen Einsätzen“, meinte Jasmin Bölling.

Die Einsätze im Katastrophenschutz bleiben zwar am stärksten haften, im Vordergrund steht aber die tägliche Arbeit vor Ort. Vor allem in den Sommermonaten steigt die Zahl der Sanitätswachen regelmäßig an. Daran beteiligen sich alle Aktiven, darüber hinaus setzt jeder, je nach Interessenlage und verfügbarer Zeit, seine persönlichen Schwerpunkte. Dabei ist der Ortsverband eingebunden in den Rettungsdienst. „Die Zusammenarbeit klappt gut,“ betonte Jasmin Bölling. Unterstützung komme auch von den Arbeitgebern, die bei Bedarf ihre Mitarbeiter für die Dauer eines Einsatzes freistellen. Aber das sind seltene Ausnahmen, der größte Teil der Arbeit findet in der Freizeit statt.

Dazu gehört auch der Bereitschaftsdienst der Helfer vor Ort. Zwei Helfer halten sich jede Nacht und am Wochenende ganztägig bereit, um den Rettungsdienst zu unterstützen. Weil Kierspe keine eigene Rettungswache hat, trägt dieser Dienst dazu bei, die Zeitspanne zu verkürzen, bis der Rettungswagen aus Meinerzhagen oder Wipperfürth und der Notarzt aus Lüdenscheid eingetroffen ist. Manchmal geht es dabei um Minuten, die entscheidend sein können. 15 Helfer teilen sich die Arbeit. „Aber wir brauchen dringend Nachwuchs.“ Dieser Satz fiel im Laufe des Gesprächs immer wieder. Aktuell stehen drei Aktive kurz vor dem Abitur und werden mit Aufnahme eines Studiums ihre Arbeit beim Roten Kreuz in Kierspe wohl beenden. „Wenn 20 Leute auf dem Alarmplan stehen und drei davon brechen weg, dann wird es eng“, verdeutlichte Alexander Kalcher die Situation.

Aber die Arbeit ist befriedigend, auch das wird im Gespräch deutlich. „Jeder von uns hat wohl sein eigenes Schlüsselerlebnis“, meinte Kalcher. „Es ist ein schönes Gefühl zu wissen, dass man geholfen hat.“ ▪ Birgitta Negel-Täuber

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