Ob zwei oder vier Räder – Hauptsache mit Motor

+
Mit ihren tollen Oldtimer-Gefährten suchen die Rallye-Club-Mitglieder bei den verschiedenen Wettbewerben Gleichmäßigkeit zu erreichen. ▪

KIERSPE ▪ „Der Grip bringt es“, ist sich Stefan Müller, seit mehr als drei Jahren im jugendlichen Kart-Team des Rallye-Clubs dabei, sicher. Diese vier Buchstaben beschreiben, worum es beim Motorsport geht: um Nervenkitzel, Adrenalin, Leidenschaft, Geschwindigkeit und Abenteuer.

Dem 16-jährigen Müller steht die Begeisterung für seinen Sport in die Augen geschrieben, ganz ähnlich seinen lebensälteren Clubkameraden, wobei die mit Oldtimer-Gefährten unterwegs sind und statt der Geschwindigkeit die Kunst der Gleichmäßigkeit anstreben.

Beim samstäglichen Karttraining schwingt sich Müller in eines der beiden vereinseigenen Slalom-Karts, zieht die feuerfeste Kopfhaube über, dann den Helm und flitzt durch die aufgestellten Pilonengassen, wobei sich in den engen Kurven schon mal zwei Räder vom Boden lösen. Ziel sei es, die Ideallinie beim Durchfahren der zu verschiedensten Figuren formierten rot-weißen Pilonen zu erwischen, weiß Jugendtrainer Klaus Müller. Die Schwierigkeit bestünde darin, möglichst schnell, aber ohne die Hütchen von ihrem Platz zu verschieben oder umzuwerfen zum Beispiel durch den Slalom, die Brezel-Figur oder das sogenannte deutsche Eck mit 90-Grad-Winkel zu rasen, denn das bedeute im Wettkampf Zeitfehler. „Viel Platz ist da nicht, an jeder Seite nur zehn Zentimeter“, beschreibt Trainer Müller den Anspruch an die Fahrkünste seiner Schützlinge weiter. Nach etwa einem Jahr Training hätte man den Bogen raus und könne an Turnieren teilnehmen, was den Ansporn für die insgesamt 15 Jungen und einem Mädchen im Alter von acht bis 18 Jahren ausmache. So waren sie in der gerade bestrittenen Turniersaison vielfach erfolgreich, beispielsweise der erst neunjährige Andre Pieper bei den ADAC-Endläufen oder Stefan Müller in der höchsten Klasse der Südsauerland-Kart-Slalommeisterschaften. Zuvor heißt es jedoch üben, vor allem für die beiden Achtjährigen, einer erst seit wenigen Wochen dabei. Es gilt zunächst, ein Gefühl für das Lenken wie auch Gas- und Bremspedal zu entwickeln, präzise und vorausschauend zu fahren und überhaupt die Strecke durch die neun vorgegebenen Pilonenfiguren einzuhalten, was denn die ganze Aufmerksamkeit fordert.

Fahrtechnische Fähigkeiten wie auch soziale Kompetenzen zu entwickeln und damit den Kindern und Jugendlichen einen Einstieg in die Verkehrserziehung zu bieten, sei erklärtes Ziel des Kiersper Rallye Clubs, so Vorstandsmitglied Lothar Kasper. In dem vor mehr als 50 Jahren gegründeten Verein wirken die verschiedenen Generationen miteinander. Der Enkel fährt im Youngster-Cup mit, Opa nimmt an den Oldtimer-Ausfahrten teil, wobei sich diese in solche für Autos und Motorräder aufteilen. „Dabei kommt es auf Gleichmäßigkeit an“, erklärt Kasper, so müsse bei den Orientierungsfahrten eine vorgegebene Strecke in einem bestimmten Zeitfenster gefahren werden. Jeder dürfe teilnehmen, vorausgesetzt das Fahrzeug sei nicht nach 1992 zugelassen. Oldtimer-Referent Edwin Dupslaff, fast seit Vereinsgründung dabei, hat damit kein Problem. Sein schon historischer PKW ist Baujahr 1965, ein von Grund auf restaurierter silberner Glas, der mit seinen 75 PS und 1300 Kubikzentimetern Hubraum früher auch im Rennsport lief. Ein Vorkriegsmotorrad der Marke Tornax, 1941 in Wuppertal produziert, stellt das älteste Fahrzeug im Club. „Davon sind in Deutschland nur noch maximal 15 Stück erhalten“, weiß der stolze Besitzer Harald Zawadzki, der mit seinem Gefährt noch im August an der Oldtimer-Veteranen-Rallye teilnahm.

Ob Rennsport oder Oldtimer-Ausfahrt, bei den unterschiedlichen Veranstaltungen treffen sich alle wieder, zur Streckenkontrolle oder Sicherung, zur organisatorischen Unterstützung oder einfach zum Fachsimpeln. Beim monatlichen Clubabend oder auch bei den gemeinsamen Festen halten die Vereinsmitglieder auch in den fahruntauglichen Wintermonaten Kontakt und laden Motorsportbegeisterte ein, sich ihnen anzuschließen. Um dem Jugendsportbereich mehr Kapazitäten zu eröffnen, richtet sich die Anfrage des Clubs an die heimische Industrie: Einen asphaltierten Platz in etwa der Größe eines halben Fußballfeldes einmal wöchentlich nutzen zu dürfen, würde das Kart-Trainingsangebot des Vereins um ein Vielfaches erweitern.

Kontakt

Kiersper-Rallye Club e.V.: Ulrich Tweer (Tel. 02332/75980)/Lothar Kasper (Tel. 02331/2040246), Homepage http://www.kiersper-rallye-club.de

Jugendtraining Friedrich-Ebert-Straße 178-180 (Parkplatz Fa. BREMI gegenüber EKZ), samtags 15-18 Uhr, Klaus Müller (Tel. 02359/290589) ▪ EST

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare