Lehrfilm aus Kierspe: Wenn Mobbing zu einem Suizid führt

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Heidrun Wendel und Holger Weyland haben gemeinsam den Lehrfilm produziert, der sich mit dem Thema Suizid beschäftigt.

Kierspe - Mehr als 100 000 Menschen haben ihr Leben in den vergangenen Jahren „freiwillig beendet. Doch wo liegen die Gründe für die hohe Zahl der Suizide? Wie können diese Taten verhindert werden?

Fragen, mit denen sich die Kiersper Diplom-Psychologin Heidrun Wendel in ihrem neuen Lehrfilm beschäftigt. Und sie glaubt einen Hauptgrund für den Suizid – gerade bei jüngeren Menschen – ausgemacht zu haben: Mobbing.

„Alle 52 Minuten nimmt sich in Deutschland ein Mensch das Leben, alle fünf Minuten findet ein Selbstmordversuch statt. Damit sterben durch Suizid mehr Menschen als durch Verkehrsunfälle, Mord und Totschlag, illegale Drogen und Aids zusammen“, erklärt Heidrun Wendel. Gleichzeitig sei der Suizid tabuisiert, „es wird einfach nicht darüber gesprochen.“ Das will Wendel ändern, unter anderem mit einem Film, den sie gemeinsam mit Holger Weyland von „nrwision“ und ihrer Kiersper Schülerpraktikantin Jessica Luschnat produziert hat. Eingesetzt werden soll das Werk nach seiner Fertigstellung in der Ausbildung von Lehrern, Erziehern und Sozialarbeitern. „Es ist nahezu unmöglich, Menschen vor die Kamera zu bekommen, die bereits einen Suizidversuch unternommen haben“, erzählt Wendel, die die Interviews an der Gesamtschule Kierspe und dem Evangelischen Gymnasium Meinerzhagen führte. Doch gelungen sei, Menschen zu einem Interview zu bewegen, die von dem Suizid eines Verwandten, Freundes oder Bekannten betroffen seien. Wendel: „Dabei wurde als einer der Hauptgründe, die zu einer Selbsttötung führen können, Mobbing genannt.“ Um dieses Thema zu vertiefen, nahm die Psychologin Kontakt zu der jungen Künstlerin Anais (gesprochen Ana-Is) aus Heidelberg auf, die aus Plettenberg stammt und die sie schon von früheren Arbeiten kannte.

Die erst 14-jährige Künstlerin Anais aus Heidelberg hat die Choreografie für ihr Tanztheaterstück selbst geschrieben und übernimmt auch die Hauptrolle.

Die erst 14-Jährige Anais hat im Rahmen eines Projektes der Walddorfschule, die sie besucht, eine Tanzchoreografie zum Thema Mobbing geschrieben, in der sie auch den größten Part übernimmt. Szenen aus der rund 25-minütigen Aufführung werden dann in dem Film zu finden sein, der auch mit Musik von Schülern eines Gymnasiums im Allgäu unterlegt ist.

In dem Tanzprojekt dreht sich alles um ein junges Mädchen, das mit seiner Mutter glücklich in Frankreich lebt, bis zu dem Tag, als ihm die Mutter eröffnet, dass sie bald nach Deutschland umziehen müssten, da es dort eine neue Arbeitsstelle für die Mutter gebe.

An der neuen Schule in Deutschland erfährt die Schülerin jedoch nur Ausgrenzung, Ablehnung und schließlich sogar Gewalt. Erst als eine jüngere Schülerin den Mut findet, einzuschreiten und die „Neue“ zu integrieren, wendet sich das Blatt. Und so mündet zumindest das Stück in einem Happy End.

In den Lehrfilm wurden auch Szenen aus dem Tanztheaterstück der Künstlerin Anais aufgenommen.


Doch im wirklichen Leben steht nach den Erfahrungen, die Wendel mit ihren Interview-Partnern gemacht hat, nicht Versöhnung und Freundschaft am Ende eines Weges, der mit Mobbing einhergeht, sondern abgrundtiefe Verzweiflung und eben auch der Suizid des Betroffenen.

Wege aus dieser Verzweiflung sieht Wendel in der Enttabuisierung des Themas Suizid und in der Sensibilisierung der Menschen, die aufgrund ihres Berufes mit den Menschen zu tun haben, die in der Gefahr stehen, Opfer von Mobbing zu werden. Aber auch eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit, Aufklärung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen oder Fortbildungsseminare für Multiplikatoren sieht die Psychologin als den richtigen Weg.

Um diesen Weg auch selbst zu beschreiten, wird es den Film nach seiner Fertigstellung und Premiere in München auch im Internet geben, außerdem bietet sie gemeinsam mit Holger Weyland an, das Tanzprojekt für interessierte Schulklassen in der Stadthalle in Meinerzhagen aufzuführen. Möglich ist das aber nur in den Herbstferien Baden-Württembergs, da die Künstlerin dort selbst noch zur Schule geht.

Schulklassen, die Interesse haben, sich das Tanzprojekt zum Mobbing anzuschauen, können unter 0 23 59/67 81 Kontakt zu Heidrun Wendel aufnehmen.

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