Bizarres Leben bei Freunden in Denton

Angst vor dem stillen Virus

Denton - Partnerschaftsverein - Corona
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Wie leergefegt sind die Hauptverkehrsstraßen in Denton, wo die Angst vor dem stillen und tödlichen Coronavirus umhergeht. Auch die zweite Vorsitzende des Partnerschaftsvereins, Holly Madden, infizierte sich und berichtet über ihre Erkrankung.

Unter der Corona-Pandemie leiden auch die Städtepartnerschaften, die Kierspe zu Montigny-le-Bretonneux in Frankreich und Denton in Großbritannien unterhält. Aber auch wenn Besuche derzeit nicht möglich sind, so heißt dies nicht, dass der Kontakt (vorübergehend) ganz abreißt. Im Gegenteil, die Verantwortlichen in den Partnerschaftsvereinen in den drei Städten nutzen, wie viele andere auch, die digitalen Möglichkeiten.

Kierspe/Denton - So konnte zwar der Weihnachtsmarkt in Montigny, der sowohl für die Kiersper als auch für die Dentoner stets ein fester Besuchstermin im Kalender war und auf den sich viele freuten, Ende des vergangenen Jahres nicht besucht werden. Doch dafür stand als kleiner Ersatz im Dezember ein virtuelles Treffen mit Denton und Montigny auf dem Programm. Dafür wurde die Software Zoom genutzt und organisiert wurde dieses Online-Treffen von den Freunden in Denton, die den Franzosen und Deutschen dabei eine englische Tradition näher brachten, das Pub-Quiz. Besonders an Wochenenden werde dies in Kneipen gespielt, wobei die verschiedensten Fragen beantworten werden sollen – bei der Zoom-Konferenz blieb leider nicht allzu viel Zeit dafür.

Eine weitere Videokonferenz zwischen Montigny und Kierspe gab es am 22. Januar, dem „Deutsch-Französischen Tag“ (MZ berichtete). Über diesen offiziellen virtuellen Treffen gibt es natürlich auch zwischen den Mitgliedern der Partnerschaftsvereine beziehungsweise -komitees Kontakt untereinander. So wird aus den E-Mails und Whatsapp-Nachrichten, die aus Denton kommen, deutlich, dass viele Menschen in England in der Vergangenheit noch nicht kennengelernt haben, dass die Pandemie ihre Freiheit einschränkt, wie hier Kneipen und Geschäfte geschlossen sind und die Angst umgeht, einen stillen und tödlichen Virus zu verbreiten. „Bleibt zu Hause, schützt den NHS (National Health Service: Nationaler Gesundheitsdienst) und rettet Leben“, lauten die Anweisungen der Regierung.

Ähnliche Erfahrungen

„Ähnliche Erfahrungen lassen uns immer wieder fragen“, sagt Angelika Witte, zweite Vorsitzende des Kiersper Partnerschaftsvereins, „wie geht es euch?“ Die Antwort von George Newton, Vorsitzender des Partnerschaftsvereins in Denton: „Das Leben in Denton ist dem überall in Europa sehr ähnlich, Fitness-, Sportstätten bleiben alle geschlossen, viele Leute arbeiten vom Schlafzimmer oder vom Küchentisch aus und jeder sehnt sich danach, Freunde oder Familie wieder treffen zu können.“

Heruntergelassene Rolläden nicht nur bei den meisten Geschäften, sondern ebenfalls beim Denton Post Office - hinten das Rathaus.

Die große Mehrheit der Menschen befolge die Vorschriften, wie zum Beispiel nur eine Person draußen zu treffen, auf allen öffentlichen Plätzen Masken zu treffen. Ebenso darf niemand, der nicht zur engsten Familie gehört, andere besuchen. Als ob es nicht alles schon schlimm genug wäre, sagt George Newton, dass Familien getrennt sind und Freunde nur über Skype und Face Time Kontakt zueinander halten. Dann weicht auch noch das traditionell regnerische, britische Wetter für eine Woche einem „fantastischen Sonnenschein – typisch“.

Leere Parks, geschlossene Schulen

Newton bezeichnet das Leben in Denton als bizarr: leere Parks, leerer Marktplatz, geschlossene Schulen. „Und unser supermodernes Schwimm- und Sportzentrum musste genau eine Woche nach Eröffnung schließen.“ Die Menschen würden aber alles Mögliche tun, sich gegenseitig unterstützen, Menschen mit gesundheitlichen Problemen und Älteren helfen, die Tafeln der Gemeinde unterstützen und Online-Foren einrichten, wo man Ideen austauschen und in Kontakt bleiben könne. „Wir sind gelangweilt, frustriert und haben auch Angst, aber wir sind unverwüstlich und wir schaffen das“, meinte Newton. Da sich die Mitglieder der Städtepartnerschaftsvereine nur digital treffen und eigentlich nicht viel planen können, habe man sich in Denton, so George Newton, jetzt dem Thema „Toilettenpartnerschaft“ („Toilet Charity“) zugewandt.

Toilet Charity

Es handelt sich dabei um eine Wohltätigkeitsaktion, bei der Geld gesammelt wird, mit dem wiederum Menschen in armen Ländern Zugang zu sanitären Einrichtungen ermöglichen werden soll. Der Partnerschaftsverein in Denton hat inzwischen nicht nur intern gesammelt, sondern konnte auch zwei Schulen gewinnen, die sich an der Aktion beteiligen. Das Motto dafür lautet „Flush Poverty Down“ (Lasst uns Armut wegspülen).

Nach Rücksprache mit Holly Madden, der zweiten Vorsitzenden des Partnerschaftsvereins in Denton, darf Angelika Witte ihre Übersetzung in einer Nachricht veröffentlichen. Denn darin berichtet Holly Madden, dass viele Menschen in Denton sich mit dem Coronavirus infiziert haben und leider auch Hunderte an Covid oder an Komplikationen gestorben. Auch die zweite Vorsitzende erwischte es: „Nach starkem Fieber und extremer Müdigkeit ließ ich einen PCR-Test am örtlichen Drive-in-Testzentrum machen. Der positive Test wurde zwölf Stunden später vom NHS (nationales Gesundheitssystem) bestätigt, verbunden mit der Aufforderung, mich zehn Tage in Selbstisolation zu begeben.“

Essen vor die Tür gestellt

Während dieser Zeit hätten andere Familienmitglieder für sie eingekauft und Nachbarn für sie Essen vor die Tür gestellt. Zudem habe das Gesundheitsamt immer wieder bei Holly Madden angerufen, nach Symptomen gefragt und ob sie weitere Hilfe benötige. „Ich bin jung und fit, aber das Virus hat mich zwei Wochen völlig fertig gemacht“, sagt Holly Madden. Ihre Gedanken seien bei den infizierten Menschen mit Komplikationen oder mit schlimmeren Verläufen als bei ihr. In Denton hofft man, dass die Einschränkungen ab März zurückgefahren werden. „Aber es wird noch dauern, bis wir wieder zur Normalität zurückkehren können“, heißt es abschließend, „wir hoffen auf den Impfstoff als das goldene Ticket“.

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