Geflickte Überlandleitung hängt am Draht

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Die geflickte und mit einer Plastiktüte ummantelte Überlandleitung nach Stöcken hängt seit rund einem Monat auf einem Stacheldrahtzaun.

Kierspe - Die Schlagworte sind „schnelles Internet“, „Breitbandausbau im ländlichen Raum“ oder „G5-Modellregion Südwestfalen“ – die Realität sieht allerdings ganz anders aus und erscheint, zumindest, was den Kiersper Ortsteil Stöcken angeht, jahrzehnteweit zurück.

Und ist frustrierend für Ludger Sikora, der als Selbstständiger funktionierende Kommunikationsmöglichkeiten benötigt. Doch die gibt es für den Kiersper nicht, beziehungsweise nur bedingt – und dies seit dem 18. Januar. Denn an diesem Tag sorgte der Sturm Friederike für jede Menge Bruch an Bäumen beziehungsweise in den Wäldern.

Mit der Folge, dass die nach Stöcken führende Telefon-Überlandleitung durch einen Ast oder Baum beschädigt und durchtrennt wurde. Für Ludger Sikora und die anderen Bewohner von Stöcken bedeutete dies, trotz dauerhafter Meldungen beim Störungsdienst der Telekom, mehr als drei Wochen ohne Festnetztelefon und ohne Internet zu sein.

Allerdings muss man sich fragen, ob man bei Online-Geschwindigkeiten wie der eines Faxgeräts noch von Internet sprechen kann. „Ich will aber nicht meckern oder mich aufregen“, sagt Ludger Sikora, „ich kann Online-Banking und auch das ein oder andere machen“.

Keine ausgehenden Telefonate möglich

Was ihn allerdings frustriert, ist, dass er trotz mittlerweile mehr als drei Stunden Telefonaten mit „Service-Robotern der Telekom von Rostock bis Rosenheim“ sowie mit Callcenter-Mitarbeitern – Frauen und Männer jeden Alters, ausgeschlafen wie übermüdet, interessiert wie gelangweilt – nicht begreiflich machen konnte, dass zwar sein Internet geht und er auch angerufen werden kann, doch ausgehende Telefonate nicht möglich sind.

Das Procedere sei stets das gleiche, erzählt Ludger Sikora: „Rufen Sie später wieder an!“ oder „Sie werden zurückgerufen!“ hat er zigmal gehört. Und wenn man dann durchkommt oder zurückgerufen wird, erfolgt die Abfrage nach Anschluss- und Kundennummer, es wird ein Serviceticket ausgestellt und an den Störungsdienst gesendet.

Der meldet sich dann irgendwann mit der SMS-Nachricht, „Es ist alles wieder in Ordnung“. Ausgehende Telefonate kann der Kiersper aber immer noch nicht führen. Und an der demolierten Überlandleitung, an der Sikora jeden Tag vorbei fährt, ist ebenfalls nichts passiert. Dort scheint das Kabel notdürftig geflickt zu sein.

Die Telefon-Überlandleitung nach Stöcken, die durch den Sturm Friederike zerstört wurde, wurde provisorisch geflickt und an Astresten einer Fichte aufgehängt.

Die Leitung ist an einem Baum mit einem Band befestigt, an einem zweiten hängt es an Resten von abgebrochenen Zweigen beziehungsweise Ästen und eine mit einer grünweißen Plastiktüte „gesicherte“ Flickstelle hängt auf einem Stacheldrahtzaun. Es soll eine zweite geben, meint der Kiersper, wo die mit Lüsterklemmen verbundenen Kabel ungeschützt Regen und anderen Wettereinflüssen ausgesetzt sind. Darin sieht er auch das Problem für seinen defekten Festnetztelefonanschluss.

André Hofmann, Pressesprecher der Telekom, sieht das anders: „Da muss ein anderes Problem vorliegen.“ Dass die Überlandleitung noch nicht ordentlich wieder hergestellt worden ist, begründet der Telekom-Pressesprecher mit der Vielzahl an Schäden: Rund 5000 Schadensvorfälle an Überlandleitungen habe es durch den Sturm Friederike gegeben, sagt André Hofmann.

Davon seien die meisten wieder instandgesetzt, etwa 100 würden noch auf der Liste stehen, die abgearbeitet werden müssten, führt der Pressesprecher weiter aus. Dies soll jedoch in den nächsten Wochen geschehen. Einen genauen Termin vermochte Hofmann natürlich nicht zu sagen.

Fehler liegt nicht im Haus in Stöcken

Ludger Sikora weiß allerdings, dass das Problem nicht bei ihm im Haus liegt. Denn zumindest einmal gab es keine Mitteilung „Der Festnetzkunde war nicht erreichbar“, sondern es kam ein Servicemitarbeiter vorbei, um erst einmal standardmäßig nach einem Fehler im Haus des Kierspers zu suchen.

Ohne Erfolg, selbst der Versuch, einen anderen und teureren Router zu verwenden, schlug fehl. Ludger Sikora hat längst damit begonnen, ernsthafte Überlegungen anzustellen, wie er sein Kommunikationsproblem – unter Umständen per Funk – lösen kann. Denn er glaubt nicht mehr daran, dass die Telekom kurzfristig die Überlandleitung ordentlich repariert, zumal er aktuell wohl der einzige in Stöcken zu sein scheint, der nicht selbst raustelefonieren kann. Nur eingehende Gespräche kommen beim Bewohner in Kierspe-Stöcken an.

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